Migrantenmilieus
Im Auftrag des Familienministeriums, des Ministerpräsidenten des Landes NRW und anderen wurde eine Milieu-Studie über Migranten erstellt. Als Grundlage für Zahlen wurde auf das Statistische Bundesamt in Wiesbaden verwiesen, nach dem 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund im Jahre 2006 in Deutschland wohnten. Das waren 19 % der Wohnbevölkerung. Ca. 47 % davon haben keine deutsche Staatsangehörigkeit. Von den Deutschen mit Migrationshintergrund sind ca. 32 % seit 1950 zugewandert. Ca. 21 % haben zumindest einen ausländischen oder zugewanderten Elternteil.
Die Studie definiert Milieus als Zusammenfassung von Menschen, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln:
- Ähnliche Grundorientierung, Werte
- Ähnlicher Lebensstil, Geschmack
- Ähnliche soziale Lage
(Migranten-) Milieus seien real existierende Teilkulturen in unserer Gesellschaft mit
gemeinsamen Sinn- und Kommunikationszusammenhängen in ihrer Alltagswelt.
In der Studie wurden Stichproben bei folgenden ethnische Herkunftskulturen gemacht:
- Südeuropäer: Italiener, Griechen, Jugoslawen, Spanier, Portugiesen
- Türken (keine Kurden)
- Kurden (aus der Türkei)
- Polen (keine Spätaussiedler)
- Russen (keine Spätaussiedler)
- Spätaussiedler (aus Polen, Ex-UdSSR)
- Ex-Jugoslawen, die ab 1992 nach Deutschland gekommen sind (”Bürgerkriegsflüchtlinge”).
Die Auswahl der untersuchten Gruppen ist mir zu beschränkt. Migranten aus Ostasien wurde nicht eingeschlossen, obwohl ein Vergleich sicher aufschlussreich gewesen wäre. Der religiöse Hintergrund wurde pauschal abgehandelt. Es fand also keine Trennung zwischen unterschiedlichen Religionen statt. Ferner wurde die Türkei als einziges islamisches Land einbezogen. Dennoch ist die Studie lesenswert.
Das Ergebnis der Untersuchung:
Die Herkunftskultur der Migranten bestimmt nicht ihre Milieuzugehörigkeit.
- Ethnische Zugehörigkeit, Religion und Migrationshintergrund sind wichtige Faktoren der Lebenswelt.
- Es gibt Migranten-Milieus mit ethnischen Schwerpunkten.
- Es gibt zumindest ein Milieu, das von seiner religiösen Bindung (Islam) geprägt ist.
- Über die unterschiedlichen Herkunftskulturen hinweg gibt es oft gemeinsame lebensweltliche Muster.
- Gleiche Herkunftskultur findet sich in verschiedenen Migranten-Milieus.
- Im gleichen Milieu finden sich Menschen verschiedener Herkunftskulturen.
Schlussfolgerung der Studie: Man kann nicht von der Herkunftskultur auf das Milieu schließen und man kann ebensowenig vom Milieu auf die Herkunftskultur schließen.
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