“Ich bitte um Entschuldigung”
Die Website der Kampagne, mit der einige türkische Intellektuelle ihre Anteilnahme mit dem armenischen Volk und ihre Distanzierung von der offiziellen Linie des Leugnens und Rechtfertigens der Massaker zum Ausdruck bringen, ist freigeschaltet worden.
Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen den Aufruf des Initiators Baskın Oran zu übersetzen.
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Nachtrag 17.12.2008
Mittlerweile haben Nationalisten eine Seite “Wir fordern eine Entschuldigung” in Netz gestellt. Sie ist im Layout identisch, zeigt aber Bilder von Anschlägen armenischer Terroristen und eine Vertreibungsszene, vermutlich aus dem Konflikt um Berg-Karabach.
Der Ministerpräsident meinte, das gehe ihn nichts an, er wisse nicht wofür er sich entschuldigen müsse. Anders Ali Bayramoğlu, Kolumnist für dessen Hausblatt “Yeni Şafak”. Er begrüßte gestern bereits in einem Artikel, dass nun das Schweigen gebrochen werde, und heute setzt er der konservativen Leserschaft eine historisch hieb-und stichfeste Zusammenfassung vor:
Das erste Stadium begann in den 1870er Jahren.
Unumstritten waren die Maßnahmen von (Sultan) Abdülhamit gegen den armenischen Nationalismus und armenische Aufstände, gegen den westlichen Druck besonders 1894-1896 von äußerster Härte. Diese Periode Epoche war eine Zeit, zu der der Staat unverhältnismäßige, teilweise das Ausmaß von Massakern annehmende Aktionen zur Aufstandbekämpfung vornahm, es war die Zeit eines Konflikts zwischen Gegnern.
1915 ist das zweite Stadium
Das Kommitee für Einheit und Fortschritt (Jungtürken) ging daran, Anatolien von der neben den Juden letzten verbliebenen nichtmuslimischen Volksgruppe zu reinigen.
Zuerst wurden alle Männer eingezogen, dann wurden die zurückgebliebenen Frauen, Kinder und Alten, den Sicherheitsbedürfnissen entsprechend, zum Auszug von Edirne nach Antakya, von Erzurum nach Yozgat gezwungen, in einem Ausmaß, dass man sich nicht vorstellen kann.
Das Ziel war die syrische Wüste. Eine Deportation unter staatlicher Aufsicht.
Nach den Aufzeicnungen von Talat Paşa lebten vor der Deportation auf osmanischem Gebiet 1,2 Mio Armenier. Denselben Aufzeichnungen zufolge waren danach (die syrische Wüste eingeschlossen) 400 000 übrig. 800 000 Armenier sind also in der einen oder der anderen Form vernichtet worden.
Die Racheakte armenischer Freischärler nach der Niederlage, die bis zu 150 000 Türken das Leben kosteten, und die Terrorakte von Armeniern in der Diaspora nennt er Stadium drei und vier. Aus zwei Gründen könnten aber weder dieser Terrorismus, noch die Racheakte noch der Konflikt im späten 19. Jh. mit dem gleichgesetzt werden, was 1915 geschah:
1. Es gab keinen Konflikt. Es gab eine neun Monate dauernde Deportation. Unterstreichen wir es noch einmal: Unter der Kontrolle der Regierung des Kommitees für Einheit und Fortschritt sind unbestritten 800 000 Menschen umgekommen.
2. Die Armenier sind 1915 aus Anatolien vertrieben worden und die große Mehrheit hat dabei ihr Leben verloren.
——– Nachtrag 5.1.2009 ————
Die privaten Aufzeichnungen hat erstmals 2005 der Journalist Murat Bardakçı veröffentlicht. Heute reproduziert Milliyet die Tabelle, wo Provinz für Provinz aufgelistet wird, wieviele Armenier vor und nach der Provinz dort lebten.
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Nachtrag 19.12.2008
Die Seite ist oft (wie im Moment) nicht aufrufbar oder die Unterschriftfunktion arbeitet nicht. Laut Aussage eines Technikers wurde die Seite von einem Rechner mit einer IP-Adresse des Innenministeriums in einer Minute eine Millionen mal angeklickt, um sie lahmzulegen.
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