White man’s burden reloaded
Seit den sechziger Jahren sind 600 Mrd. USD nach Schwarzafrika geflossen, ohne dass sich der Lebensstandard dort nennenswert verbessert hätte. Im Gespräch mit der FAS erläutert der Ökonom William Easterly, warum Entwicklungshilfe kontraproduktiv ist und die Armut eher befördert als beseitigt:
Das System als Ganzes hat versagt. Dabei haben die Helferbürokratien ein solch geniales System geschaffen, dass niemand für das Versagen verantwortlich gemacht werden kann. Dieses Bevormunden, diese Neuauflage von Kiplings “Bürde des Weißen Mannes” hat viel zum Versagen beigetragen. Ein zweiter wichtiger Grund ist, dass keine individuelle Verantwortug existiert. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen, wenn in einem Dorf Malariamedikamente nicht rechtzeitig eintreffen, um das Leben von Kindern zu retten.
“Lässt sich die Armut auf dieser Welt überhaupt beseitigen?” fragt die FAS:
Sicher. Sie schrumpft, während wir hier reden. Wie die Weltbank richtig festegestellt hat, sinkt die Zahl der Armen. Es passiert bloß nicht dort, wo der Westen sich am meisten darum bemüht. Es passiert an Orten, die eigene Wege gefunden haben.
Der Helfer-Mentalität des Nordens entspricht aber durchaus auch eine Nehmer-Mentalität des Südens. Daniel Etounga-Manguelle, Gründer und Präsident der Société Africaine d’Étude, d’Exploitation et de le Gestion (SADEG), die an über 50 Entwicklungshilfeprojekten in verschiedenen Teilen Afrikas beteiligt ist, hatte schon vor einigen Jahren die in Afrika vielfach vorherrschende Mentalität kritisiert, sich allzu leichtfertig den reichen Ländern gefügig zu machen:
In einem Afrika, das sich weigert, Wissen und Handeln zu verknüpfen, kommt unsere wahre kulturelle Identität zum Ausdruck, wenn wir uns – wie Revel bemerkt – auf den Standpunkt stellen: “Gebt uns Entwicklungshilfe in Form von Subventionen, aber verschont uns mit der Anstrengung, einen tragfähigen Bezug zur Wirklichkeit herstellen zu müssen.” Dieselbe “Kultur” steht hinter unserem Anspruch, wir hätten ein Recht auf ineffiziente Produktion, ein Recht auf Korruption, ein Recht auf die Missachtung elementarer Menschenrechte.”
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Siehe auch:
- Korruption und Antikorruption, 7. November 2006,
- “Free markets are the only way for people to preserve their dignity”, 5. Januar 2007,
- James Shikwati: “Man muss die ausländische Entwicklungshilfe einstellen”, 4. April 2007,
- Afrika hat keine ausländische Hilfe nötig, 9. Juni 2007.

