Krawallatheisten

Mit der Religion halte ich es wie mit dem Alkohol: Auf die richtige Dosierung kommt es an. In geringen Mengen genossen, macht Alkohol friedfertig und euphorisch, genau wie Religion.
Im Übermass genossen, vernebelt es das Gehirn, bewirkt einen Tunnelblick und befördert die aggressive Seite im Menschen. Genau wie Religion. Die Attentäter des 11. September handelten im religiösen Vollrausch.
Religion und Alkohol sind beide Rauschmittel[1] und jenes gehört möglicherweise genausowenig in Kinderhände wie letzteres. Religion und Alkohol verlangen beide nach dem mündigen Menschen, der mit ihnen umzugehen weiss. Der mündige Mensch ist derjenige, der die Dinge beherrscht und nicht von den Dingen beherrscht wird.
Dass Alkohol schädlich sein kann, wird nun aber die wenigsten Menschen auf den Gedanken bringen, ihn gänzlich abzuschaffen. Zumindest im Westen traut die Gesellschaft ihren Mitgliedern zu, eigenverantwortlich mit dem Alkohol umgehen zu können. Darum gibt es keinen Grund, warum für Religion etwas anderes gelten sollte.
Die sog. Anti-Theisten stellen jedoch genau das infrage. Sie suchen nicht den mündigen Menschen, der benötigt wird, um verantwortungsvoll mit Religion umzugehen, sondern erklären die Religion selbst für von Grund auf nutzlos und schädlich und rufen zu ihrer Abschaffung auf. Religion und religiöser Fundamentalismus wären demnach eins:
Der Antitheismus ist mit keiner bestimmten politischen Haltung verbunden und sein Ziel ist bescheiden: Er möchte nur, dass Religionen und Ideologien für immer von diesem Planeten verschwinden, bevor sie uns auslöschen.
Wie beim Atheismus wird die Existenz Gottes verneint. Es gibt jedoch Atheisten, die sich wünschen, die Heilsgeschichten der Religionen wären wahr und die es bedauern, nicht daran glauben zu können. Der Antitheismus dagegen steht in Opposition zur Religion und hält die Erfindung Gottes nicht nur für eine falsche, sondern auch für eine schlechte Idee.
Nichts gegen Atheisten. Aber wenn die Religion zur Ursache religiöser Gewalt erklärt wird, wo bleibt da die Eigenverantwortlichkeit des Menschen? Das Eifertum, mit dem hier zu Felde gegen jede Form der Religiosität gezogen wird, gibt vor, ein Appell an die Vernunft zu sein, traut dieser gleichwohl nicht zu, religiöse Gefühle im Zaum halten zu können. In Wahrheit wird – auch wenn dem Autor das nicht bewusst sein mag – dem Tugendterror das Wort geredet.
Was mich betrifft, so ist Religion, in Massen genossen, eine kleine Schwäche von mir. Geschadet hat das weder mir noch anderen. Darauf ein Glas Wein!
- Vielleicht hatte Marx nicht unrecht, ersteres mit dem Opium zu vergleichen. ⇧
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Mit den Ideologien bin ich mir da nicht so sicher. Der Humanistische Pressedienst steht ganz offenkundig in einer ideologischen Tradition, die auch hier schon behandelt wurde.