Bericht aus Dresden, Februar 2010
Morgenpost Kolumne 22. Februar 2009
Heinz Eggert
Der 65. Jahrestag der Zerstörung Dresdens. Wie es der Dresdner Tradition entspricht, legten die Dresdner am 13. Februar auf dem Heide-Friedhof Kränze nieder, um der Toten des Dresdner Bombenangriffs vom Februar 1945 und zugleich aller Opfer der von Nazi-Deutschland ausgegangenen Verbrechen in Stille zu gedenken. Parteipolitische Querelen und politische Profilierungssüchte, die noch 2009 vor und nach dem Gedenktag die Diskussion bestimmten, blieben aus. Da Streit unter Demokraten immer Siegesfeiern unter Nazis nach sich zieht, mussten auch diese ausfallen.
Nachdenkliche Stille und würdevolle Trauer bestimmten den Tag und berührten die Welt. Für beide Tage hatten die Dresdner sich ihre englischen, amerikanischen und russischen Freunde eingeladen. Es sollte ein Fest der Besinnung und der Begegnung werden – ohne parteipolitische Vereinnahmungen. Jugendliche aller Nationen feierten und diskutierten miteinander. Sie waren sich einig, sich nie von Demagogen so instrumentalisieren zu lassen um sich dann gegenseitig das anzutun, was ihre Großväter einander angetan hatten. Da die unbelehrbaren Nazis wieder eine Großdemonstration angekündigt hatten, waren sich die Dresdner darüber einig, dass dieser Aufmarsch nicht durch die Innenstadt führen dürfe.
Deshalb hatten Vereine, Verbände und die Kirchen rechtzeitig und fantasievoll an allen Knotenpunkten der Innenstadt Veranstaltungen angemeldet, die von der Stadt genehmigt worden waren. Da für die Bürger nicht die Gefahr bestand zwischen gewaltbereiter Antifa und den rechten Schlägertrupps verletzt zu werden, waren sie auch überall zahlreich anzutreffen. Die Polizei hielt sich sichtbar und schützend im Hintergrund. Sie musste sich nicht wie im letzten Jahr für ihren Einsatz von den Linken beschimpfen lassen, sie wären Kumpane und Dienstleister der Rechten.
Die aus der ganzen Republik anrollenden Busse der Nazis wurden auf den Autobahnen lange und intensiv kontrolliert, so dass mancher zu spät zu der geplanten Demonstration kam. Der von den Nazis geplante Demonstrationszug musste von der Stadtverwaltung über ein menschenleeres Gewerbegebiet geleitet werden. Gerichtlicher Einspruch der Nazis musste zurückgewiesen werden, da die zahlreiche Innenstadtveranstaltungen nicht gefährdet werden durften.
So kam es dann. Keine Gegendemonstration, keine Kameras, keine Presse – Nichtbeachtung schlug sichtbar in Verachtung um. Die Nazis war nur eine Randnotiz am Rande des Dresdner Geschehens. Mehr sollten wir ihnen auch nicht zubilligen.
Es wäre doch toll, wenn 2010 dieser Bericht so geschrieben werden könnte. Oder?
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