Arabischer Realist und westliche Wunschdenker

Sunday, March 15, 2009
Von Martin Riexinger

Jüngst riefen amerikanischer Akademiker und Politikberater unterschiedlicher Ausrichtung Präsident Obama in einem offenen Brief auf, die Demokratisierung des Mittleren Ostens zu forcieren, auch wenn davon zunächst Islamisten profitieren. bereist zuvor hatte die britische Regierung ihre Absicht bekundet, mit dem politischen Arm der Hisbollah Dialog zu führen. Nicht wenige säkulare arabische Publizisten üben heftige Kritik an solchen Vorstößen. Ins gleiche Horn stößt jetzt Tariq Alhomayed von “Asharq Alawsat”:

Following increasing debate in America over the need to reach out to Taliban “moderates” and the idea that we must learn how to coexist with radical Islamists, as well as the announcement that Britain would re-establish contact with the “political” wing of Hezbollah, all we are waiting for now is to hear about openness towards the Al Qaeda organization.

Den Grund für die Dialogseligkeit erkennt er in falschen Schlüssen aus der jüngsten Entwicklung im Irak:

Nevertheless, one must state here that it seems that the successful experience that America has had with the tribal councils or the Sahwa forces in Iraq is what strengthened the concept of openness but in the wrong way. These tribes [in Iraq] did not take up arms because of their belief in a certain ideology or in the interest of a foreign party. These tribes took up arms in Iraq because they believed that they had lost their gains with the fall of the former regime so they allied with “the devil” i.e. Al Qaeda for the sake of their own interests. When they were finally convinced that Al Qaeda’s approach was not productive and actually threatened their interests, influence and stability, they chose to follow another path.

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Nachtrag.

Ähnlich im WADI-Blog:

Nun ist zweifelsfrei richtig, dass es auch unter radikalen Islmamisten genügend Menschen gibt, die, wenn die Situation entsprechend ist, sich von diesem Irrsinn trennen. Das ist aber wahrscheinlicher und für die betreffenden einfacher, wenn ihre Bewegung geschwächt ist. Ich kenne genug Ex-Islamisten (einige arbeiten sogar in Projekten von Wadi), Leute, die einem noch ohne mit der Wimper zu zucken vor 8 Jahren die Kehle durchgeschnitten hätten – und nun äußerst umgängliche und engagierte Menschen sind und sich fragen, was sie damals in die Arme von Organisation wie Ansar al-Islam getrieben hat.

Sie alle stimmen in einem zu: wäre die Herrschaft dieser Truppe in den kurdischen Bergen um Halabja nicht gewaltsam von der US-Army und den kurdischen Parteien im Jahre 2003 gebrochen worden, sie wären noch heute Anhänger von Al-Qaida.

Erst die damalige Niederalage ermöglichte es ihnen, sich aus den Fängen des Djihadismus zu befreien.

In Pakistan dagegen befinden sich die Taliban im Aufwind, die Regierung wackelt und die USA suchen nach “gemäßigten Taliban”. In einer solchen Atmosphäre trennt sich niemand von seinen Kampfgenossen.

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