Ehrdelikte in christlichen Kulturen
“Ehrendelikte wie Morde, Blutrache, aber auch Repressalien oder Gewalt gegen eigene Familienangehörige sind besonders in Bevölkerungsgruppen mit einem stark ausgeprägten religiösen oder ethnischen Wertekanon verbreitet. Dabei werden diese überkommenen Werte meist höher bewertet als das geltende Rechtssystem. Fast immer geht es darum, dass die Ehre der Familie durch ein sogenanntes Scham-Delikt verletzt wurde, das den Wertekanon verletzt. Im Falle der 47-Jährigen war dies die Tabu-Verletzung, unehelich schwanger zu werden. Die Familie stellt mit der “Strafe” ihre Ehre wieder her. Solche Denkmuster gelten heute als archaisch.”
…schreibt der ‘Spiegel’ und erinnert angesichts des aktuellen Falles einer Italienerin, die von ihrer Familie 18 Jahre lang eingekerkert worden war, daran, dass Bestrafungen vermeintlicher Ehrverletzung keineswegs ein ausschliessliches Phänomen islamischer Gesellschaften sind:
“Besonders häufig sind Ehrdelikte in muslimischen Kulturen, aber eben auch in sehr traditionell katholisch geprägten Gesellschaften. (…) Ehrenmorde sind beispielsweise noch in Süditalien, auf dem Balkan und im griechischen Raum relativ häufig. Gehäuft treten sie auch in südamerikanischen Staaten auf.”
Ineressanterweise sind Protestanten aber wohl ausgenommen.
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7 Responses to “Ehrdelikte in christlichen Kulturen”
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Hier müsste eigentlich noch ein Kommentar von mir (incl. Link) erschienen sein - ist der doch noch in der Pipeline oder wieder im digitalen Nirvana verschwunden? Die Software ließ dieses mal jedenfalls nicht darauf schließen und Spamwörter waren auch nicht drin.
Ich würde sagen: Nirvana. Haben Sie vielleicht ein böses Wort benutzt..?
Wenn, dann ist ihr Wortfilter politisch ungefähr so korrekt wie Katajun Amirpur: Möglicherweise “irre Hirten”.
Als solche bezeichnete jedenfalls mal ein Freund von mir mit nordgriechischen Wurzeln väterlicherseits die Sarakatsani, ein Hirtenvolk mit einem sehr archaischen Sittenkodex (der sich wohl über die letzten 30 Jahre abgeschliffen hat), den man als Landesunkundiger so im Griechenland des 20. Jahrhunderts nicht mehr vermutet hätte.
Wobei die Sarakatsani nicht nur nicht katholisch sind (wie die Mehrheit der Christen auf dem Balkan - aber was kümmert das schon einen Spiegel-Artikel), sondern auch nur bedingt orthodox. So ist ihr Christentum mit paganistischen Elementen durchsetzt; zudem kennen sie keine Dreifaltigkeit, sondern nur die Zweifaltigkeit (kein Witz!).
Vielleicht lassen Sie doch mal Links zu, dann gehen z.B. auch keine ethnologisch wertvollen Anmerkungen verloren.
Wenn man Wikipedia glauben darf, dann kennen auch die Sarakatsani die Dreifaltigkeit, jedoch in einem Sinne, dass man meinen könnte, unsere freundlichen Hirten haben sich ihr Christentum direkt aus dem Koran abgeguckt.
Das wird aber Karl Heinz Ohlig aber freuen, der sieht ja den Islam als eine Religion an, die das vor-nizäanische Christentum weiterführt. Wo Dreifaltigkeit noch nicht offizielles Dogma wurde.
Wohl bekommts!
MK: Wenn man Wikipedia glauben darf, dann kennen auch die Sarakatsani die Dreifaltigkeit
Hier wird etwas anderes berichtet:
Glauben und Aberglauben: Sie kennen keine Dreifaltigkeit, ihr Gott ist “Ai”, Gottvater und Jesus sind eine Person … Ai ist abgeleitet von ayios/hagios.
Sie haben wundervolle abergläubische Vorstellungen (zu viele für diese Seite, und sehr viele haben mit Vampyren zu tun). Die Daouti (flötenspielende pan-artige Geschöpfe) gehören zu den schlimmsten unter den finsteren Kräften. Daouti rufen einen gerne mit dem Vornamen im Wald, dann muß man ganz still bleiben und bloß nicht anworten, man könnte davon sonst stumm werden …
Das Feuer ist heilig und wird oft rituell besonders bewahrt (Advent). Die Weihnachtsgeschichte halten sie für eine ureigene Sarakatsani-Legende … die Situation in Bethlehemer Schafstall bietet sich dazu ja auch an.
http://theo48.wordpress.com/ep.....ni-fermor/
Der Autor, von dem der Griechenland-Blogger sein Wissen bezieht, ist der unten im Wiki-Artikel angegebene Patrick Leigh Fermor.
Möglicherweise gibt es bei den Sarakatsani auch eine religiöse Binnendifferenzierung.