Ideologie
“Die Wahrheit im Angesicht der Macht zu äussern”, so sah Edward Said sein Lebenswerk. Warum das Wunschdenken war, erläutert Efraim Karsh für SPME.net.
Über Said und den historischen Antisemitismus:
For example, he claimed that “historically, in nineteenth-century Europe anti-Semitism included both Jews and Arabs” even though nineteenth century polemicists, such as Wilhelm Marr (himself half-Jewish), credited with coining the term, used it exclusively to describe animus toward Jews.
Über Saids Behauptungen über die Entstehung Israels:
As false are Said’s claims that “every kibbutz in Israel is on Arab property that was taken in 1948,” and that “Zionists introduced terrorism into Palestine” in the 1920s. Such statements are outright errors, not just interpretations of history. Zionists established Deganyia in 1909, and an additional 110 kibbutzim and 99 moshavim (cooperative villages) by 1944. Nor was there any Zionist terrorism in Palestine in the 1920s.
Über Saids Verhältnis zur irakischen Baath-Diktatur:
He reserved special venom for Arab academics in the United States who did not agree with him. He attacked dissident Iraqi writer Kanan Makiya, who brought Saddam’s brutality to international attention in his books Cruelty and Silence and Republic of Fear, as an “intellectual who serves power unquestioningly; the greater the power, the fewer doubts he has. He is a man of vanity who has no compassion, no demonstrable awareness of human suffering. With no stable principles or values.”
Zuzustimmen ist daher Karshs Schlussfolgerung: “By substituting polemics for research and conflating academic freedom with freedom from academic standards, Said’s legacy may ultimately be to harm fact-based and lasting Middle East studies scholarship and instruction in American and European universities.” Der ganze Text ist unbedingt lesenswert.
Zu einem anderen Thema: Bislang habe ich mich über Mearsheimers und Walts Werk über die “Israel-Lobby” zurückgehalten, weil ich das Werk nicht gelesen habe und mir daher kein Urteil erlauben kann, ob es antisemitisch ist oder nicht. Grundsätzlich sehe ich aber kein Problem darin, eine Interessensgruppe welcher Art auch immer auf den wissenschaftlichen Prüfstand zu stellen. Aber was Martin Kramer auf seinem Blog schreibt (auch hier), ist einfach zu interessant, um es nicht zur Kenntnis nehmen zu können.
Kramer sieht den Kern in Mearsheimers und Walts Werk in der These, dass der Irakkrieg auf Betreiben Israels und der Israel-Lobby stattfand. Tatsächlich jedoch gibt es jede Menge Indizien, dass aus israelischer Sicht der Iran die weitaus grössere Gefahr darstellte und immer noch darstellt. Da es von vornherein unwahrscheinlich war, dass die USA sich nach dem Irak zu einem weiteren Waffengang gegen den Iran bewegen lassen würden, so war der Sturz Saddam Husseins vielleicht im Sinne Israels, kann aber kaum auf dessen Betreiben stattgefunden haben, da dieser andere Prioritäten hatte.
Kramer wiederum hat Indizien zusammengetragen, dass Mearsheimer und Walt allzu lasch mit Äusserungen israelischer Politiker umgegangen sein könnten, um ihre These von einem auf israelischen Druck hin betriebenen Irakkrieg, der rasch durchgeführt werden sollte, bevor Bush “kalte Füsse” bekommt, belegen zu können:
Mearsheimer and Walt bring not a single footnote, in their copiously footnoted book, to substantiate this new and bizarre claim. You have to be pretty credulous to imagine that Bush, Cheney, and Rumsfeld would waver “at the last moment” when they had Saddam squarely in their sights. You can read Bob Woodward forward and backward and find no evidence of wobble. Nor is there any evidence of Israeli worries that the Bush administration would waver on Iraq. Mearsheimer and Walt just made it up.
Auch die These, dass die Israel-Lobby auf eine Fortsetzung des Krieges gegen den Iran gehofft habe, weist Kramer als absurd zurück:
So the Israelis had good cause to worry. (…) There would be no Iran follow-up. Why? Because Tony Blair did Bush an immense favor in Europe, and the British sent thousands of troops to Iraq. Bush’s feet were snug and warm–nailing Saddam had 80 percent public support in America–but Blair felt the chill at home. To keep him on board, Bush gave him to understand that there wouldn’t be an Iran sequel, at least not on Blair’s watch.
Wenn Kramer recht hat, dann ist das Buch von Mearsheimer und Walt nicht einfach fehlerhaft, sondern eine Abkehr von der intellektuellen Redlichkeit.
Und ein drittes Thema: Für das “Handelsblatt” schreibt Ferdinand Knauss über den wachsenden Erfolg der Gender Studies an deutschen Universitäten (wenn ich mich nicht irre, war derselbe Artikel vor einiger Zeit in der FAS zu lesen). Ich kann zu dem Thema nicht viel sagen, aber was das im Text angesprochene Netzwerk “gender-in-gestufte-studiengaenge.de” betrifft, muss man wohl Anlass zur Besorgnis haben:
Notwendig ist ein Konzept der Hochschulen mit zentralen Vorgaben der Hochschulleitungen. Vorliegende Erfahrungen von Gleichstellungsbeauftragten und Geschlechterforscherinnen lassen begründete Zweifel an den Fähigkeiten bzw. der Bereitschaft der Fakultäten und Fachbereiche aufkommen, im Sinne des Gender Mainstreaming (selbst-)steuernd zu handeln. (…)
Die Politik sollte die Hochschulen zur Übernahme dieser Aufgabe motivieren. Mögliche Ansatzpunkte sind hier z. B. die Zielvereinbarungen zwischen den Wissenschaftsministerien und den Hochschulen, die zunehmend abgeschlossen werden, um politischen Zielen im Kontext der Hochschulautonomie Geltung zu verschaffen und in denen die Hochschulen sich verpflichten sollten, ein Konzepte zur Ausgestaltung gestufter Studiengänge nach den Kriterien der Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln und bei der Entwicklung und Durchführung gestufter Studiengänge verbindlich anzuwenden. Um sicher zu stellen, dass es nicht bei einem bloß verbalen Bekenntnis bleibt, sollte die Nichteinhaltung der Vereinbarungen in geeigneter Weise sanktioniert werden.
Ganz klar: Das ist ein Angriff auf die Freiheit der Lehre. Die Politik soll “motivieren” – ein hübsches Neusprech. Und bist du nicht willig, so brauch ich Sanktionen. Anders als Knauss behauptet gibt es allerdings keinen Studiengang “Feministische Ökonomie” in Münster, was nicht weiter verwundert, da die akademischen Vertreter politischer Korrektheit mit Ökonomie in der Regel eher negative Konnotationen verbinden. Diese Ökonomophobie ist längst schon so weit verbreitet, dass man sie eigentlich nicht extra noch institutionalisieren muss.
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Einer der vielen Aspekte des zeitgenössischen Kulturbolschewismus, welche der islamischen Reaktion auf ewig fremd bleiben werden – was Linksreaktionäre wie Christina von Braun natürlich nicht davon abhalten wird, ihr bestes zu versuchen. Gender-Mainstreaming als Bastard ideologischen Jungfernzeugung ist ein hässliches Kind – was natürlich auch CDU Minister wie Frau von der Leyen nicht davon hindert, ihm das Fläschchen zu geben.