Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?

Thursday, October 15, 2009
Von Martin Riexinger

Der britische Think Tank “Centre for Social Cohesion” hat Robin Simcox’s Studie mit dem unübersetzbaren Titel “A Degree of Influence” publiziert. In ihr gehen die Autoren dem zunehmenden Einfluss ausländischer Geldgeber auf britische Universitäten nach. Zwei Fachbereichen widmen sie besondere Aufmerksamkeit: Den Nahost- und den Ostasienwissenschaften.

Besonders die Regierungen der Golfstaaten und Einzelpersonen aus diesen Ländern tun sich mit großzügigen Stiftungen an den Eliteuniversitäten hervor. Problematisch ist daran bereits, dass viele der Vereinbarungen, mit denen dies geschieht, nicht publik gemacht werden. Bei mit Stiftungsgeldern gegründeten Instituten und Zentren sitzen Vertreter der Stifter in den Aufsichtsräten. Hieraus resultiert die Gefahr, dass über Berufungen und auf anderem Wege Einfluss auf die Inhalte von Forschung und Lehre genommen wird.

Auf ein besonders fragwürdiges Beispiel, das von der Herrscherfamilie Dubais finanzierte “al-Maktoum Institute for Arabic and Islamic Studies” in Dundee, habe ich bereits vor drei Jahren hingewiesen. Dort kann man einen Master in Islamicjerusalem (sic) Studies erwerben[1]. Problematisch ist weiterhin, dass auf diesem Wege an einigen Universitäten Qualitätsstandards aufgeweicht wurden, da ein moralischer Zwang besteht, Studenten, die im Rahmen von Stipendienprogrammen an die jeweiligen Universitäten gekommen waren, trotz unzureichender Leistungen durchkommen zu lassen. Kritisch ist allerdings anzumerken, dass Simcox sich beim Nachweis extremistischer Verstrickungen keine besondere Mühe gegeben hat. Als Belege dienen meist Berichte aus der Tagespresse.

China preist den Universitäten Konfuzius-Institute an, die vorgeblich der Sprachausbildung dienen sollen. Diese wird aber weitgehend der Kontrolle durch die Universität entzogen. Dieses Vorgehen zieht des Weiteren die Gefahr nach sich, dass eine kritische Auseinandersetzung mit chinesischer Politik nicht mehr ratsam erscheint.

Dafür, dass solche Stiftungen auch Positives bewirken können, findet sich bei Simcox ebenfalls ein Beispiel (S. 114):

In 2003, the university received £1 million from two donors, one of which was
anonymous. It is known that the second donor was the MBI Al Jaber Foundation. The money is intended to fund a scholarship programme that aims to ‘bring together Israeli and Palestinian students in a course of study’. Mohamed bin Issa Al Jaber, chairman of the MBI International group, called the scholarship an ‘important programme…in line with our consistent and longstanding commitment to democracy and the regional peace process’.
The programme began in 2003 and, according to the MBI website, aims to ‘bring together some 20 Palestinian and Israeli students taking degrees in business, finance, law and other studies at the University’ as well as ‘a broad programme of cultural and social activities aimed to encourage dialogue and understanding’. The scholarship is also advertised as available to those taking journalism within the School of Arts department.

_____________

Nachtrag 15.10.2009

Zu den “Konfuzius Instituten” findet sich heute ein kritischer Artikel in der TAZ.


  1. http://www.almi.abdn.ac.uk/cmsimages/media/pdfs/IJS%20web%20link.pdf
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12 Responses to “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?”

  1. Hab’s mal gegoogelt:

    isra.org.uk:

    Islamicjerusalem is a new terminology for a new concept, which may be translated into the Arabic language as Bayt al-Maqdis. It can be fairly and eventually characterised and defined as a unique region laden with a rich historical background, religious significances, cultural attachments, competing political and religious claims, international interests and various aspects that affect the rest of the world in both historical and contemporary contexts. It has a central frame of reference and a vital nature with three principal intertwined elements: its geographical location (land and boundaries), its people (population), and its unique and creative inclusive vision, to administrate that land and its people, as a model for multiculturalism.

    almi.abdn.ac.uk:

    Al-Maktoum Institute: Diverse Thinking for Today’s World

    Islamic StudiesIslamicjerusalem Studies Multiculturalism  Muslims, Globalisation, and the WestIslamic Education

    Draufklicken lohnt sich – “Research and studies at Al-Maktoum Institute are designed as postorientalist, posttraditionalist, and multicultural, the approaches are interdisciplinary and
    multidisciplinary;” “MLitt, PhD in Multiculturalism”
    . Alles nur E. Saids feuchter Traum? Kaum – noch Kür, bald Pflicht, der Wahnsinn hat sowas von Methode. Als alter Alarmist mach’ ich schon mal ‘nen roten Link für später.

    #52710
  2. Mist, Format verrutscht. Geben sie <ul> und <ol> Freiheit, Sire, und gönnen Sie uns Dummies eine Vorschau, um das Schlimmste zu vermeiden.

    #52711
  3. Bitte keine moralische Panik – wordpress is your friend, so sehen die Links im Quelltext aus, sehense ruhig nach:

    <a href=”http://www.isra.org.uk/english/IJ.html” rel=”nofollow”>isra.org.uk</a>

    Das Attribut rel mit dem Wert nofollow verhindert in allen Links auf dieser Seite die Weitergabe von Pagerank, es sein denn, Sie löschten es – erwarten Sie von IT-bewanderten Lesern bitte stets nur das Beste, so wie wir auch stets nur Ihr Bestes im Sinn haben. Wenn die Schöne nicht willig ist, nehmen wir es uns natürlich mit Gewalt – wenn the going get’s tough, the tough get going, Ehrensache. Darüber hinaus gälte für Aufklärung ohne die notwendige Butter beie Fische übrigens die Programiererspruch von der security by obscurity – ein Prinzip, von dem wir abraten.

    Nebenbei – für obige Unerhörtheiten gilt: it can’t happen here. Wir haben einen Innenminister, der sich mit solchen Gestalten unter keinen Umständen ins Benehmen setzen würde.

    #52714
    • Mist, ich schrieb zuerst von der Programiererweisheit, habe das aber geändert, da Weisheit uns niederem Geschnetz kaum gegeben ist.

      #52715
    • Das Al-Maktoum Institute for Applied Obscurantism wurde übrigens unter Mithilfe von Lord Watson of Invergowrie, Labour MSP, gegründet. Whowouldhavethunk.

      #52716
      • Offensichtlich einer, der selbst Labour zu peinlich ist:

        He was expelled from his party on 22 September 2005 following his conviction and imprisonment for fire-raising. He now sits as an Independent Labour member of the House of Lords and is an Associate Director of the Edinburgh public affairs and communications company Caledonia Consulting.

        #52718
    • Danke für Laienbelehrung!

      Wir haben einen Innenminister, der sich mit solchen Gestalten unter keinen Umständen ins Benehmen setzen würde.

      Genau. Der bittet Sie, sich ein dutzendmal mit Frau Kelek an einen Tisch zu setzen, und gibt ihnen erst keinen Körperschaftsstatus.

      #52717
  4. > Offensichtlich einer, der selbst Labour zu peinlich ist

    Ja, allerdings wegen tatsächlicher, nicht wegen politischer Brandstiftung. Damit wird man bei Labour OB in London oder Premierminister. Dann darf man auf Kosten des Steuerzahlers mit Herrn al-Qaradawi plauschen oder mit dem MCB den Bock zum Hüter des polykulturellen und multimorphen Paradiesgärtleins machen.

    > Der bittet Sie, sich ein dutzendmal mit Frau Kelek an
    > einen Tisch zu setzen, und gibt ihnen erst keinen
    > Körperschaftsstatus

    Was nicht im Entferntesten am Innenminister liegt, sondern an der Unfähigkeit der Türk- und Islamfaschisten, sich in Machtfragen zu einigen, dem Unwillen, todeswürdige alevitische Ketzer aufzunehmen und dem Unvermögen, mehr als knappste 10% der deutschen Muslime für sich zu interessieren.

    Wahrscheinlich haben sie sich Frau Keleks Mahnungen sehr zu Herzen genommen und sich deswegen mit Absicht blöd angestellt. Sie schämen sich jetzt ihrer selbst und wollen erst ein bisschen demokratisch reifen – die ganzen Antisemiten und Islamisten loswerden, das geht ja nicht von heute auf morgen. Die lesen jetzt fleißig das Transatlantic Forum und genesen an dessen Wesen. Der Schäuble, ein Fuchs – und Riexinger ist sein Prophet.

    So, jetzt muss ich ins Bett zwecks Schönheitschlafs, damit ich unserem Tag der polykulturellen und multimorphen Einheit eine rechte Zierde bin. Erst zum Brandenburger Tor und dann in die Moschee? Oder umgekehrt? Wenn ich nicht beides schaffe, dann nehme ich mir zum Tor einfach einen Teppich mit und erklage mir einen Gebetsraum im Eilverfahren wg. Gefahr in Verzug. Nicht dass ich böse werden muss.

    #52719
    • Was nicht im Entferntesten am Innenminister liegt,

      Möhling, Möhling, natürlich doch, weil er an den Kriterien festhält, gewisse Standards einfordert etc.

      Was die ASleviten angeht, so bezweifle ich, dass jene mit DİTİB, ZDM, VIKZ, Islamrat in einen Topf geworfen werden wollen. Das wäre in Sachen Körperschaft aber auch nicht das Problem, dann machen die halt nicht mit oder bekommen ihren eigenen Verein.

      #52720
      • Schön, dass er gewisse Standards einhält, wenn er gemeinsamen mit Islam- und Türkfaschisten unsere Zukunft gestaltet. Man stelle sich vor, er würde die Jungs so ganz ohne mahnenden Zeigefinger als Sprecher der Muslime aufwerten – nicht auszudenken, mir wird ganz blümerant.

        #52727

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