Eine unerwünschte gute Idee
Morgenpostkolumne 30. August 2009
Immer wenn ich morgens meine E-Mails auf dem Computer abrufe, gibt es nicht nur Grüße von der Familie oder von Freunden, Hinweise auf Veranstaltungen und Ausstellungen, Schriftstücke aus dem Landtag oder der Parteizentrale, sondern auch unerwünschte Mails, deren Absender alle nur mein Bestes wollen, nämlich mein Geld. Da sollen Kontakte vermittelt werden und dazu ergänzend werden gleich Potenzmittel angeboten.
Aus Mosambik bietet mir ein Millionär an, mich an seinen schwarzen Millionen zu beteiligen. Dazu braucht er nur meine Kontonummer und den Zugang zum Konto. Klar! Oder ich bekomme ein angebliches Mahnschreiben von meiner Bank, dass mein alter Online -Zugang gesperrt sei und ich umgehend die alten Daten zurück übermitteln solle, damit ich dann die neuen Daten erhalten könne. Nachtigall, ick hör dir tapsen! Wenn ich das tun würde, wäre mein Konto wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit abgeräumt.
Wobei der Satz, dass Blödheit bestraft werden muss, dann auch nicht gerade tröstlich wäre.
Also ignoriere ich all die tollen unerwünschten Spam-Angebote. Nach neueren Studien verbrauchen 62 Billionen solcher Spam-Mails jährlich zirka 33 Milliarden Kilowattstunden Energie sowie 100 Milliarden Stunden Arbeitszeit zum Sichten und Löschen der Spam-Mails. Da bin ich noch ganz gut dran.
Aber jetzt bekam ich aus einem Email-Verteiler eine Mail, deren Inhalt mich doch sehr interessierte. “Die Retter und Ambulanzfahrer haben bemerkt, dass bei Straßenunfällen die meisten Verletzten ein Mobil-Telefon bei sich haben. Bei den Einsätzen weiß man aber nicht, wer aus diesen langen Kontaktlisten zu kontaktieren ist. Ambulanzfahrer haben also vorgeschlagen, dass jeder in seine Kontaktlisten die im Notfall zu kontaktierende Person unter demselben Pseudo einträgt. Das international anerkannte Pseudo ist: ICE (In Case of Emergency).”
Unter diesem Namen sollte man die Person eintragen, welche im Notfall durch Polizei, Feuerwehr oder erste Hilfe anzurufen wird. Leicht, kostet nichts, kann aber viel bringen. “Bitte diese Meldung weiterleiten, damit dieses Verfahren üblich wird!” Unter der Mail war die Adresse und Telefonnummer eines Ersten Polizeihauptkommissar aus einem Polizeipräsidium angegeben.
Ich schrieb ihn an, um zu erfahren, ob die Retter und Ambulanzfahrer dieses denn auch schon wüssten. Ein wenig verlegen schrieb er zurück, er habe diese Mail auch nur zugesendet bekommen und ein übereifriger Kollege hätte sie mit seinem Namen und seiner Adresse versehen über verschiedene Email-Verteiler versendet. Jetzt kurven sie um die Welt.
Eigentlich schade! Denn die so verbreitete Idee ist eigentlich gut. Oder?
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