Den Regenwald im Tank

Monday, April 28, 2008
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne 27.4.2008

Früher einmal, als der Diesel noch 65 Pfennig kostete, warb ein Konzern mit der Werbung: Pack den Tiger in den Tank! Das muss einen Radiomoderator jetzt zu dem Satz verleitet haben: Wer Bio-Diesel tankt, holt sich den Regenwald in den Tank. Was redet man manchmal nicht so, wenn man ahnungslos ist und der Tag lang. Offensichtlich hat er die Beschreibung des Ziels: Verringerung von Treibhausgasen, Schwefelfreiheit und Einsparung fossiler Rohstoffe, mit der Erreichung des Ziels verwechselt.

Schon der Name Bio-Diesel ist irreführend. Nicht überall wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin. Denn es ist kein Diesel, sondern Pflanzenöl (vor allem Raps), das im Tank verbrannt wird. Aber auch dieser Raps ist kein Bio. Angebaut wird er nämlich konventionell – kontrolliert biologischer Anbau wäre viel zu teuer. Dazu kommt: Rapsöl hat einen geringeren Brennwert, weswegen ein Biodiesel-Fahrer mehr Treibstoff verbraucht. Experten sagen: vergleichsweise geringer Klimaschutzeffekt, aber hohe Kosten und hoher Ackerflächenbedarf. Sie haben schon lange darauf hingewiesen, dass Bio Energie nicht in den Tank, sondern in die Wärme- und Stromerzeugung gehört. Trotzdem wird der Bio-Diesel hoch subventioniert. Mit unserem Geld! Klar, anderes hat der Staat ja nicht.

Werden Bauern also jetzt nur noch monokulturell Raps anbauen und auch die Kühe von den Wiesen scheuchen? Wohl kaum. Die Bauern halten die klassische Dreierfruchtfolge weiter ein. Sonst steigt das Risiko von Schädlingsbefall und Ernteausfällen. Deshalb setzt man jetzt schon Herbizide, Pestizide und Fungizide ein – schlecht für die Ökobilanz des Rapsdiesels. Aber was ist, wenn man bei dem ungeheuren Bedarf in den Entwicklungsländern jetzt die Wälder rodet und die Felder verwüstet, um Pflanzen für die nötige Biomasse anzubauen? Welches Gewissen haben wir, wenn wertvolle Nahrungsmittel verbrannt werden, damit wir aus Biomasse Strom und Kraftstoffe gewinnen, während in der Dritten Welt die Menschen verhungern?

Jetzt wird jede Autofahrt zur Gewissensfrage. In meinem Diesel-Jeep kann ich jetzt selbst entscheiden, wie ich mein Gewissen belasten möchte: indem ich mit Rapsöl stärker die Ozonschicht schädige (denn auch der Veredelung muss Energie zugeführt werden) oder aber mit Diesel vermehrt zum Treibhauseffekt beitrage. Toll!

Wenn wir jetzt die öko-ideologischen Geisterfahrer nicht stoppen, haben wir wirklich den Regenwald im Tank. Aber anders als es sich der unbedarfte Radiomoderator vorstellte. Oder?

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