Iran: Kulturrevolution schreitet voran
Zur Islamisierung des öffentlichen Lebens kommt nun die Koranisierung der Herzen: Weil es nach Ansicht des Religionsministeriums in den iranischen Provinzen zu wenige Hafezan, also Auswendigkönner des Koran gibt, denkt man nun an die Schaffung eines speziell dafür vorgesehenen Ministeriums. “So wie für Theater, Kino und Kulturvereine ein spezielles Budget vorgesehen ist”, findet Mohammad Ali Khaje-Piri, Direktor des Zentrums für die Entwicklung und Verbreitung koranischer Aktivitäten, “so muss für koranische Aktivitäten ein Extrabudget organisiert werden.”
Dieses neu zu schaffende “Koranministerium” soll auch Begrifflichkeiten des heiligen Textes zu erläutern helfen und spirituelle Lebenshilfe leisten. “Koranische Aktivitäten” können so zentral zwischen Ministerium und Provinzen organisiert werden. Damit nicht ohne Sinn und Verstand drauf los gelernt wird, soll das neue Ministerium sich liebevoll um die Heranziehung gebildeter Hafezan kümmern, die die tiefere Spiritualität des Koran zu ergründen imstande sind.
Davon bleibt das Schulwesen nicht verschont. Ziel ist es, Forschung und Lehre mit koranischem Geist zu erfüllen und die Offenbarung zu einer vitalen Angelegenheit des persönlichen Lebens zu machen. “Auf natürliche Weise und im Gleise stetiger Transformation” soll dies geschehen. Die sanfte Hand des Ministeriums weist den Herzen der Gläubigen den rechten Weg. Und wer das nicht begreift, für den gibt es noch andere Mittel.
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Siehe auch:
- Kulturrevolution im Iran, 18. September 2006,
- Zweite Kulturrevolution an iranischen Universitäten, 7. September 2006.
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Man sollte vor diesem Hintergrund die Ideologie Chomeinis nicht vergessen. Die Mullahs gehen zu den Grundlagen der Islamischen Revolution zurück, wenn sie solche Kampagnen lostreten. Für Chomeini sollte die Revolution vor allem eine spirituelle sein, eine Revolution, die den Menschen verändert. Die Gewaltexzesse galten lediglich diesem Zweck, zumindest dann, wenn man seinen Schriften glaubt. Die jüngsten Massenmordkampagnen finden vor demselben Hintergrund statt, wie die in den Jahren 1979-1983 und die “Koranisiserung” ist die andere Seite einer Medallie, über die in deutschen Medien kaum berichtet wird.