Man dankt

Tuesday, May 19, 2009
Von Martin Riexinger

Da Hannes Stein heute auf meinen drei Jahre alten Raddatz-Verriss hinweist, revanchiere ich mich gern mit einem Hinweis auf sein köstliches, zwei Jahre altes Pendant:

Eine Zumutung ist Raddatz’ Buch vor allem seines Stils wegen. Kostproben: “In der Umkehrlogik der Narzissten wird die ,Freiheit des Andersdenkenden’ zum Mittel der Unterdrückung, so wie Luthers ,Freiheit des Christenmenschen’ die Analisierung des Judentums verlangt.” Wie bitte? Oder: “Es entsteht eine Umkehr-Realität mit religiösem Heilscharakter und einer eigenen Drehsprache.” Hä?

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5 Responses to “Man dankt”

  1. lebowski2

    “Warum lebten etwa die griechischen Juden unter der Osmanenherrschaft relativ sicher, wenn der Islam dermaßen mörderisch ist? Und warum hat man sie gnadenlos verfolgt, als die Griechen ihren christlichen Nationalstaat gründeten?”

    Wieso kam der Rassismus in Amerika erst nach der Befreiung der schwarzen Sklaven auf? Erst als die Schwarzen die gleichen Rechte wie die Weißen hatten, wurden sie für Weiße zu Bedrohung. Vorher waren sie einfach eine Sache, die man besaß.
    Ganz ähnlich wird es wohl in der Türkei gewesen sein, wo man die Juden als rechtlose Dhimmis in Frieden ließ, solange sie nicht “frech” wurden und die Unterwerfungsrituale befolgten.

    #52503
    • Ihre Logik versetzt mich immer wieder in Erstaunen. Halten Sie die Legitimation von Sklaverei mit Verweis auf angeblich angeborene Minderwertigkeit nicht für Rassismus?

      #52504
  2. lebowski2

    Gegenfrage: war der Römer, der sich in der Antike Haussklaven hielt, ein Rassist? Nach Ihrer Definition schon, oder gehe ich falsch in der Annahme?
    Rassismus setzt prinzipiell erst einmal Gleichheit voraus und erst dann kann man die Menschen auf Grund von biologischen, ethnischen oder sonstigen Eigenschaften diskriminieren.

    Sklavenhaltergesellschaften basieren auf Ungleichheit. Für sie ist der Begriff “Rassismus” völlig sinnlos. Ich rede nur vom Begriff “Rassismus”, denn natürlich ist in Sklavenhaltergesellschaften der Rassismus schon systemisch angelegt.

    #52505
    • q the Dude

      Neumann hat schon einen Teil meiner Argumente vorweggenommen. Sie haben die amerikanische Sklaverei ins Gespräch gebracht und dementsprechend habe ich mich darauf bezogen.

      Die antike Sklaverei wurde meines Wissens durch Glück/ Pech im Krieg legitimiert. In islamischen Gesellschaften wurde Sklaverei ebenfalls nichtn rassisitisch legitimiert, sondern mit dem Recht Gefangene, die beim جihād gemacht wurden, zu versklaven. Protorassistisch, das heißt auf “Rasse”-vorurteilen aber nicht einer elaborierten Ideologie, beruhte hingegen die Ungleichbehandlung kaukasischer und schwarzer Sklaven. Wegen der ökonomisch von wenigen Ausnahmen abgesehen geringen Bedeutung der Sklaverei, können die vormodernen islamischen Gesellschaften jedoch nicht als Sklavenhaltergesellschaften bezeichnet werden.

      @ NN

      In Großbritannien selbst wurde die Sklaverei bereits 1772 infolge eines (missverständlichen) Gerichtsurteils nicht mehr geduldet.

      #52509
  3. N. Neumann

    Sklavenhaltergesellschaften basieren auf Ungleichheit. Für sie ist der Begriff “Rassismus” völlig sinnlos.

    Kommt schon drauf an, wie die Sklaverei jeweils legitimiert wurde.

    Dass der Rassismus in Amerika erst nach der Befreiung der schwarzen Sklaven aufkam, ist z.B. Bullshit. Dem “Nigger” wurden unabänderliche Negativeigenschaften zugeschrieben, seine Leibeigenschaft wurde größtenteils anders legitimiert als diejenige in Europa, welche – grosso modo – Ende des 18. Jhd. aufgehoben wurde. Hier waren es mehr die Positiveigenschaften des Adels, mit der diese Form der Sklaverei legitimiert wurde. Das eine ist mehr Ressentiment, das andere mehr Dünkel.

    Ich rede nur vom Begriff “Rassismus”, denn natürlich ist in Sklavenhaltergesellschaften der Rassismus schon systemisch angelegt.

    Der Rassismus war in der Römischen Gesellschaft schon systemisch angelegt?

    Wieso galten hier freigelassene Sklaven als solche in der Regel nicht als Unding oder Bedrohung für die Gesellschaft, obwohl Ungleichheit rechtsförmig verankert war?

    Rassismus setzt prinzipiell erst einmal Gleichheit voraus und erst dann kann man die Menschen auf Grund von biologischen, ethnischen oder sonstigen Eigenschaften diskriminieren.

    Rassismus setzt zuallererst die Zuschreibung unabänderlicher (Negativ)Eigenschaften voraus. Völlige Gleichheit vor dem Recht bzw. das Streben danach in der Gesellschaft ist keine notwendige Bedingung dafür, um (als Reaktion) in diesem Sinne ein Rassist zu sein.

    So steht zu bezweifeln, ob z.B. das völlige Verbot der Sklaverei in Großbritannien (so 1830) zuvörderst oder nur auf Gleichheit oder dem Gedanken derselben beruhte. Eine (noch) ständisch geprägte Gesellschaft, in der soziale Unterschiede teils rechtsförmig verankert waren, beruhte eher weniger auf Gleichheit. Eher bestand Konsens darüber, dass auch Individuen aus niederen Ständen basale Rechte zukommen. Gleichheit im zeitgenössischen, liberaldemokratischen Sinne war es noch nicht.

    Sofern Sklaverei schon vor Beginn/Mitte des 19. Jhd. in erster Linie mit unabänderlichen Negativeigenschaften von versklavten Individuen begründet wurde, war sie auch rassistisch. Das bliebe jeweils durchzuprüfen. Ich denke jedenfalls nicht, dass die Existenz des Begriffs die Voraussetzung für die Existenz des Phänomens ist oder das Phänomen in elaborierter, rassetheoretischer Form ausagiert werden muss.

    #52506

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