Weltanschaulich eingebetteter Journalismus

Monday, October 20, 2008
By Michael Kreutz

Geht es im Irak aufwärts oder wird alles immer schlimmer? Wenn die Zahl der Anschläge sinkt und die Sicherheitslage stabiler wird, dann könnte man durchaus zu der Schlussfolgerung gelangen, dass sich die Truppenverstärkung der Amerikaner gelohnt und die Lage verbessert hat.

Falsch!, meinte vor einem halben Jahr der Journalist Nir Rosen, und erklärte, dass der Rückgang der Anschläge im Irak in Wahrheit ein Zeichen dafür sei, dass Bushs Aufgebot (”surge”) gescheitert sei. Klar, dass diese Äusserung für Heiterkeit sorgte.

Nun war unser Journalist in Afghanistan und hat festgestellt, dass die amerikanischen Truppen dort nicht unbedingt beliebt sind. Grosser Popularität erfreuen sich die Taliban aber deswegen noch lange nicht, im Gegenteil:

It is a stance I will hear echoed by many Taliban leaders. In recent years, recognizing that their harsher strictures had alienated the population, the Taliban have grown more tolerant.

Zudem sind die Taliban gespalten:

I later learn that I have been caught in the midst of the bitter and often violent infighting that divides the Taliban. Ibrahim’s recent injury, it turns out, was the result of a clash between his forces and a group of foreign fighters under the command of Dr. Khalil. The foreigners wanted to close down a girls’ school, sparking a battle.

Das macht sie noch lange nicht sympathisch, aber heisst das nicht, dass auch die Taliban nicht unbesiegbar sind und machen können, was sie wollen? Nicht für Nir Rosen:

Simply put, it is too late for Bush’s “quiet surge” — or even for Barack Obama’s plan for a more robust reinforcement — to work in Afghanistan. More soldiers on the ground will only lead to more contact with the enemy, and more air support for troops will only lead to more civilian casualties that will alienate even more Afghans.

Denn was im Irak nicht wahr sein darf, darf es natürlich auch in Afghanistan nicht. 

Nun mag es ja sein, dass die USA nicht gewinnen können. Es mag auch sein, dass die Situation in Afghanistan für Aussenstehende nur schwer zu beurteilen und vielleicht viel schlechter ist, als es den Augenschein hat.

Aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass es eine Sorte von Journalisten gibt, die noch jedes Anzeichen von Besserung in ihr Gegenteil umzuinterpretieren wissen.

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