Zum Soldaten geboren?

Saturday, December 6, 2008
Von Martin Riexinger

Das Militärische steckt den Türken nach einer verbreiteten Auffassung in den Genen. In ihrer wöchentlichen Geschichtskolume für “Taraf” widerspricht Ayşe Hür diesem Klischee jedoch. Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1886) hätten sich etwa 20% der Rekrutierten entzogen, während in Europa die Rate unter einem Prozent gelegen habe. Im Ersten Weltkrieg bereiteten zahlreiche Desertionen aber auch eine hohe Suizidrate unter den Soldaten der Armeeführung erhebliche Kopfzerbrechen.

Nach einem Bericht eines deutschen Söldners, den Klaus Kreiser in seiner Atatürk-Biographie (S. 166) zitiert, hielt sich auch im Nationalen Befreiungskrieg die Begeisterung zunächst in Grenzen:

Täglich trafen in Angora große Trupps Bauern, bewacht und begleitet von bis an die Zähne bewaffneten Gendarmen, aus den fernsten Teilen des Reiches ein, um sofort eingekleidet und an die Front geworfen zu werden.

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