Reaktionen auf Obamas Rede: Türkei
Die eigentliche Zielgruppe der “Rede von Kairo” seien die sogenannten moderaten Islamisten, etwas die AKP, gewesen, meint der französische Nahostexperte Gilles Kepel im Chat von “Le Monde”. Ein Grund sich anzuschauen, wie Obamas Ansprache in diesem Milieu aufgenommen wurde.
In der Türkei ist das Bild uneinheitlich. In “Zaman” meint der “Neue islamische Intellektuelle” Ali Bulaç, Obama knüpfe an Napoleon an, der bei seinem Feldzug in Ägypten den Muslimen versichert habe, er wende sich allein gegen die Herrschaft der Mamluken[1]. Von ihrer Religion wolle er sie keineswegs abbringen. Ayşe Böhürler beginnte ihren Kommentar in der regierungsnahen “Yeni Şafak” mit lobenden Worten. Sie sieht als Ziel der Rede, die Öffentlichkeit von einer Zweistaatenlösung zu überzeugen. Er sei aber der Frage des Rückkehrrechts ebenso ausgewichen, wie der Frage, wie eine Verbindung zwischen den “Freiluftgefängnissen” Gazastreifen und dem Westjordanland hergestellt werden solle. Allerdings sei zu beobachten, dass wo immer Obama auftrete die Sympathiewerte für die USA steigen. Resul Tosun erklärt im gleichen Blatt Obama zum Wirrkopf (kafası karışık) weil er den Besetzer Israel und das bestetzte Israel auf die gleiche Stufe stelle. Indem er erkläre “einige Palästinenser unterstützen die Hamas” würdige er die demokratische Entscheidung der Palästinenser herab. Als lobenswertes Beispiel für wahren Laizismus hebt er hingegen hervor, dass Obama aus alten und Neuem Testament sowie dem Koran zitiert habe. Außerdem imponiert ihm, dass Obama Innovation und Bildung statt Öl zur Währung des 21. Jahrhunderts erklärt.
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Nachtrag: Taha Akyol, der Quotenkonservative bei “Milliyet” meint, dass Obama sich am angelsächsischen Säkularismusmodell orientiere, dass der Religion einen Raum in der Öffentlichkeit zugestehe. Es habe einen “weichen” sozialen Wandel ermöglicht und so der ökonomischen Entwicklung Vorschub geleistet, während das frannzösische Modell (das die Kemalisten übernommen haben, M.R.) zu schweren Kämpfen geführt habe, die wirtschaftliche Stagnation nach sich zogen. In Sachen Palästina ist Obama auch für Akyol nicht weit genug gegangen (wird aber nicht spezifiziert).
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Nachtrag: Bei Milli Görüş sieht man nur finstere Täuschungsabsichten. Mustafa Özcan schreibt in der “Milli Gazete” unter der Überschrift “viel Diagnose, wenig Therapie, dass bereits Lord Curzon zu Beginn des letzten Jahrhunderts behauptet habe, dass Großbritannien das größte islamische Land sei, um seine imperialistischen Bestrebungen zu verschleiern.
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Nachtrag 9.6.2009
Nach ein paar Tagen Bedenkzeit sieht Fatma K. Barbarosoğlu in “Yeni Şafak” vor allem Obamas Selbststilisierung als Weltherrscher, während sie konkrete Aussagen vermisst.
- Mit dieser Einordnung nicht hingegen mit der positiven Bewertung ist er sich mit Martin Kramer einig. 09.06.2009 ⇧

