Der Selbstbetrug der Katholischen Kirche

Sunday, May 4, 2008
Von Michael Kreutz

“Eins sollten aber alle Katholiken ihrem geistlichen Oberhaupt laut und deutlich und öffentlich sagen: Dieses verlogene Dokument der Verbrüderung mit einem Regime, das vermeintliche Ehebrecherinnen steinigt, Schwule an Baukränen erhängt, den Massenselbstmord als politische Waffe erfunden hat, hinter Tausenden von Terrorakten weltweit steckt, den Holocaust leugnet und mit der Fatwa gegen Salman Rushdie klar gemacht hat, dass es die Meinungsfreiheit auch im Westen nicht dulden wird – dieses Dokument ist inhaltlich nicht das Papier wert, auf dem es steht, und politisch schlimmer noch als das Konkordat mit Adolf Hitler.”

schreibt Alan Posener in der ‘Welt’ angesichts des in der Tat törichten Unterfangens des Vatikans, sich für den interreligiösen Dialog gerade Vertreter eines der hässlichsten Regime im Nahen Osten auszusuchen. Dass Glaube und Vernunft sich nicht ausschliessen, ist sicherlich richtig, aber dies gilt nicht in Bezug auf eine theokratische Diktatur, aus deren Reihen ein ranghoher Kleriker noch kürzlich allen Ernstes forderte:

“Solange in Universitätslehrbüchern Physik anstelle der göttlichen Schöpfung unterrichtet wird, ist die Islamisierung der Universität ohne Bedeutung.”

Von den exorbitanten Menschenrechtsverletzungen, die in der Islamischen Republik systematisch und auf Rechtsgrundlage begangen werden, ganz zu schweigen. Möglicherweise jedoch ist dies keine Naivität der Katholischen Kirche, sondern die Konsequenz aus einem Antimodernismus, den sie nie ganz abzuschütteln vermochte und der in einem fortgesetzten Antikapitalismus seinen Nachhall findet. In den Worten von Benedikt XVI.:

“Der Wohlstand lässt uns unmenschlich werden, die Vergnügung ist zur Entfremdung, zur Droge geworden; und der monotone Werbespot dieser Gesellschaft ist die Einladung, im Egoismus zu sterben.”

Da sind sie wieder: die Schnittmengen.

+++Update 5.5.2008+++

Die marxistische Zeitung ‘junge welt’ weist auf ein bemerkenswertes Detail hin:

Sogar der Papst meldete sich zu Wort. In einer Enzyklika heißt es: »Marx hat mit eingehender Genauigkeit, wenn auch parteilich einseitig, die Situation seiner Zeit beschrieben und mit großem analytischen Vermögen die Wege zur Revolution dargestellt.« Benedikt XVI. entfernt sich mit dieser Marx-Würdigung von einer Verketzerung seiner Ideen durch die katholische Kirche – ein höchst beachtlicher Vorgang.


Siehe auch:

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3 Responses to “Der Selbstbetrug der Katholischen Kirche”

  1. Was hat der gute(!) Mann gesagt? Es soll statt Physik Schöpfungsgeschichte gelehrt werden?
    Was ist bloß aus dem islamischen Erbe geworden?
    R.I.P

    #42852
  2. Abla

    >politisch schlimmer noch als das Konkordat mit Adolf Hitler

    An diesen Vergleich dachte ich auch: Man glaubt nicht an “Selbstbetrug” oder “Naivität”, dafür ist der Vatikan zu schlau, sondern an einen besonders widerwärtigen diplomatischen Schachzug.

    >Konsequenz aus einem Antimodernismus, den sie nie ganz abzuschütteln vermochte

    Dem sie unter dem aktuellen Papst immer mehr verfällt. Der Vatikan wärmt seine Hände am Feuer des Islamismus, sieht im Zusammengehen mit anderen illiberalen Religiösen eine Chance, um der Säkularisierung im Westen zu begegnen. Daher auch der Schmusekurs mit den orthodoxen Kirchen, bei gleichzeitiger Verachtung der deutschen Protestanten.

    #42910
  3. Abla

    Aus dem im Blog-Eintrag zitierten Kommentar von Alan Posener:

    >Aber ich weiß jetzt schon, dass niemand unter meinen katholischen Freunden [...] den Mumm haben wird, sich öffentlich gegen Benedikt zu stellen.

    Könnte von mir stammen. Da wird dann geschwiegen oder beschönigt (”Selbstbetrug”, “Naivität”). Diese Trennungslinie zu liberalen Katholiken ist das eigentlich Entsetzliche für mich.

    #42911

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