Volksaufstand im Iran (11)

Friday, June 26, 2009
Von Michael Kreutz

Frische Links, Folge 11

Leben in der Diktatur. “Wer nun solche Phänomene wie die hohe Anzahl an Schönheitsoperationen im Iran als oberflächlich und amerikanisiert belächelt hat, sollte spätestens jetzt begreifen, dass dies Elemente waren und sind, die nicht mit dem herrschenden Regime konform gehen und damit eine Form von Widerstand darstellen.” taz

Staatsgewalt I. Statistiken über die jüngsten Opfer des Regimes. International Campaign für Human Rights in Iran

Bassidjis schiessen vom Dach auf die Menge:

Staatsgewalt II. “Jede Nacht kommen die Bassij mit Hizbullah-Flaggen.” Menschen aus dem Iran melden sich zu Wort. FAZ

Solidarität. Deutsche 68er unterstützen iranischen Protest. taz

Informationskrieg. Ahmadi-Nejad und die Medien. Tehran Bureau

Tod dem Diktator. Historischer Moment auf dem Baharestan-Platz, Teheran. Rooz (Per.) (s. dazu 2. Video unten)

Unbelehrbar. “Das Regime hat noch eine Basis bei den ärmeren Schichten in den Städten und in der Provinz.” Sagt wer? NRZ (Hintergrundinfo)

Bassidjis und Polizei gegen das iranische Volk:

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3 Responses to “Volksaufstand im Iran (11)”

  1. Besonders lesenxwert in der TAZ auch Jan Feddersen:

    Vor 30 Jahren waren es gerade viele autonome Linke, die sich am Rausch der religiösen Machtübernahme in Teheran delektierten. Ihnen war der Religionsmob als Projektionsfläche eigener Entgrenzungssehnsüchte gerade recht. Und ihr wichtigster Theoretiker war Michel Foucault. Er war der Stichwortgeber einer hemmungslosen Linken, die alle westliche Zivilisation ästhetisch hasste. Sie wollten Tabula rasa – und Foucault spielte ihnen in die Karten. Dessen theoretisches Werk heizte eine Weltanschauung an, in der alle Ordnung schlecht ist, alle Zivilisation, die westliche vor allem, Lug und Trug. Foucault verachtete den Kampf um Liberalität und Bürgerrechte, hielt Minderheitenschutz für albern, weil er lediglich der Herrschaft als solcher diene.

    Den Iran und die die weltliche Macht übernehmenden Ajatollas interpretierte Foucault als spirituelles Pflaster, als Verkörperung des Antipolitischen, und das verstand er tatsächlich als Kompliment. Die iranische Revolution war für einen wie Foucault – und Millionen seiner lesenden Kader – eine rauschhafte Quelle der Entgrenzung zivilisatorischer Fortschritte. In der Zerstörung des Säkularen sahen sie das Symbol der ihnen lästigen Folgen bürgerlicher Aufklärung, der Gewaltenteilung, der grundsätzlichen Kühle von staatlichem Handeln überhaupt. Foucault und die Seinen wollten ausdrücklich eine Welt, in der sich Volk auf Hitze und Hysterie reimt, in der alle Differenzierung nicht mehr gilt – die ideologisch delikate Nähe zu völkischem Gedankengut war und ist ganz offenkundig.

    #52583
  2. Sehr schön, lesenswert.

    Danny Postel weist übrigens in seinem Buch “Reading Legtimitation Crisis in Iran” (70) mit Bezug auf Afary/Anderson auf ein hübsches Paradoxon im Denken von Foucault hin: “The notion that Iranians think with one mind was quintessential orientalism.”

    #52584
  3. Von Feddersen bin ich zwar schwachsinniges gewöhnt, aber euer Foucault-Bashing ist übertrieben.
    Und übrigens:

    “Ich ziehe es vor, wie einst Horkheimer die naive und etwas fiebrige Frage zu stellen, ob diese Revolution denn wirklich so wünschenswert sei.

    Michel Foucault, Analyltik der Macht, a.a.O., S. 176

    #52585

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