Freunde der niederländischen Toleranz
Wenn man Inhaber einer Professur in Oxford ist, als gefragter Redner lukratives Konferenz-Hopping betreibt, zwischendurch Gastprofessuren bestreitet und dazu eine Fernsehshow moderiert, dann hat man am Monatsende wohl ein hübsches Sümmchen auf dem Konto, sodass es wie die Faust aufs Auge passt, angesichts dessen ausgerechnet gegen den vermeintlichen Materialismus des Westens publizistisch zu Felde zu ziehen.
Für einen Kommentator der FAZ ist das nun Anlass, an die traditionelle Toleranz der Niederlande zu erinnern, in das einst Gelehrte wie René Descartes kamen, “weil sie im autoritären Resteuropa verfolgt wurden.” Denn “Amsterdam mit seinen Druckereien war vor und in der Aufklärungszeit der sichere Hafen für alles kontroverse Gedankengut, vor allem in Religionsfragen. Die Erasmus-Universität setzt in ihrem Selbstverständnis diese Tradition der niederländischen Toleranz fort.”
Heute freilich ist es nicht mehr das “autoritäre Resteuropa”, vor dem Gelehrte fliehen, sondern die autoritäre Theokratie, die über den Iran und seine Bevölkerung herrscht und Exilanten in hoher Zahl produziert. In deren freiwillige Dienste hat sich Tariq Ramadan gestellt, weswegen es reichlich unpassend anmutet, diesen zum Verfolgten zu machen, gar mit Descartes in eine Tradition zu stellen. Seiner Popularität aber wird es förderlich sein und die nächste Gastprofessur wartet bestimmt.
Es ist übrigens nicht so, dass es zu Ramadan keine Alternative gäbe. Leute wie Abdelwahhab Meddeb jedenfalls dürften für den Islam die weitaus grössere Hoffnung sein.
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Der Feuilletonfazist Schümer ist mir auch aufgefallen, er ist nicht der erste seiner Art (Hier der Link zum FAZ-Artikel). Herr Medded dagegen ist eine wahre Freude – ohne hidden agenda muss man eben nicht schwafeln.
@M.Möhling
ohne hidden agenda muss man eben nicht schwafeln.
Tja das erklärt die immer langen Wortinszenierungen von Möhling. Sie erkennen ihresgleichen nicht wahr
[...] Dirk Schürmer, FAZ – der kommentiert die Entlassung des Islamisten Tariq Ramadan durch die Rotterdamer Universität in Folge seiner Tätigkeit für die iranische Propaganda und beklagt, die Niederlande verlören ihre Toleranz. Dafür setzt er Ramadan auf eine Stufe mit Gelehrten wie René Descartes, die früher aus den totalitär-autoritären Herrschaftsgebieten europäischer Landesherren ins tolerante Holland flohen, um dort ihren Gedanken freien Lauf lassen zu können. Das Ramadan im Gegensatz zu den Exil suchenden freiheitlichen Freidenkern für Totalitäres und Unfreiheit steht (was viele, viele immer noch nicht begreifen wollen), statt für Freiheit des Denkens und Lebens und nicht vor totalitären Regimen flieht, geht dem Mann nicht auf. (Bezeichnenderweise ist der Kommentar denn auch auf quantara.de veröffentlicht worden – die linke Truppe geriert sich ja genauso freiheitsfeindlich.) [...]
Schümer behauptet in seinem Artikel, Ramadan habe die Niederschlagung des Studentenaufruhrs scharf kritisiert. Auf seiner Website zumindest findet man nichts hierzu.