Zehn Jahre Mohammed VI.

Saturday, August 1, 2009
Von Martin Riexinger

Kürzlich hat sich der Regierungsantritt von König Mohammed VI. von Marokko zum zehntenmal gejährt. Einen interessatnten Überlick über die gravierenden Veränderungen in diesem Zeitraum bietet eine Serie des Nachrichtenmagazins “Telquel”.

Im ersten Teil wird dargestellt, wie Mohammed die Selbstdarstellung der Monarchie veränderte. Der auffälligste Unterschied zu seinen Vorgängern ist, dass seine Frau in der Öffentlichkeit auftritt. behandelt wird auch die Alltagskultur wie das Vordringen des Dialekts (darīja) in den Medien, die erfolgreichsten Filme und der Niedergang des Sports.

Im zweiten Teil wird die Selbstdarstellung von Mohammed als Demokrat in Frage gestellt. Zwar werde nicht mehr systematisch gefoltert wie unter seinem Vater. Aber letztlich hält der König politisch alle Zügel in der Hand. Treten bestimmte Parteien oder Medien dann doch zu keck, werden sie eingeschüchtert.

Das größte Problem kommt im dritten Teil zur Sprache: der enorme wirtschaftliche Einfluss des Königs. Angeblich erwirtschaften die Firmen in seinem besitz 6% des marokkanischen BSP, während die Konzerne des viel gescholtenen Berlusconi nur 0,4% des italienischen erwirtschaften. Gleichwohl kommt “Telquel” nicht umhin zu konzedieren, dass Marokko in den letzten Jahren erheblich weiter entwickelt hat: Das jährliche Wirtschaftswachstum hängt nicht mehr davon ab, wie die Ernte ausfällt.

Im vierten Teil wird thematisiert, dass Mohammed VI. auch das religiöse Oberhaupt der marokkanischen Muslime ist. In dieser Funktion hat er sich dem Ziel verschrieben, den islamismus zu bekämpfen. Dies drückte sich in der Ernennung eines Sufis statt eines Gelehrten zum Minister für religiöse Angelegenheiten aus. Nach dem 11. September und den Anschlägen in Casablanca 2003 wurde gegen extremistische Literatur, die bis dahin ungehindert aus Saudi-Arabien nach Marokko importiert worden war, vorgegangen. Momentan richtet sich der Kampf vor allem gegen den Versuch Irans auf Marokko Einfluss zu nehmen. Der marokkanische Fernsehsender, der zur Bekämpfung von extremistischem Gedankengut gegründet wurde, stieß jedoch auf Deinteresse. Die wichtigste Reform war aber sich die “Moudaouana”, das neue Familienrecht von 2003, in dem die Rechte der Frau erheblich gestärkt werden, etwa indem sie nun eine Scheidung beantragen können.
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Nachtrag

Als ich diesen Text tippte, wunderte ich mich, warum, heute nicht wie samstags üblich die aktuelle Ausgabe von “Telquel” ins Netz gestellt wurde. Gerade habe ich gelesen, dass die aktuelle Nummer und auch die neuste Nummer des arabischen Schwestermagazines “Nichane” beschlagnahmt worden sind. Grund: eine Umfrage über Mohammed VI.

Für seine Umfragewerte bräuchte der Monarch sich nicht einmal schämen: 91 % ziehen eine positive Bilanz, 53 % meinen er habe das Land erheblich reformiert. Aber allein die Frage nach der Bewertung des Königs zu stellen, bleibt eben ein kleines Sakrileg.

Am Montag will “Le Monde” die Ergebnisse en détail veröffentlichen.
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Nachtrag 03.08.2009

Hier die offizielle Stelllungnahme von “TelQuel”. Le Monde berichtet:

Bien que ce sondage soit favorable au roi Mohammed VI qui a fêté le 30 juillet ses dix premières années de règne, le ministre de la Communication Khalid Naciri a déclaré samedi à l’AFP que “la monarchie au Maroc n’est pas en équation et ne peut faire l’objet d’un débat même par voie de sondage”.

“Si Le Monde publie ce sondage (dans édition datée de mardi, ndrl) il ne pourra être mis en vente au Maroc, c’est une question de cohérence”, a affirmé M. Naciri.

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