Friedensforschung und postkoloniale Theorie
Ist Friedensforschung nur eine Pseudowissenschaft? Das jedenfalls meint Gerald Steinberg, Professor für Konfliktmanagement an der israelischen Universität Bar Ilan.
Steinberg wirft der Zunft der Friedensforscher vor, in zu geringem Masse Forschung zu betreiben und relevante Theorien und Erklärungsmodelle einzubeziehen. Kritische Nachbewertungen gescheiterter Friedensprozesse fehlten demnach grundsätzlich. Im Ergebnis verfalle die Friedensforschung allzu gerne in eine reine Anwaltschaft für vermeintlich Schwächere, die sie jedoch auf Kosten wissenschaftlicher Grundlagenforschung betreibe.
Wenn eine Universität wie die von Chicago Kurse über “Facilitating Peaceful Community Change” anbietet, zu dem Exkurse in “American cultural imperialism, the religion of consumerism, white and male-caused oppression, Power/Empowerment, Leadership, Solidarity Work, and Building Alliances” gehört, dann ist Vorsicht geboten:
In the long term, societal support for academic activities, including research and teaching, is based on the outcome of these activities-on the utility of the product. Disciplines such as alchemy and astrology that do not produce useful or reliable results are eventually dropped from the curriculum. And the dominant ideologically saturated version of peace studies and conflict resolution programmes is the modern equivalent of alchemy and astrology.
Steinberg sieht ein Hauptproblem der Friedensforschung in der ideologischen Verzahnung mit den Postcolonial Studies – in seinen Augen eine Ideologie, die Forschung durch systematische Parteinahme für bevorzugte “Opfer” und verfehmte “Unterdrücker” ersetzt. Sollte die Friedensforschung jemals wieder als ernstzunehmende Disziplin in den Kreis der Wissenschaften zurückfinden, so wird sie sich aus ihrer Verschränkung mit den Postcolonial Studies lösen müssen.
“… in order to unmask the will to power that lies at the very heart of modern rationality and to decenter its epistemological and moral subject” schreibt ein solcher Vertreter der Postcolonial Studies. Höchste Zeit, die unwissenschaftlichen Tendenzen dieser Literaturgattung einmal zu demaskieren.
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