Ayşe Günaysu…
… kommt in die Titelzeile, weil mit ihr endlich jemand in der Türkei aufsteht und der Übernahme von Hamas-Propaganda entgegentritt. Dies betrifft gerade auch die von mir wegen ihrer Behandlung innertürkischer Themen oft gelobten Blätter “Radikal” und “Taraf”.
In der Türkei wie anderswo behaupten, die Antisemiten sie seien selbst das Opfer von Verfolgung, “wie ein Damoklesschwert” hänge der Vorwurf des Antisemitismus über ihnen. Eine Auffassung, die sie mit Blick auf den Tenor der rechten wie der linken Presse als völlig grotesk entlarvt. Sie hat daher die Petition “Nein zum Antisemitismus” mitinitiiert, der sich vor allem dagegen wendet, dass sich die Linke die Slogans der Islamisten zueigen macht. Darüber weiter in ihrem Artikel:
Der Aufruf gegen den Antisemitismus wurde niedergeschrieben, um das Augenmerk auf eine Sache zu richten: Wenn sie gegen die zivilen Opfer in Gaza protestieren, betreiben einige islamische Kreise offenen und brutalen Antisemitismus. Das ist ein absichtlicher, in höchstem Maße bewusster, militanter Antisemitismus. Dagegen kommt keinerlei Kritik. Darüber hinaus finden sich in einem erheblichen Teil der oppositionellen Linken, antisemitische Diskurse, Verhaltensweisen und Gewohnheiten, die von Unsensibilität für diesen offenen Antisemitismus, Unwissen über Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus, mangelndem Intersse und Distanz zu diesem Thema herrühren.
Ein großer Teil der oppositionellen linken Kreise geben sich nicht die geringste Mühe, auf Abstand zu diesem offen Antisemitismus zu gehen, wenn sie sagen “protestieren wir gegen Israel!”. Sie identifizieren sich mit Hamas, sie nehmen für Hamas Partei. Dass Hamas nicht Palästina ist, dass sie nur eine politische Kraft in Palästina ist, dass es eine faschistoide Kraft ist, wird unter den Tepppich gekehrt. Man fragt sich unweigerlich: Was haben Hamas und die Linke miteinander zu schaffen? Was gibt es für gemeinsame Werte mit Hamas, die Frauen steinigt, Homosexuelle ermordet, Kinder mit dem Slogan aufzieht “wer sieben Juden tötet geht ins Paradies ein”, die alle Freiheiten und Rechte der Person für nichtig erklärt?
[...]
Fordern denn diejenigen, die mit Blick auf die Gründung Israels, was danach geschah, und auf die Gegenwart den ersten und einzigen jüdischen Staat auslöschen wollen, dass mit Blick auf die schwarzen Seiten bei ihrer Gründung, dem, was danach geschah, und die Gegenwart die Türkei ausgelöscht werden solle[1]?Die Geschichte eines jeden Landes ist in irgendeiner Form, auf irgeneiner Ebene schmutzig. Aber haben wir den je erlebt, dass dafür, ein anderes Land als Israel von der Landkarte zu radieren, je Aufmärsche abgehalten wurden? Ich gehöre zu jenen, die im Prinzip alle Staaten als System abschaffen wollen. Aber ich glaube nicht, dass irgendjemand, der Israel auslöschen möchte, mit dem Staat als System ein Problem hat.
- Hierzu schon Michael: “Was nun die Vertreibungen anbetrifft – man kann es nicht oft genug wiederholen: Alle heute existierenden Staaten, die auf dem Boden des ehemaligen Osmanischen Reiches entstanden sind, haben zu Beginn ihrer Staatswerdung und zum Teil noch danach eine Politik der Homogenisierung betrieben. Entweder durch Vertreibung, oder durch staatliche Marginalisierung, Diskriminierung oder Assimilierung.” ⇧
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Ayşe Günaysu begründet in Taraf ihre Petition.
Und Enver Gülşen hält dagegen.