Islamische Wirtschaft

Thursday, September 17, 2009
Von Martin Riexinger

Wirtschaftsskandal im Libanon: Einen Schaden zwischen 700 000 und einer Milliarde $ soll Salah Ezzedine angerichtet haben:

“It’s a disaster, a tsunami,” he said. “Some farmers mortgaged their fields and brought in cash. Others sold land they had inherited from their parents. Teachers gave up all their savings. Old people lost everything they had.”

Opfer der Pyramidengeschäfte des “libanesischen Bernie Madoff” sind vor allem Schiiten aus Beirut und dem Süden des Landes, die ihm ihr Geld aus einer Mischung von illusorischen Gewinnerwartungen und politischer Loyalität zur Hisbollah anvertrauten:

Many of the investors — mostly Shiites living in Beirut and southern villages like this one — say those party links were the reason they chose to risk their hard-earned savings with a man who offered 40 and 50 percent profits but never showed any paperwork.

Die Hisbollah versuchte sich zunächst aus der Verantwortung zu stehlen:

Hezbollah’s general secretary, Hassan Nasrallah, denied in a speech last week that the party had any official connection with Mr. Ezzedine. But a few days later, during a Ramadan dinner with Hezbollah supporters where he appeared by video link, Mr. Nasrallah conceded that the party would in practice be held responsible, and said it was setting up a “crisis network” to assess each investor’s losses. Several Hezbollah officials lost money, and at least one has filed suit against Mr. Ezzedine.

There have even been calls for Hezbollah to compensate the investors. So far, the party has said it will not do so, and it is easy to see why. The losses among southern Shiites alone run into the hundreds of millions, and Hezbollah is still struggling to rebuild the houses destroyed during its devastating monthlong war with Israel in 2006.

Prinzipiell ist natürlich alles zu begrüßen, was der Hisbollah schadet. Ob allerdings dieser Vorfall einen reflexionsprozess auslöst, darf zumindest angesichts einer Antwort die NYT-Rporter Worth von einem Interviewpartner erhielt, getrost bezweifelt werden:

“All this happened because of the United States and Israel,” Mr. Fneish added, echoing a refrain that springs easily to people’s minds here. “When they discovered that Ezzedine was close to Hezbollah, they ruined him.”

Dieser Vorfall ist jedoch über den Libanon hinaus ein Lehrstück, wird doch wegen der Finanzkrise “islamisches Wirtschaften als Alternative zum Kasinokapitalismus angepriesen (1, 2). Vor diesem Hintergrund sollte darin erinnert werden, dass vor allem im Umfeld von Milli Görüş angepriesene “islamkonforme” Gewinnbeteiligungen auch für den größten Anlageskandal der deutschen Geschichte verantwortlich sind, der der Öffentlichkeit jedoch weitgehend verborgen blieb:

In Hunderten von Gerichtsprozessen klagen türkische Anleger in Deutschland derzeit auf Rückzahlung ihrer Lebensersparnisse. Insgesamt betroffen sind zwischen 200.000 und 300.000 Deutschtürken, die Ende der neunziger Jahre ihr Geld in türkische Holdinggesellschaften investierten. Versprochen wurden ihnen Gewinne von bis zu 40 Prozent. Doch auf die warten die Anleger bis heute ebenso vergeblich wie auf die Rückzahlung des angelegten Kapitals.

Das gilt nicht nur für die 120.000 Anteilseigner der Yimpas-Holding. Auch die zweitgrößte Gesellschaft Kombassan mit etwa 35.000 Teilhabern zahlt kein Geld mehr aus. Und die Fantasie-Firma Jet-Pa, die einst eine halbe Milliarde Euro einsammelte, ist gänzlich pleite. Was aus den anderen, sehr viel kleineren Holdings geworden ist, die »nur« ein paar Millionen eingesammelt haben, ist völlig unklar. Ihre Websites im Internet existieren nicht mehr, die Telefone sind abgemeldet, die Ansprechpartner verschwunden. Wie viel Geld die Deutschtürken genau verloren haben, weiß niemand. Das Zentrum für Türkeistudien in Essen aber schätzt die verlorenen Lebensersparnisse auf fünf Milliarden Euro.

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