In der DDR war es eigentlich ganz nett!?

Sunday, September 14, 2008
By Heinz Eggert

Morgenpostkolumne 14. September 2008
Heinz Eggert

Das Wissen vieler Jugendlicher über die DDR ist erschreckend schlecht. Eltern und Lehrer verklären die Diktatur. Das war das Ergebnis einer Studie der FU Berlin. Die Forscher bekommen jetzt erboste Briefe und begreifen die Welt nicht mehr, wenn Stasi, die Mauer und ein ausgewiesenes Unterdrückungssystem verteidigt werden und sie als gottverdammte arrogante Besserwisser-Wessis beschimpft werden. Was läuft hier falsch?

Das war eine Debatte diese Woche im Landtag, die viel sachlicher verlief, als man sonst vermuten konnte. Es ging um Ostalgie Shows und Stasi-Veteranentreffen, um das Versagen von Eltern und Lehrer in der Vermittlung von Geschichte, um Geschichte als Pflichtfach und um mehr Geld für die Gedenkstätten. In einem waren sich alle einig: Das DDR-Wissen der Schüler muss sich verbessern.

Nur das beendet die Diskussion nicht. Denn es geht nicht nur um Wissensvermittlung, es geht auch nicht nur um die geschichtliche Deutungshoheit der alten DDR Garde, die ihren eigenen Machtverlust bis heute nicht überwinden kann. Es geht vor allem um die Rechtfertigung und Würdigung von Millionen Lebensläufen, deren Leben in einer Diktatur verlaufen musste, ohne dass sie es sich selber ausgesucht hatten.

Seit 1989 gab es darüber keine faire Diskussion, denn die West- und die Ostdeutschen wussten viel zu wenig von einander. Die Überheblichkeit des Westens und die Unsicherheit des Ostens überlagerten vieles. Dazu kamen Ignoranz und Arroganz vieler Verantwortlicher in Politik und Medien, die die Wirklichkeit der DDR nur durch die Brillen ihrer eigenen Vorurteilskraft wahrnahmen. Von rosarot bis tiefschwarz.

Bei allen notwendigen Diskussion über Staatssicherheit, Mauerbau und kommunistischer Diktatur wurde übersehen, dass es auch in der DDR viel ehrliches Bemühen und einen großen Aufbau und Gestaltungswillen gab. Es sind in der DDR ungeheure Lebensleistungen unter Bedingungen erbracht worden, die zu dieser Zeit im Westen schon gar nicht mehr vorstellbar waren. Mit einem gewaltigen  Unterschied: Sie zahlten sich materiell für den DDR-Bürger nicht auf seinem Konto aus. Was zu der Kurzschlusslogik führte: dass sich die Lebensleistungen der Bürger entwerten würden, wenn ein Staat bankrott geht.

Das ist zwar nicht so, aber genau dieses Gefühl haben sie. Sie glauben trotzig diesen Staat verteidigen zu müssen, damit ihre Lebensleistungen erhalten bleiben. Das steckt jetzt seit 20 Jahren bei ihnen unveränderbar in den Köpfen. Das kann man verstehen, darf es aber nicht hinnehmen. Die Jugend muss schon verantwortlich aufgeklärt werden, damit sie nicht sehenden Auges in die nächste Diktatur läuft.

Oder?

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