“Israel muss von der Erdoberfläche verschwinden”

Wednesday, July 23, 2008
Von Michael Kreutz

Israel ist alles andere als verschwunden, stattdessen verschwinden die von Teheran öffentlich geäusserten Vernichtungswünsche für den jüdischen Staat aus den online verfügbaren Transkripten. Offenbar haben Ahmadi-Nejad und seine Gefolgsleute noch nicht gemerkt, dass die westliche Intelligenzija immer nur das beste und edelste aus ihren Hasstiraden herausliest.

Nun hat Rahim Mashai, Berater Ahmadi-Nejads und Vorsitzender der staatlichen Kulturstiftung (”Organisation für das kulturelle Erbe”), die Worte Ahmadi-Nejads bekräftigt, dass Israel keinerlei Legitimation besitze und bald von der Erdoberfläche verschwinden müsse. Das von Ahmadi-Nejad gebrauchte “az safhe-ye ruzgar” (vom Angesicht der Erde), das ein Professor aus Michigan in seiner englischen Übersetzung mit “from the page of time” aufgehübscht hat, benutzt Mashai allerdings nicht.

In seinen Worten heisst es, Israel müsse “az arse-ye giti” verschwinden, wobei arse wörtlich soviel wie “Schauplatz, Bühne” bedeutet, und giti “Welt” oder “Universum”. Natürlich macht es keinen Sinn, Wort für Wort von einer Sprache in die andere zu übersetzen. So etwas mag vielleicht in Michigan als korrekte Übersetzung durchgehen, aber sonst nirgendwo. Selbstverständlich werden immer Sinneinheiten übertragen, die der Satzintention entsprechen, und darum wird auch z.B. ein englischer Ausdruck wie “to kill two birds with a stone” im Deutschen nicht mit “zwei Vögel mit einem Stein töten” wiedergegeben.

Während allerdings die von Ahmadi-Nejad benutzten Vokabeln safhe und ruzgar für sich genommen eine etwas schillernde Semantik aufweisen, gilt dies für arse und giti nicht. Ergo: Mashai spricht davon, dass Israel komplett aus dieser Welt verschwinden möge, und dies, weil es keinerlei Legitimation besitze. Interpretationsspielraum gibt es bei dieser Aussage nicht. Gekrönt wird diese durch die Behauptung “das israelische Regime ist tot”, was abermals den Wunsch der iranischen Machthaber demonstriert, dass es mit Israel nicht schnell genug vorbei sein kann: “Wir in der Region und in der Welt werden Zeugen sein, wenn Israel nicht mehr zugegen ist [hozur nadarad].”

Das ganze Interview mit der Zeitung “Kargozaaran” hat es überhaupt in sich. Mashai erläutert hier in extenso, warum die kürzlich weltweit verbreitete Nachricht, er habe den Iran als einen “Freund der Israelis” bezeichnet, ein Missverständnis sei. Tatsächlich, so führt Mashai aus, sei der Iran ein Freund aller Nationen, auch solcher, die unter einer Besatzungsherrschaft leben. Da nun nicht alle Menschen in Israel auch Zionisten seien, habe der Iran für den grössten Teil der Bevölkerung auf dem Territorium israelischer Herrschaft Sympathie. Nicht jedoch für Israel selbst.

Israel selbst sei ohne Legitimation und dem Gebiet und der Bevölkerung Palästinas nur übergestülpt [tahmil shode ast]. Die Zionisten seien dort nur eine begrenzte Minderheit [yek aqalliyat-e mahdud], die man ignorieren könne. Die Mehrheit derer, die in den besetzten Gebieten[1] lebten, haben mit dem Zionismus nichts zu tun: “Seien Sie gewiss, dass selbst der grösste Teil des jüdischen Volkes dort keine Zionisten sind.”

Weil Israel illegitim und übergestülpt sei, so Mashai, sei er sich dessen sicher, dass es verschwinden müsse [bayad az miyan berawad / bayad az safhe-ye ruzgar mahw shawad], was allerdings der Feind mit seiner Medienmacht so dargestellt habe, als ob der Iran einen militärischen Zusammenstoss mit dem “usurpatorischen zionistischen Regime” beabsichtige und mit Nuklearwaffen in den Krieg ziehen wolle.

Nach der Niederlage im 33-Tage-Krieg (gemeint ist der Krieg 2006 gegen die libanesische Hisbollah) sei jedoch das Schicksal Israels besiegelt. Der Krieg habe deutlich gemacht, dass nicht etwa mehrere Länder notwendig seien, um Israel zu zerstören, sondern eine fromme Widerstandsbewegung allein ausreiche. Dies sei ein Zeichen für den Tod des Regimes, das die Legende vo der eigenen Unzerstörbarkeit unverzüglich begraben habe.

Weder Israel noch die USA haben den Mut, gegen den Iran aufzustehen. Für die Juden selbst sei Israel zu einem Nachteil geworden, habe doch “dieses Krebsgeschwulst” [ghodde-ye sartani] die Juden übel beleumundet und ihnen weltweit schwere Kosten aufgebürdet – ihnen, die mehrheitlich die “zionistischen Verbrecher” doch keineswegs akzeptierten. Selbst die Juden in Palästina seien mit Israel unglücklich. Damit wieder Ruhe in der Region einkehre, gebe es daher nur eine Möglichkeit: Das Verschwinden [barchide shodan] des Regimes.[2]

Was den Holocaust betreffe, so leugne “Dr. Ahmadi-Nejad” nicht die Ermordung von Juden durch die Nazis, er halte aber das “Abenteuer des Holocaust” [majara-ye holokast] für ein “politisches Spiel”, das die Zionisten in böser Absicht missbrauchten. Es folgt die bekannte Tirade, dass die Zionisten den Holocaust als Vorwand benützen, um ihre “verbrecherische Politik” zu verfolgen. Mashai, der Israel nicht als Nation betrachtet, endet damit, dass keine Nation der Welt Feind des iranischen Volkes sei. Das seien nur die tyrannischsten und niederträchtigsten Individuen auf dem Globus.

(Dank an Nasrin)

[Dieser Text wurde um 19:00 Uhr überarbeitet. Die alte Fassung beruhte allein auf der Paraphrase des Interviews bei "Iran Press News". Die ersten vier Absätze dieses Posts sind unverändert.]

+++Update, 26. Aug. 2008+++

Ein paar Gedanken zum Thema gibt’s auf dem Blog von Jörg Lau.


  1. Aufgepasst: Das Mullahregime meint damit immer das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer!
  2. Im Original: همه می‌دانند كه تنها راه بازگشت آرامش از بین رفته فلسطین، برچیده شدن این رژیم است.
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One Response to ““Israel muss von der Erdoberfläche verschwinden””

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