Ehestreit

Tuesday, January 20, 2009
Von Martin Riexinger

Noch ein traditionelles Auswandererland hat jetzt seine Islamdebatte. Der Patriarch von Lissabon hat katholischen Frauen geraten, sie sollten es sich zweimal überlegen, ob sie wirklich einen Muslim heiraten sollen. Dazu gab es Proteste, verständlicherweise von mit Muslimen verheirateten Frauen, aber auch von Amnesty International[1]. In diesem Fall stellt sich jedoch die Frage, warum gegen einen Ratschlag protestiert wird, während das im umgekehrten Falle bestehende eindeutige Verbot der Heirat einer Muslimin mit einem Nichtmuslim nicht aufregt. Der Chef der Islamischen Gemeinschaft in Lissabon Abdool Magid Vakil wiederum “gab allerdings zu bedenken, dass die Äußerungen des Patriarchen auch als ein Appell verstanden werden könnte, die Unterschiede zwischen den Religionen und Kulturen zu respektieren. ” (portugiesisch)

Die islamische Zeitung übernimmt von der Comunidade Islâmica de Lisboa die Zahl von 40 000 Muslimen, in einem portugiesischen Zeitungsartikel ist von 34 000 die Rede:

Os primeiros vieram de Moçambique, dominavam a língua e rapidamente adquiriram um estatuto social elevado. Depois vieram os muçulmanos da Guiné-Bissau, a que se juntaram mais recentemente os oriundos do Magrebe, Senegal, Paquistão, mas também da Índia.

Bei den Muslimen aus Mosambik, zu denen wohl auch Vakil gehört, handelt es sich um aus Indien stammende Händler, eine Gruppe, die sich ja auch in Großbritannien weit besser integriert hat, als Zuwanderer aus Bangla Desh oder Pakistan.

________________________

Nachtrag 20.1.2009

Unterstützung erhält der Kardinal nun von ungewohnter Seite:

“Carecem de legitimidade moral para condenar o patriarca, por sinal bastante tolerante, para um bispo, os que defendem a poligamia, a discriminação das mulheres, a decapitação dos apóstatas e a lapidação das mulheres adúlteras e pretendem que o Corão substitua o Código Penal.”


  1. http://islamische-zeitung.de/?id=11316
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6 Responses to “Ehestreit”

  1. Es ist zumindest die Standardauffassung der Rechtsgelehrten und maßgeblich in allen Länder, in denen das Personenstandsrecht auf dem islamischen Recht beruht.

    Nicht verbieten wollen es z.B. Nurcus aus Stuttgart, aber, nun ja klingt es, aber eigentlich dann doch auch so wie bei Patriarch in Lissabon.

    #52302
  2. Gestern war eine kurze Notiz in der FAZ, dass der besagte Turabi verhaftet wurde: Die BBC meldet dazu:

    Mr Turabi said on Monday that President Bashir should hand himself over to the ICC to save the country from possible UN sanctions.

    “Politically we think he is culpable.

    “He should assume responsibility for whatever is happening in Darfur, displacement, burning all the villages, rapes, I mean systematic rapes, continuously, I mean on a wide scale and the killing.”

    He added: “Six million of the Sudanese are now paralysed, no agriculture, no animal farming or rearing. He is responsible and we condemn him.”

    #52313
  3. Ich glaub ich werd Islamophob :-)

    #52348
  4. N. Neumann

    Hier ein Interview, in dem Turabi seine vergleichsweise liberalen Ansichten (zu gemischt religiösen Ehen, aber auch betreffs Alkoholkonsum) erläutert:

    http://www.memritv.org/clip/en/1112.htm

    Und überhaupt, Turabi möchte nichts (mehr) mit den negativen Folgewirkungen der Machtergreifung der islamischen Bewegung im Sudan zu tun haben:

    http://www.memritv.org/clip/en/1931.htm

    Wahrscheinlich will sich Turabi, sowohl im eigenen Land, als auch darüber hinaus, als gemäßigter und moderner Führer empfehlen.

    Weiß jemand, wie es um seine Popularität im islamischen Teil des Sudans bestellt ist?

    #52358
  5. Aus persönlichen Gesprächen in der Türkei weiß ich, das Turabi nicht mehr sehr gut angesehen ist bei Orthodoxen. Das war früher mal ganz anders.

    #52359

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