Bildungsgipfel

By Heinz Eggert · October 26, 2008

Morgenpostkolumne 26.10.2008
Heinz Eggert

Es wurde eingeladen zum Bildungsgipfel nach Dresden. Angestrengtes Nachdenken bei sächsischer Kartoffelsuppe. Das eine schmeckt, das andere liegt schwer im gesellschaftlichen Magen.

Wir verfügen in Deutschland über keine nennenswerten Bodenschätze. Unsere Ressourcen stecken im Kopf. Das lässt ahnen, wie behutsam und verantwortlich wir in einer Wissensgesellschaft, mit dem Können, der Intelligenz und dem Wissen umgehen müssen. Das unser eigentliches Kapital ist. Dieser Zukunftsarbeit sind wir noch mehr verpflichtet, wenn wir dabei auch die demografische Entwicklung in Sachsen im Blick haben. Es wird zwangsläufig ein Regelkreis entstehen: Wachsende Anspannungen der Sozialsysteme werden zu einer höheren finanziellen Belastung der erwerbstätigen Generation führen.

Wer das Wohlstandsniveau erhalten – oder steigern will – muss die kommenden Generationen besser aus- und weiterbilden, damit sie stärker und länger am Erwerbsleben teilnehmen können. Es wird eine Entwicklung zum lebenslangen Lernen geben. Das hört sich alles einfach an, ist aber nicht einfach zu machen. Die weniger werdenden jungen Leute von heute werden für die mehr und älter Werdenden die Rente erarbeiten, ohne genau zu wissen, wie viel Rente sie selber einmal bekommen. Aber sie werden auch für ihre eigenen Altersgenossen die soziale Absicherung erarbeiten müssen, die nicht bildungsfähig oder bildungwillig sind.

Diesen Kreis kann und muss man kleiner halten. Die Abbruchquoten in der Ausbildung sind mit durchschnittlich 30 % in Deutschland viel zu hoch. Es zeigt vor allem eins: Wir schöpfen bei weitem nicht alle Potenziale aus! Leistungsfähige Ausbildung ist nun einmal der strategische Faktor für wirtschaftliches Wachstum und sozialen Fortschritt. Im Vorfeld des Bildungsgipfels waren sich fast alle Experten einig im Ruf nach mehr Geld. Geradezu fantasielos. Obwohl keine konkreten Summen genannt wurden wussten sie schon jetzt, das es viel zu wenig sei.

Als ob die Lösungen von gestern auf die Situation von morgen passen würden. Erst müssen die Strukturen überprüft und verändert werden. Neues Geld in alte Strukturen geleitet, kann man auch unverantwortlichen Bankern anvertrauen. Das Ergebnis ist gleich: Das Geld ist weg, die Probleme bleiben!

Natürlich muss mehr gefördert intensiver und zielgerichteter gearbeitet, werden. Aber: wir müssen auch begreifen, dass wir jene, die wir fördern wollen auch gezielt fordern müssen. Die übliche Überzeugung: Das steht mir zu! muss von der Frage ergänzt werden: Was kann ich dazu beitragen? Denkungsart und Bildung gehören eng zu einander. Oder?

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