Neuer Kurs in altem Fahrwasser
Dass “der” Iran dämonisiert werde, ist ein Gemeinplatz unter westlichen Intellektuellen. Während Alastair Crooke im “Le Monde diplomatique” noch darüber räsonniert, wie leichtsinnig der Westen war, es sich mit dem Iran zu verscherzen, obgleich dieser auf eine lange Freundschaft mit dem Westen zurückblicken kann, ist ein Kommentator der “Zeit” schon einen Schritt weiter:
Barack Obamas neuer Kurs überzeugt, weil er die Regierung und das theokratische System Irans nicht dämonisiert. Er macht den Test auf Teherans Vernunft und versucht nicht wie einst Bush, Präsident Ahmadineschad an politischer Radikalität zu übertreffen. (…) Es ist deshalb entscheidend, dass sich der Westen nicht der neokonservativen Verteufelung Irans anschließt.
Bush mit seinen radikalen Parolen gegen den Terrorismus und für eine Demokratisierung der Region ist jetzt gottseidank abgewählt, sodass Ahmadinejad nicht mehr versuchen muss, ihn mit radikal antiisraelischen Sprüchen auszubooten. Dass Ahmadinejad trotzdem von seinen radikalen Botschaften nicht ablässt, ist sicherlich als Gesprächsangebot an die USA zu verstehen.
Immerhin, beim “Capitalism Magazine” erinnert man sich daran, anders als unser “Zeit”-Redakteur, dass Obamas Plan, an selige Zeiten vor Bush anzuknüpfen, auf Sand gebaut ist:
Thirty years ago this November, followers of Ayatollah Khomeini, who spearheaded Iran’s Islamic revolution, stormed the U.S. embassy in Teheran and took the personnel hostage. President Carter gently admonished Iran, but ruled out military retaliation. (…) In the end Khomeini’s Islamist theocracy collected a handsome payoff for its aggression, and concluded, rightly, that if attacked, America would crumple to its knees.
Was Obama thinking of the 1980s? In April 1983 Iran’s jihadist proxies in Lebanon rammed a truck bomb into the U.S. Embassy in Beirut; the Reagan administration responded by doing nothing. Months later, encouraged by Washington’s inaction, Teheran issued a kill order–via its ambassador in Syria–to its allied groups in Beirut. Early one morning, an Islamist suicide bomber set off a massive explosion at the barracks where U.S. marines were sleeping and killed 241 of them.
(…) Maybe Obama meant the fabled halcyon days of the 1990s, when President Clinton tried to mend fences with Iran?
In 1996 a team of jihadists–financed and trained by Teheran–blew up the Khobar Towers building in Saudi Arabia, killing 19 American servicemen. Clinton’s administration learned that Iran was behind the attacks. But Washington brushed aside any notion of retaliating against Iran, in order to facilitate a “reconciliation” with that murderous regime.
Darauf hat Amir Taheri freilich schon vor drei Jahren im “Wall Street Journal” hingewiesen!
Auf dem DAVO-Kongress im letzten Oktober machte der iranische Analyst Ali Granmayeh deutlich, dass es in der Natur revolutionärer totalitärer Diktaturen liegt, doppelte Spiele zu spielen: Aussenpolitisch sind sie zwar sehr auf Anerkennung durch die internationale Staatengemeinschaft bedacht, die ihnen die begehrte Legitimation verschafft; zugleich aber gebietet die innere Logik der Revolutionsidee, auf der sie gründen, dass sie militante Organisationen unterstützen, deren Ziel der Sturz ebenjener Staaten ist, um deren Anerkennung die Diktatur wirbt.
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