Vordenker oder Rückwärtslenker

Thursday, March 19, 2009
Von Martin Riexinger

Privat gibt er schnell zu verstehen, dass ihn die Steinigungen, Amputationen und Blendungen abstoßen, die in manchen islamischen Ländern praktiziert werden. Wenn man ihn fragt, warum er das nicht so deutlich sagt, kommt als Antwort, er sei dann nicht mehr Teil der innerislamischen Debatte und habe keine Wirkung mehr. Darum plädiere er ja eben für ein Moratorium und eine Gelehrtendebatte.

Ich finde das nicht akzeptabel. Er muss als Intellektueller wirklich sagen, was er denkt und nicht herumtaktieren, sonst gibt es nie einen Fortschritt in der Debatte. Trotzdem habe auch ich mich für einen Dialog mit ihm und anderen Kräften ausgesprochen, auch wenn solche Dinge weiter offen sind.

Jörg Lau über Tariq Ramadan. Ich denke, dass Problem liegt ganz woanders. Tariq Ramadan schafft gezielt Verwirrung hinsichtlich des Diskussionsstands in der islamischen Welt. Abgesehen von Pakistan sind in keinem anderen islamischen Land, aus dem in nennenswerter Zahl Migranten nach Europa kamen oder kommen, die Körperstrafen ein Thema[1]. Vor dem Hintergrund einer solchen Verzerrung erscheinen seine reaktionären Vorstellungen dann als relativ fortschrittlich.


  1. Afghanistan und Iran lasse ich außen vor, weil die meisten Iraner und Afghanen vor eben solchen Zuständen Reißaus nahmen.
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One Response to “Vordenker oder Rückwärtslenker”

  1. Reaktionär kommt darauf an, von welcher Warte du das betrachtest. Die Debatte in Feuilltons und sonstwo ist ziemlich verzerrend und gibt kaum Einblick darauf, wie einflußreich Ramadan ist.

    Ramadan ist kein Modernist (auch kein Liberaler) sondern jemand der im Rahmen der Tradition agiert. Und in sofern ist das auch positiv für Menschen, denen dieser Rahmen wichtig ist. Persönlich erlebe ich in meinem Umkreis wie sehr er mit seinen Meinung die Jugenlichen beeinflusst, ich erlebe Jugendlich, denen ich eine gemäßigtere Position nicht zugetraut hätte.

    Insofern hat er recht, wenn er meint, er würde nicht mehr innerislamische sein, wenn er schöne Maximalbekenntnisse abgeben würde. Das würde zwar unsereins sehr gut finden, aber damit erkauft man sich dann die Sphären der Hochkultur. Das würde die bestätigen, die sowieso das gleiche glauben und denken.

    Ramadans Einfluss ist ein größerer als der einer Schule von Ankara. Ich kann mich mit letzterem weit mehr identifizieren, aber Ramadan bewirkt viel mehr. Der Diskurs der Modernisten und Liberalen wirkt leider für viele abgehoben und elitär.

    #52471

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