Zwei Kommentare zur türkischen Geopolitik
In “Milliyet” kritisiert Hasan Cemal Erdoğans Äußerungen zum Gaza-Krieg als völlig überzogen, obwohl er selbst die israelische Politk ablehnt. Der Ministerpräsident habe jedoch Wasser auf die Mühlen der Antisemiten gelenkt und zudem durch seine Einseitigkeit die Türkei ins diplomatische Aus manövriert.
In “Sabah” nimmt sich Emre Aköz die “eurasische” Orientierung der so genannten Ergenekon-Verschwörung vor. Ich selbst habe dies für eine Marotte von Politsektierern wie Doğu Perinçek gehalten. Aköz bringt diese ideologisch-geostrategische Ausrichtung jedoch damit in Zusammenhang, dass in den letzten Jahren einige hochrangige Vertreter des Militärs auffällig deutlich auf Distanz, zur NATO, den USA und Europa gingen und stattdessen Russland Avancen machten. Siie machten zwar aus taktischen Gründen bei den Neokonservativen in den USA gut Wetter, betrachteten aber den autoritären Kapitalismus Putinscher Prägung als Vorbild. Einer von ihnen benannte die drei Kräfte, die aus seiner Sicht um die Türkei streiten: die atlantistischen Liberalen, die mittelöstlichen Islamisten und die eurasistischen Nationalisten.
–––Dieser Kampf wird nicht nur die geopolitische Identität der Türkei bestimmen, sondern auch ihr Schicksal und ihre Regierungsform.
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