Die Reichen werden immer reicher …

Thursday, October 11, 2007
By Michael Kreutz

… und die Armen auch. Die meisten Menschen in der Welt leben heutzutage besser als noch vor zwei Jahrzehnten, meldet die FAZ. Darum ist es auch kein Skandal, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Ein Skandal wäre es erst, wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer würden. Doch wenn der Kuchen größer wird, müssen die Stücke auch bei geringeren Anteilen nicht kleiner werden:

In den vergangenen 20 Jahren ist die Ungleichheit in der Einkommensverteilung vielerorts gewachsen. Gleichzeitig sind die Pro-Kopf-Einkommen in nahezu allen Regionen gestiegen, und zwar auch die der ärmsten Bevölkerungsschichten.

weiss man beim IWF. Ökonomische Wahrheiten, die Globalisierungsgegner nicht gerne hören: Es ist falsch, dass schnelles Wachstum des internationalen Handels viele Menschen ärmer macht. Es ist ebenso falsch, dass die internationale Verflechtung in erster Linie den Reichen zugute kommt. Und es ist falsch, dass Protektionismus den Entwicklungs- und Schwellenländern nützt. Macht ja nichts.

Das schöne am Kapitalismus ist eben, dass alle gewinnen – wenn der Staat sie lässt. Denn auch wenn die Lohnquote sinkt, so sind die realen Arbeitseinkommen überall in den OECD-Ländern weiter angestiegen. Zuwanderung und Verlagerung der Produktion üben zwar Druck auf die Lohnquote aus, dieser wird aber durch sinkende Preise und höhere Produktivitäten des internationalen Handels überkompensiert:

Aus ungleich verteilten Löhnen einen politischen Handlungsbedarf abzuleiten ist voreilig. Zwar ist die Vorstellung weit verbreitet, eine gleichmäßigere Verteilung sei “gerechter”, sie erhöhe den Wohlstand einer Gesellschaft. Staatliche Umverteilung von Reich zu Arm sei sinnvoll. Die Nutzenverluste der reichen Individuen fielen geringer aus als die Nutzenzuwächse der ärmeren. Diese Argumentation ist umstritten. Sie setzt voraus, dass Nutzen messbar und interpersonell vergleichbar ist. Spätestens seit Vilfredo Pareto lehnen die Ökonomen dies ab. Damit ist Gerechtigkeit keine ökonomische Kategorie, sondern eine philosophische.

Auf einem Feld gibt es dennoch Übereinstimmung. Ein allgemein akzeptiertes Werturteil besteht darin, die Menschenwürde zu wahren. Das Existenzminimum muss daher immer gewahrt bleiben. Eine ungleiche Verteilung der Löhne wird zum Problem, wenn das untere Ende der Verteilung existentiell abgehängt wird.

Die Strategie, auf Investitionen und Wachstum zu setzen, ist einer Politik der Umverteilung allerdings klar überlegen. Darauf haben der Nobelpreisträger Gary S. Becker und der Ökonom Kevin M. Murphy hingewiesen. Die Strategie der Umverteilung macht die Reichen ärmer, ohne die Armen reicher zu machen. Das ist weder effizient noch gerecht.

Übrigens: In Deutschland tragen die wolhhabendsten 10% der Steuerpflichtigen die Hälfte der gesamten Steuerlast. Eine Neiddebatte nützt also niemandem etwas.


Siehe auch:
Der Kuchen wird grösser

  • Share/Bookmark
–––

Ähnliche Beiträge:

Tags: , ,





Comments are closed.

Categories

Search