Wer will den Djihad?

Thursday, October 11, 2007
Von Michael Kreutz

Ein junger Libanese, aufgewühlt vom Kampf der USA gegen das Regime Saddam Husseins, macht sich Hals über Kopf auf in den Irak, um mit Gleichgesinnten voller Enthusiasmus in den Djihad zu ziehen. In der irakischen Grenzstadt al-Kut nahe der iranischen Grenze werden sie jedoch nicht nur mit der Grausamkeit des Krieges konfrontiert, sondern müssen auch feststellen, dass ausser Saddam nur wenige Iraker gegen die USA kämpfen wollen:

Nach dem Einsatz kam die Ernüchterung: Zwar beglückwünschte Saddam Hussein in einer Radio-Botschaft die “tapferen arabischen Brüder von Al Kut”. Doch in Gesprächen mit den Einheimischen mussten die Libanesen feststellen, dass die unter Saddam unterdrückten Schiiten der Region den Regimesturz durchaus begrüßten. Und selbst die Offiziellen der Baath-Partei drängten die Ausländer, doch zu gehen. “Ihr wisst gar nicht, was euch noch bevorsteht, geht nach Hause.”

Den Cousins dämmerte es: “Wir sind hier, um einen Heiligen Krieg zu führen, den die Iraker gar nicht wollen.”

Es wird noch viel Wasser den Bach hinunterfliessen, bis vielleicht eines fernen Tages auch die europäischen Linksintellektuellen dies begriffen haben.


Siehe auch:
Lieber unter Maliki als unter Saddam!, 18. März 2007,
Besuch in Bagdad, 17. Januar 2007,
“An exceptional tyranny”, 13. Oktober 2006,
Wer hat den Irak verloren?, 16. Juini 2006,
Warum der Irak für die Terroristen verloren ist, 6. August 2005,
Der Mythos vom irakischen Widerstand (2), 18. Juli 2005,
Der Mythos vom irakischen Widerstand, 13. Juli 2005.

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