عيد شما مبارك

Saturday, March 21, 2009
Von Michael Kreutz

“Schenke mhaftsin_kreutz.pngir Gesundheit und Röte”: Gestern begann das iranische Neujahrsfest. Wo die Menschen den Brauch pflegen, zum Jahreswechsel Eier zu färben, kann es sich nur um Nouruz handeln, das in den Ländern den Nahen und Mittleren Ostens mit iranischer Völkerschaft – Iran, Afghanistan, Tadschikistan u.a. – begangen wird, wenn am ersten Tag des iranischen Sonnenjahres die Sonne in das Sternbild des Widders tritt (21. März, Frühlingsanfang). Das persische Wort “Nouruz” bedeutet wörtlich “Der neue Tag”.

Der Ursprung des Nouruz-Festes geht auf die mythenreiche vorislamische Zeit der indoarischen Bevölkerung zurück. Deshalb wird Nouruz auch als Nouruz-e bastani “das alte Nouruz”, Nouruz-e melli “der traditionelle Nouruz”, oder Nouruz-e djamschidi “Djamschids neuer Tag” bezeichnet. Djamschid gehört zu den legendären iranischen Königen der vorislamischen Zeit und soll der Überlieferung nach zu Nouruz gekrönt worden sein. Den vor- wie auch nachislamischen Quellen zufolge glaubte man früher, daß Gott an diesem Tage wahlweise die Sonne, die Welt, oder den ersten Menschen erschaffen habe. Die zoroastrischen Gläubigen überliefern, daß ihr Prophet Zarathustra am 6. Tag des Nouruz geboren sei.

Das Nouruz-Fest ist heutzutage weitgehend seiner alten religiösen Symbolik entkleidet und erfreut sich in den Gesellschaften des Mittleren Ostens als populäres Familienfest größter Beliebtheit. Gefeiert wird es ungeachtet der religiösen, sprachlichen und ethnischen Unterschiede und dauert zwei Wochen. Am Vorabend des Festes, am letzten Mittwoch des 12. Monats des iranischen Kalenders, wird Tscharschanbeh Suri “Der festliche Mittwoch“ begangen, wobei das altpersische Wort sur “rot” für Gesundheit und Wohlbefinden steht. Den Beginn des Festes verkündet der Amu-Nouruz, der “Onkel des Nouruz” (vergleichbar dem Weihnachtsmann im westlichen Kontext), oder Hajifiruz, der “Sieger (über den Winter)”, gehüllt in rote Kleider auf der Straße, und teilt singend und tanzend das baldige Eintreten des Nouruz mit.

Kurz vor dem Jahreswechsel versammeln sich dann die Familien am Haftsin-Tisch, der mit den sieben Symbolen geschmückt ist, deren Namen in Persischen mit einem “S” beginnen (daher Haftsin = “sieben S”) und die das Fest symbolisieren: sib “Apfel”, sekke “Münze”, somaq “Sumach” (ein Gewächs), sabzi “Grünzeug”, sonbol “Hyazinthe”, serke “Essig” und samanu, eine Mehlspeise aus Malz. Zwar steht der Anfangsbuchstabe in keiner besonderen Beziehung zum Fest; auf jeden Fall aber spiegeln sie eine agrarische Gesellschaft wieder. Aus diesem Grund stellen die Zoroastrier nur Naturprodukte auf ihrem Tisch, ungeachtet ihrer Anfangsbuchstaben. Die Zahl Sieben wiederum spielt bekanntermaßen in vielen Religionen eine Rolle und findet sich als heilige Zahl schon in den ältesten sumerischen, indoiranischen und semitischen Kulturen.

Neben den Haftsin befinden sich noch weitere Dinge auf dem Tisch: Ein Spiegel steht in der iranischen Tradition für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, ein Goldfisch in einem Glas soll das neue Jahr durch sein Schwimmverhalten ankündigen, und das heilige Buch der Familie unterstreicht die Bedeutung des Festes. Welches das heilige Buch ist, hängt freilich von der Religionszugehörigkeit ab; heutzutage wird gerne auch ein lyrisches oder episches Werk genommen. Den Höhepunkt, wie auch im Westen zum Jahreswechsel, bildet ein großes Feuerwerk, und in den Familien werden Eier gefärbt. Nach dem Jahreswechsel beglückwünschen sich die Familienangehörigen zum neuen Jahr und verzehren Süßigkeiten als Ausdruck der Hoffnung auf ein ebenso süßes Leben im neuen Jahr. Anschließend werden Geschenke verteilt. Das eigentliche Fest beginnt mit dem Frühjahrsputz. Um Wachstum und neues Leben zu symbolisieren, wird in jeder Familie Getreide auf einem Teller oder in einem Gefäß angepflanzt. Glückwunschkarten zum neuen Jahr werden an Verwandte und Freunde verschickt.

Lebendig und erfahrbar gemacht wird ein Fest jedoch erst durch öffentliche Zeremonien, die wiederum regional variieren. Eine zentrale Stellung im Nouruz nimmt das Entzünden des Feuers ein. Es ist einer der ältesten und schönsten Bräuche. Die Familienmitglieder versammeln sich um das Feuer und beweisen ihren Mut, indem sie nacheinander darüberspringen. Immer wieder wird die Formel gesprochen ”Nimm von mir die Blässe”, d.h. Krankheit, “und Ohnmacht und schenke mir Gesundheit und Röte”, d.h. die Farbe des Gesunden. Ebenfalls der Abwehr von Unheil dient “Das Brechen des Lehmkruges”: Von Hausdächern und anderen hochgelegenen Punkten stößt man Lehmkrüge hinunter, um Unheil und Mißgeschick abzuwenden, und verzehrt auch hier spezielle Süßigkeiten und Gebäck. Wer in persönlichen Schwierigkeiten steckt, macht einen Knoten in ein Handtuch oder ein Stück Stoff und stellt sich an den Straßenrand, um es von Passanten symbolisch als Errettung aus mißlicher Lage lösen zu lassen. Andere nehmen stattdessen ein Schloß, das sie sich von jemandem aufschließen lassen. Insbesondere junge Mädchen, die den Wunsch haben, im neuen Jahr zu heiraten, halten ein Vielzahl solcher Zeremonien ab.

Während der zwei Wochen des Festes werden gegenseitige Besuche abgestattet. Am letzten Tag des Fests, d.h. am 13. des Nouruz, bleiben die Familien traditionsgemäß nicht zu Hause, sondern verbringen den ganzen Tag in der freien Natur, um Unglück im Hause zu vermeiden. Daher wird dieser Tag Sizdah bedar “Am 13. außer Haus” genannt. Abgesehen davon, daß alle diese Aktivitäten von der Absicht zeugen, das alte Jahr festlich ausklingen und das kommende Jahr unter guten Vorzeichen beginnen zu lassen, haben solche Feste unmittelbar mit der historischen Entwicklung der Astronomie zu tun.

Nouruz als eines der wichtigsten traditionellen Feste im Nahen und Mittleren Osten ist trotz vieler historischer Umwälzungen immer am Leben gehalten worden. Auch in der islamischen Epoche – abgesehen von der Zeit der Umayyaden-Herrschaft (7.-8. Jhd.) – wurde Nouruz weiter gefeiert. Im Schiitentum versuchte der Klerus, dem Nouruz-Fest einen religiösen Aspekt zu verleihen. Es gibt Überlieferungen der schiitischen Imame, nach denen Gott die Menschen an diesem Tage erschaffen habe. Auch die Rückkehr des Propheten Muhammad von seiner letzten Pilgerfahrt nach Mekka (632), auf der dieser, der schiitischen Tradition zufolge, seinen Schwiegersohn Ali, den späteren ersten Imam der Schiiten, zu seinem Nachfolger ernannte, soll auf Nouruz gefallen sein.

Im Westen bekannt geworden ist das Fest erst im Zuge seiner politischen Umdeutung. Die Kurden in der Türkei durften Nouruz grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit feiern. Die offizielle Lesart versucht, die Festlichkeiten als “Frühlingsfest” zu marginalisieren. Der seit der islamischen Revolution 1979 im Iran bestehende religiöse Staat begegnet einigen Zeremonien des Nouruz-Festes, wie dem Feuerwerk am letzten Mittwoch des Jahres (Tscharschanbeh Suri) mit Mißtrauen und versuchte erfolglos, die Tradition abzuschaffen. Später tolerierte er sie halbherzig. Die junge Generation betrachtet die einzelnen Zeremonien als einen oppositionellen Akt gegen die Islamische Republik, weshalb es jedes Jahr zu Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften kommt.

(Text identisch mit Eintrag vom 21. März 2007)

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2 Responses to “عيد شما مبارك”

  1. In der Türkei ist seit einigen Jahren nicht nur eine Entspannung zu beobachten, sondern sogar, dass “Nevruz” positiv neu bewertet wird. Bereits vor fünf Jahren hat der damalige, eigentlich strikt kemalistische Staatspräsident Sezer anlässlich des Fests eine Glückwunschbotschaft verfasst, in der er hervorhebt, dass das Fest etwas die menschen der Region verbindendends darstellt. Dies hat er soweitz ich sehe, jährlich wiederholt.

    #52472
  2. Das iranische Regime versucht auch mal wieder zur Abwechslung, Nouruz als noble Tradition zu verkaufen und als Zeichen “historischer Verbundenheit” (mandegari-ye tarikhi) für sich zu vereinnahmen.

    #52474

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