Wir kriegen die Krise!
Morgenpostkolumne 28.12.2008
Weihnachten ist vorbei. Außer der Weihnachtsgeschichte war die meistzitierte Freudenbotschaft: Der deutsche Einzelhandel ist erfreut! Auch gut!
Die vielen sich vor dem Fest in den Konsumtempel Drängenden und die Beschenkten sind hoffentlich auch erfreut. Dazu ist Weihnachten ja auch da. Es sind zwar keine notwendigen Geschenke – da ja keine Not zu wenden ist – aber wir leben ja auch alle von de , was das Leben darüber hinaus – unverdientermaßen – für uns bereithält. Eben als Geschenk! Ganz im Gegensatz zu Milliarden Menschen auf dieser Welt.
Aber die waren zwischen den vielen süßlichen, weihnachtlich-verkitschten, mit Kunstschnee bestreuten Volksmusiksendungen kaum im Fernsehen zu sehen. Dafür hieß das meist verwendete Wort in den Nachrichten „Krise“. Ein Wort, das offensichtlich niemanden erschreckt, es sei denn, er ist jetzt schon von den Auswirkungen betroffen. Sowie die Leiharbeiter der Chipfabrik Qimonda, die mit Duldung der Gewerkschaften, jahrelang unterbezahlt, jetzt als Erste gehen durften.
Im neuen Jahr, werden dann fast alle von den Auswirkungen betroffen sein, denn niemand kann sich dieser gewaltigen Wirtschaftskrise entziehen. Darüber sind sich weltweit auch momentan alle einig. Meinungsdifferenzen gibt es über ihr Ausmaß, ihre Ausrichtung und vor allem über zukunftsweisende Lösungen. So manches schnell dahin gesprochene Politikerwort und so mancher schnell dahin geschriebener journalistischer Kommentar hatten einen Gültigkeitswert von 12 Uhr bis mittags. Ruhige die Situation analysierende Nachdenklichkeit ist eben angebrachter als aufgeregte Scheindebatten. Alte Rezepte passen zwar in die Weihnachtsküche aber nicht auf neue gesellschaftlich – wirtschaftliche – moralischen Herausforderungen.
Die weltweite Wirtschaftskrise zeigt uns die Grenzen und Schwächen eines Systems auf, das weitgehend Wachstum und Profitstreben in den Vordergrund gestellt hat. Das zu ändern ist schwierig, wird aber notwendig sein. Deshalb können die Lösungsansätze zur Bewältigung dieser Krise auch gar nicht schnell genug erarbeitet und kontrovers diskutiert werden. Aber die kontroversen Diskussionen dürfen das notwendige Handeln nicht verzögern. Schon aus der Bibel können wir lernen, das Noah, die lebensrettende Arche vor und nicht während der Sintflut gebaut hat. Er hat sie übrigens auch nicht auf Kosten nachfolgenden Generationen gebaut, sondern ihnen erst damit die Zukunft ermöglicht.
Wenn wir jetzt zusätzliche Schulden machen, dann müssen wir und kommende Generationen auch davon leben können, in dem die Maßnahmen möglichst kurzfristig greifen und langfristig für alle ein Gewinn sind. Oder?
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