Alles gut in Teheran
Es verblüfft doch immer wieder zu sehen, dass viele Wohlmeinende offenbar nicht in der Lage sind, Staat und Gesellschaft auseinanderzuhalten. Nirgends tritt das so deutlich zutage wie in den Äusserungen über den Iran. Dort herrscht ein repressiver Staat über eine Bevölkerung, die sich nach Freiheit sehnt. Hier die staatliche Diktatur – dort die iranische Gesellschaft. Ist doch ganz leicht, oder?
Aber Oskar Lafontaine hatte schon seine Schwierigkeiten damit, und auch die Damen und Herren von EnoughFear.org, die sich einbilden, wenn George Bush etwas gegen das Mullah-Regime habe, dann habe er auch etwas gegen die iranische Bevölkerung, was sehr hässlich von George ist, wogegen aber ein Anruf nach Teheran helfen könnte. Und so ähnlich denken viele andere auch.
Die letzte in der Kette derer, die die freiheitsliebende Gesellschaft des Iran als Argument für das Mullah-Regime missbrauchen, ist die Grüne Angelika Beer, von der man schon lange nichts mehr gehört hat, seitdem sie in Brüssel Posten schiebt. Jetzt besuchte sie mit einer EU-Delegation den Iran. Wie gut, dass wenigstens bei der “taz” solche Leute nicht in Vergessenheit geraten:
Wir können eindeutig nachweisen, das der Iran kein schwarzes Gebilde ist. Es ist eine höchst lebendige Gesellschaft, in der Frauen, Studenten, Arbeiter, Gewerkschaften, Künstler und Intellektuelle mutig ihre Rechte fordern und nach Freiheit streben. Diese breite Zivilgesellschaft braucht unsere Unterstützung. Wir wollen nicht, dass man die Frage der Menschenrechte missbraucht, um Iran zu isolieren. Wir werden unseren Dialog fortsetzen und uns vehement dafür einsetzen, dass Europa, unabhängig von den USA, einen Kurswechsel gegenüber Iran vornimmt.
Was Frau Beer nicht wissen will, ist die Tatsache, dass all das, was die iranische Gesellschaft sich an Freiheiten herausnimmt, gegen die Gesetze des Regimes verstösst. So sind Satellitenschüsseln im Iran verboten, aber die Häuser mit ihnen nur so zugepflastert. Verboten ist auch der Genuss von Alkohol, der zugleich ein populäres Vergnügen darstellt, und und und. Kein Wunder, dass die Menschen das Regime hassen. Ist das so schwer zu begreifen, einmal abgesehen von der Tatsache, dass die Oppositionellen, die Frau Beer getroffen haben will, vom Regime handverlesen wurden?
Und so macht sich wieder einmal einer aus der Riege der Wohlmeinenden daran, ein brutales Regime gegenüber einer westlichen Öffentlichkeit zu verharmlosen. Frau Beer ist übrigens dagegen, “dass man die Frage der Menschenrechte missbraucht, um Iran zu isolieren.” Haha, selten so gelacht, Frau Abgeordnete.
(Dank an Nasrin)
—
Siehe auch:
- Unsichtbare iranische Demokraten, 11. April 2007,
- Kulturrelativismus, 7. September 2006.


Wenn einer eine Reise tut……
Die Leserschaft erinnert sich mit Sicherheit noch an Angelika Beer, die grüne Tante mit der typischen Altspießerfrisur, die irgendwann mal in das Europaparlament abgeschoben wurde. Die Tatsache, dass Frau Beer dort die den Posten der Vorsitzenden der…