“Das geht ziemlich tief rein”
Ein köstliches taz-Interview mit Horst-Eberhard Richter, dem grossen, alten Schlachtross der deutschen Friedensbewegung, das gar nicht merkt, wie sehr sein Gesprächspartner ihn auf die Schippe nimmt. Kostprobe:
Sehen Sie mal: der Bush. Der hat den Irak angegriffen, um die Welt zu beschützen und um Amerika zu beschützen. Jetzt hat er gesagt: Wenn man im Iran nicht für Ordnung sorgt, dann wird der Iran die ganze Welt bedrohen. Er malt einen nuklearen Holocaust an die Wand. Die gesamte kulturelle Mentalität bei uns, repräsentiert durch Bush oder durch Jung oder durch Schäuble, ist eingestellt auf eine gespaltene Welt. Und wenn man sich den ersten Kreuzzug mal anschaut, dann war das schon damals ganz genauso. Papst Urban der II. hat im Jahre 1095 in Clermont eine Rede gehalten mit der Botschaft: Entweder ihr seid auf unserer Seite, der Seite Gottes, oder ihr seid auf der Seite der gottlosen Schurken und Muslime. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?
George W. Bush hat das in leicht abgewandelter Form nach den Anschlägen vom 11. September gesagt.
Ja.
Das ist Carl Schmitt in Reinform.
Ja.
Das Freund-Feind-Schema.
Ja.
Und wir hier im Westen sind natürlich die Guten.
Genau. Das geht ziemlich tief rein. Das manichäische Weltbild kann man sich so erklären, das ist nun auch ein bisschen meine Forschung, dass uralte, archaische Instinkte oder Anlagen zum Vorschein kommen. Es ist nicht nur die Bereitschaft, sich diese einfache Welterklärung gefallen und auch befehlen zu lassen. Sondern rattenfängerartig wird eine Hörigkeit ausgelöst, die dann massenpsychologisch dazu führt, dass es geradezu als Erlösung empfunden wird, vom eigenen Gewissen befreit zu sein. Ein absolutes Feindbild ist nötig, um mit sich selbst im Reinen zu bleiben.
Wer ist der Rattenfänger?
Na Bush.
Wir haben verstanden: Bush ist das Feindbild, dass Horst-Eberhard braucht, um mit sich selbst im reinen zu bleiben. Treffer, versenkt.
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Siehe auch:
- Horst-Eberhard Richter und die neurotisch Friedlosen, 3. Oktober 2007.

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