Neoetatismus im Aufwind

Sunday, October 19, 2008
By Michael Kreutz

Nachdem nun auch die FAZ auf den Zug des Neoetatismus aufgesprungen zu sein scheint, freut man sich, dass wenigstens im Schwesterblatt FAS noch ein paar kritische Töne zu Wort kommen.

Dort erklärt der Schweizer Privatbankier Konrad Hummler im Interview, dass die Ursache der gegenwärtigen Finanzkrise bei der amerikanischen Notenbank gesucht werden müsse, die mit ihrer Politik des billigen Geldes die Voraussetzungen dafür geschaffen hatte, dass die Banken mit zu wenig Eigenkapital arbeiteten. 

Durch den Einstieg des Staats in notleidende Banken werden, so fürchtet der Bankier, diese Verhältnisse nur zementiert. Muss denn der Staat jede Bank retten? Genau da liege das Problem, so Hummler, denn:

Banken gehen nicht unter. Seit den dreißiger Jahren hat man den Bankenkonkurs ja praktisch abgeschafft. Jeder kleine Bäcker kann pleitegehen, große Banken aber nicht.

Hummler plädiert dafür, dass Möglichkeiten geschaffen, wie Banken geregelt pleite gehen können. Die staatlichen Rettungsaktionen, so prophezeit er, werden nur die Symptome der Krise kurzzeitig lindern, bevor sie uns mit aller Wucht zu einem späteren Zeitpunkt wieder einholen. 

Der Ökonom Georgios Bitros und das Vorstandsmitglied der griechischen “Liberalen Allianz” Tassos Avrantinis stossen ins selbe Horn (s. dazu auch hier). Nicht der Markt, die Politik trägt die Verantwortung für die gegenwärtige Finanzkrise, denn es war die Notenbank, die die Zinsen auf einem besonders niedrigen Niveau hielt, um die ökonomischen Aktivitäten nicht zu verlangsamen, während die Regierung die Staatsausgaben erhöhte und parallel dazu die Steuern senkte.

Und so wird es weitergehen: Die staatliche Einmischung wird langfristig weitere Probleme schaffen. Und die werden auch wieder dem Neoliberalismus angehängt, um noch mehr Regulierung fordern zu können.

  • Share/Bookmark
–––

Ähnliche Beiträge:

Tags: , , , , ,





2 Responses to “Neoetatismus im Aufwind”

  1. Komisch! Ich habe, solange Greenspan im Amt war, niemals Kritik an seiner Zinspolitik gehört, am allerwenigsten von Banken.

    #51650
  2. Den Banken kam es ja wohl gelegen. Es ist der Verbraucher, der die Zeche zahlt.

    #51651

Our Books

kreutz_arabischerhumanismus2007.png


riexinger_amritsari_s.png

Leseempfehlungen


Editor’s Corner