Heilige Einfalt in Ghom

Monday, March 3, 2008
Von Michael Kreutz

Aus den Schlagzeilen wird die Islamische Republik Iran aktuell eher mit ihrem umstrittenen Atomprogramm in Verbindung gebracht als mit dem Bemühen um Demokratisierung und Menschenrechte.

So beginnt der Bericht einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin an der Jur. Fak. der Universität Würzburg in der neuen Ausgabe der DAVO-Nachrichten[1]. Es geht um eine im Mai 2007 von der UN ausgerichtete Menschenrechtskonferenz im iranischen Ghom, die vierte in Folge.

“Bemühen um Demokratisierung und Menschenrechte” – dabei dürften in der Tat nicht viele an das Mullah-Regime denken, Iraner am allerwenigsten. Im Rückblick weiss die Würzburger Referentin allerdings von einer “herzlichen und offenen Atmosphäre” zu berichten und dass man gegenüber den anwesenden Klerikern Zweifel zerstreuen konnte, hier werde westlicher Kulturimperialismus betrieben. Aber nein!

Nachdem die Mullahs sich von den guten, d.h. affirmativen Absichten der deutschen Referentin überzeugt hatten, durfte diese einen Vortrag halten über “Religion und die Durchsetzung von Menschenrechten anhand des Anti-Bias-Ansatzes”:

Der Anti-Bias-Ansatz wird in Form von Seminaren vermittelt, in denen aufgezeigt wird, wie Vorurteile entstehen und wirken, indem sie im negativen Fall zu Diskriminierungen führen. In den Seminaren findet eine intensive erfahrungs- und prozessorientierte Auseinandersetzung mit Macht und Diskriminierung statt, wobei unterdrückende und diskriminierende Kommunikations- und Interaktionsformen “verlernt” werden sollen. Der Diskriminierungsschutz wird als Strukturprinzip der Menschenrechte angesehen, so dass sich diese Seminare zur Durchsetzung von Menschenrechten eignen, insbesondere auf gesellschaftlicher Ebene im pädagogischen Bereich.”

Mit weitreichenden Ergebnissen: Seit Ende der Konferenz sind reihenweise Menschen erhängt und misshandelt worden; Homosexualität und Ehebruch gelten immer noch als Kapitaldelikte, die mit der Todesstrafe geahndet werden; die Minderheit der Baha’is ist  nach wie vor vollkommen entrechtet, sie dürfen weder ihre Religion ausüben, noch sich an der Universität einschreiben. Baha’i-Kinder erhalten keinen Schulunterricht und es ist bei Strafe verboten, einem Baha’i – und sei es privat – Schulunterricht zu erteilen. Steinigung wird bis heute von Staats wegen praktiziert, trotz offizieller Erklärung ihrer Abschaffung; Willkürliche Verhaftungen sind an der Tagesordnung.

Schade, das hat also nichts gebracht. Aber nicht den Mut verlieren, die nächste Menschenrechtskonferenz kommt bestimmt.

Und die Atmosphäre wird wieder ganz herzlich und offen sein.


Siehe auch:
Zärtlichkeit der Völker, 21. Februar 2008.


  1. Deutsche Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient. Ausgabe 26/2007:73.
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4 Responses to “Heilige Einfalt in Ghom”

  1. Überraschung: Udo Steinbach ist Beiratsmitglied der DAVO-Nachrichten.

    #41360
  2. Wie geschickt Sie es doch immer wieder verstehen, unter irgendeinem Vorwand einen Link auf ein neues Objekt Ihrer Antipathie zu platzieren…

    #41362
  3. Herr Kreutz, den Udo mochte ich noch nie, das Ghetto mit Gaza zu vergleichen, war nun mal doof. Ich kann aber für nix, der Broder hat mich verhetzt.

    #41363
  4. Zu dem Thema finden Sie auf diesem Blog allerdings genug Material.

    #41364

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