Das Gesicht der Islamischen Republik
Wenn der iranische Botschafter zu einer Diskussionsrunde eingeladen wird, in der kein einziger Oppostioneller zu Gast ist, dann, so möchte man meinen, hat er leichtes Spiel. Unser Lieblingssender “Phoenix” jedenfalls hat es fertiggebracht, durch geschickte Auswahl der Gäste den Botschafter in Watte zu packen:
Michael Tockuss von der Deutsch-Iranischen Handelskammer war sichtlich bemüht, die Ereignisse im Iran als Hungerrevolte herunterzuspielen und forderte entschlossen ein Eingreifen der deutschen Wirtschaft, um das System zu stabilisieren;
zu Mohsen Massarrat, der gegen Ahmadi-Nejad ist, aber keine Äusserung von sich gibt, die Misstrauen gegen das Regime (”halb-demokratisch”) wecken könnte, haben wir schon das nötigste gesagt;
der Journalist Lüders, zuverlässig auf Gemeinplätzen zuhause.
Einzig der Aussenpolitiker Eckart von Klaeden bot einen erfreulichen Lichtblick in der Diskussion.
Soweit, so schlecht. Und dennoch ist die Sendung (Videostream) sehenswert. Und zwar einzig wegen des Botschafters Ali Reza Sheikh Attar. Ich habe wohl noch nie auf dem Bildschirm einen Politiker oder Diplomaten gesehen, der so augenscheinlich viel Mühe hatte, seine Nervosität zu unterdrücken – einen Diplomaten, dem spätestens nach der Hälfte der Sendung die bestenfalls moderate Kritik am Wahlausgang deutlich zu schaffen machte!
Dieser nervöse, krächzende, hilflos wirkende Mann ist das Gesicht der Islamischen Republik.
Bild: Phoenix.de
–––

Ich habe heute von einem anderen Erlebnis mit Vertretern des iranischen Außenministerium gehört, dass mich sehr überrascht.
Ein deutscher Bekannter mit iranischem Ausweis war Anfang letzter Woche in Islamabad in der iranischen Botschaft, um ein Visum für seine Frau zu beantragen. Dort traf er den Botschafter, mit dem er schon häufiger zu tun hatte. Dieser fragte ihn, ob er am Freitag denn wählen würde, schließlich habe er ja noch den iranischen Pass. Mein Kollege meinte vorsichtig, dass der Alternativkandidat zum Amtsinhaber ja keine Chance hätte, weswegen er sich das mit der Wahl noch einmal überlegen würde. Daraufhin entgegnete His Excellency ganz aufgebracht: „Nein, bitte kommen Sie! Wir benötigen jede Stimme für Mussawi!“ Auf Nachfrage, ob dies denn allgemeine Meinung des Außenministeriums wäre oder warum Herr Shakeri so offen vor allen Kollegen eine solch undiplomatische Aussage treffen würde, meinte dieser lapidar: „Ja, so denken fast alle in unserem Ministerium.“
Danke für den TV-Tipp,
hatte ich verpasst.
was Eckart von Klaeden sagt, hat meistens Hand und Fuß.
Ansonsten kann man ja vorspulen – besonders bei Lüders und Tockuss. Mich wundert nur, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht endlich einmal die verhältnismäßig geringe Anstrengung unternehmen, unvoreingenommene Fachleute einzuladen. Vielleicht ist man schlicht zu faul dafür.