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	<title>Comments on: Kritik der Orientalismuskritik</title>
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	<description>Liberty and Democracy in East and West.</description>
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		<title>By: Michael Kreutz</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52780</link>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 09:37:00 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;blockquote&gt;Lustig, dass die Herausgeberinnen des Sammelbandes darum bemüht sind, die zum Teil gegen Edward Said und ihresgleichen gemünzte Begrifflichkeit Okzidentalismus (Enzensberger, Buruma/Margalit) umzubesetzen.

So sind dann sowohl Orientalismus (gemäß Said) als auch Okzidentalismus Ausdruck von westlichem, antiorientalischem Chauvinismus, wenn nicht Rassismus.&lt;/blockquote&gt;

Hier wird offensichtlich beides einfach gleichgesetzt. In der Tat kollidiert das mit Buruma/ Margalit und ist geeignet, heillose Verwirrung zu stiften.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Lustig, dass die Herausgeberinnen des Sammelbandes darum bemüht sind, die zum Teil gegen Edward Said und ihresgleichen gemünzte Begrifflichkeit Okzidentalismus (Enzensberger, Buruma/Margalit) umzubesetzen.</p>
<p>So sind dann sowohl Orientalismus (gemäß Said) als auch Okzidentalismus Ausdruck von westlichem, antiorientalischem Chauvinismus, wenn nicht Rassismus.</p></blockquote>
<p>Hier wird offensichtlich beides einfach gleichgesetzt. In der Tat kollidiert das mit Buruma/ Margalit und ist geeignet, heillose Verwirrung zu stiften.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Michael Kreutz</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-2/#comment-52779</link>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 09:30:43 +0000</pubDate>
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		<description>Anm.: Zu C. von B. hatten wir &lt;a href=&quot;http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1177/moral-und-kontrolle/&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; mal was.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Anm.: Zu C. von B. hatten wir <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1177/moral-und-kontrolle/" rel="nofollow">hier</a> mal was.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-2/#comment-52778</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 21:47:45 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;em&gt;Ehrlich gesagt wird die Spitze gegen Braun und Brunner etwas übertrieben eingesetzt.&lt;/em&gt;

Nein, Christina von Braun ist wirklich eine üble Kulturrelativistin. Ich habe sie vor Jahren eher per Zufall mal in einem Gastvortrag erlebt; damals war ich für den ideologischen Gehalt dieses Postkolonialismusgeschwurbels noch nicht so sensibel, fand aber schon zu dieser Zeit, dass die Frau von ein paar ganz fixen Ideen besessen ist. U.a. rühmte sie die Existenz von und den Rückzug in Stammesgesellschaften in einigen Gebieten (Afpak, arab. Staaten). Sie stellte das nicht einfach nur fest oder als bloße Reaktion auf schwache Staatlichkeit dar, für sie war das gleichbedeutend mit Emanzipation. Nachfragen aus dem gewiss nicht annähernd politisch rechts stehenden Publikum, ob dergleichen aus emanzipatorischer Sicht zu begrüßen sei, begegente sie mit völligem Unverständnis. 

Genauso gut / genauso schlecht könnte ich mir ihre ideologioschen Pendants wie Melanie Phillips eingehender reinziehen. Die haben gegenüber von Braun und Co. noch den Vorteil, dass sie bei weitem nicht so viel Theorieschwurbel machen und mit ihren gruseligen politischen Wertsetzungen direkter zu Potte kommen. 

&lt;em&gt;Ich denke, die Kritik an beiden ist zu einem Selbstläufer geworden.&lt;/em&gt;

Das denke ich nicht. 

Wenn ich mir allein die Buchankündigung Brunners für 2010 angucke, muss ich mir an den Kopf packen. 

Maßgebliche zeitgenössische Terrorismusforscher (hohe Auflagen, sehr häufig zitiert) wie etwa Hoffman, Kepel, Richardson, Gunaratna, Waldmann, Sageman, Straßner und weitgehend auch Laqueur sind keine Ideologen und entfalten ihre Thesen normativ leidenschaftslos. Und wenn sie mal politisch-normativ werden, spricht aus ihnen insgesamt sehr selten irgendein geharnischtes Westlertum, das einen veritablen Anlass für pseudowissenschaftlichen Beschuss von weit links provoziert.

&lt;em&gt;Ich hab schon Dinge von ihnen gewinnbringend gelesen.&lt;/em&gt;

Erzähl mal, welche Erkentnisse, die du vorher noch nicht hattest, hat dir die Lektüre von von Braun und Brunner beschert?

Neulich meinte der eine oder andere Diskutant bei Jörg Lau, dass Melanie Phillips doch (oder: schon allein deshalb) recht hätte, weil es in der Ära ja tatsächlich vergleichsweise viel Einwanderung nach GB gegeben hat.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ehrlich gesagt wird die Spitze gegen Braun und Brunner etwas übertrieben eingesetzt.</em></p>
<p>Nein, Christina von Braun ist wirklich eine üble Kulturrelativistin. Ich habe sie vor Jahren eher per Zufall mal in einem Gastvortrag erlebt; damals war ich für den ideologischen Gehalt dieses Postkolonialismusgeschwurbels noch nicht so sensibel, fand aber schon zu dieser Zeit, dass die Frau von ein paar ganz fixen Ideen besessen ist. U.a. rühmte sie die Existenz von und den Rückzug in Stammesgesellschaften in einigen Gebieten (Afpak, arab. Staaten). Sie stellte das nicht einfach nur fest oder als bloße Reaktion auf schwache Staatlichkeit dar, für sie war das gleichbedeutend mit Emanzipation. Nachfragen aus dem gewiss nicht annähernd politisch rechts stehenden Publikum, ob dergleichen aus emanzipatorischer Sicht zu begrüßen sei, begegente sie mit völligem Unverständnis. </p>
<p>Genauso gut / genauso schlecht könnte ich mir ihre ideologioschen Pendants wie Melanie Phillips eingehender reinziehen. Die haben gegenüber von Braun und Co. noch den Vorteil, dass sie bei weitem nicht so viel Theorieschwurbel machen und mit ihren gruseligen politischen Wertsetzungen direkter zu Potte kommen. </p>
<p><em>Ich denke, die Kritik an beiden ist zu einem Selbstläufer geworden.</em></p>
<p>Das denke ich nicht. </p>
<p>Wenn ich mir allein die Buchankündigung Brunners für 2010 angucke, muss ich mir an den Kopf packen. </p>
<p>Maßgebliche zeitgenössische Terrorismusforscher (hohe Auflagen, sehr häufig zitiert) wie etwa Hoffman, Kepel, Richardson, Gunaratna, Waldmann, Sageman, Straßner und weitgehend auch Laqueur sind keine Ideologen und entfalten ihre Thesen normativ leidenschaftslos. Und wenn sie mal politisch-normativ werden, spricht aus ihnen insgesamt sehr selten irgendein geharnischtes Westlertum, das einen veritablen Anlass für pseudowissenschaftlichen Beschuss von weit links provoziert.</p>
<p><em>Ich hab schon Dinge von ihnen gewinnbringend gelesen.</em></p>
<p>Erzähl mal, welche Erkentnisse, die du vorher noch nicht hattest, hat dir die Lektüre von von Braun und Brunner beschert?</p>
<p>Neulich meinte der eine oder andere Diskutant bei Jörg Lau, dass Melanie Phillips doch (oder: schon allein deshalb) recht hätte, weil es in der Ära ja tatsächlich vergleichsweise viel Einwanderung nach GB gegeben hat.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52777</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 20:27:55 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.transatlantic-forum.org/?p=8354#comment-52777</guid>
		<description>&lt;em&gt;Der Gedanke, dass Schwaben gerade auch politisch mehr mit den Schweizern als mit den Preußen zu tun haben, blieb bis ins 19. Jh. bestehen&lt;/em&gt;

Das hatte übrigens aus theoretischen Vorkenntnissen deduziert, um nicht zu sagen geraten.

&lt;em&gt;Ich denke ähnliches kann man in einigen gegenden Nordwestdeutschlands (Ostfriesland, Kleve) mit Bezug auf die Niederlande feststellen.&lt;/em&gt;

Und ich liege wahrscheinlich nicht falsch, wenn ich Ähnliches zumindest bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auch für andere Gegenden des späteren Deutschen Reichs und/oder heutigen Deutschlands vermute.

&lt;em&gt;Aber, die Stammestümelei bliebe ja auch nach 1800 trotz Nationalstaatsgedanken erhalten &lt;/em&gt;

Graf macht im Text sinngemäß darauf aufmerksam, dass sich Lokalpatriotismus einerseits und Nationalstaatsdenken (und Fühlen) andererseits einander dennoch nicht ausschlossen.

Der Punkt ist - und ich denke nicht, dass Graf hier widersprechen würde -, dass der Gedanke einer deutschen Kulturnation sowie damit verbunden / als Folge ein gesamtdeutsches Nationalstaatsdenken innerhalb breiterer bürgerlichen Schichten bzw. den Köpfen von bürgerlichen Intellektuellen erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts zu beobachten ist und allmählich dominant wird.

Daneben sollte man sich vor Augen halten, dass im Rahmen der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 die Ethnizität und die Sprache von Bevölkerungen noch nicht die geringste Rolle spielte.  

&lt;em&gt;Gryphius kam ziemlich viel rum, meist lebte er während des 30-jähtigen Ktrieges in deutschsprachigen Städten i Polen. Er reiste aber auch durch Deutschland nach Hollans, Straßburg. In dem Gedicht ist schon Deutschland gemeint.&lt;/em&gt;

Das Gedicht ist auf 1636 datiert, da war Gryphius 20 Jahre alt und gerade bis Danzig gekommen. Ob er zum damaligen Zeitpunkt in Österreichern, Schwaben, Ostfriesen und Rheinländern zu seinem Vaterland gehörende Landsleute erkannt hat, und nicht nur in Schlesiern und/oder Preußen, steht zu bezweifeln. Möglicherweise bezieht sich das Wir in dem Gedicht auch eher allgemein auf die Christenheit in und um Schlesien herum oder besonders auf den protestantischen Theyl.

Wenn du also sagst, er hätte sich auf Deutschland bezogen (also zumindest im annähernden Sinn auf das, was wir heute darunter verstehen), solltest du schon annähernd angeben können, was er im Laufe seines späteren Lebens darunter verstanden hat. Ich gehe zumindest vorläufig davon aus, dass er auch in seinem späteren Leben keinen annähernd modernen Begriff von Deutschland hatte (es sei denn du meinst, das Hl. Röm. Reich Dt. Nation sei nichts anderes als der Vorläufer des späteren Deutschen Reichs gewesen). Zumal Preußen zu seinen Lebzeiten noch keine besondere Rolle spielte und sich auch noch niemand an Kleinstaaterei stieß oder Frankreich als Feind aller deutschen Nationen oder Stämme reklamierte.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Gedanke, dass Schwaben gerade auch politisch mehr mit den Schweizern als mit den Preußen zu tun haben, blieb bis ins 19. Jh. bestehen</em></p>
<p>Das hatte übrigens aus theoretischen Vorkenntnissen deduziert, um nicht zu sagen geraten.</p>
<p><em>Ich denke ähnliches kann man in einigen gegenden Nordwestdeutschlands (Ostfriesland, Kleve) mit Bezug auf die Niederlande feststellen.</em></p>
<p>Und ich liege wahrscheinlich nicht falsch, wenn ich Ähnliches zumindest bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts auch für andere Gegenden des späteren Deutschen Reichs und/oder heutigen Deutschlands vermute.</p>
<p><em>Aber, die Stammestümelei bliebe ja auch nach 1800 trotz Nationalstaatsgedanken erhalten </em></p>
<p>Graf macht im Text sinngemäß darauf aufmerksam, dass sich Lokalpatriotismus einerseits und Nationalstaatsdenken (und Fühlen) andererseits einander dennoch nicht ausschlossen.</p>
<p>Der Punkt ist &#8211; und ich denke nicht, dass Graf hier widersprechen würde -, dass der Gedanke einer deutschen Kulturnation sowie damit verbunden / als Folge ein gesamtdeutsches Nationalstaatsdenken innerhalb breiterer bürgerlichen Schichten bzw. den Köpfen von bürgerlichen Intellektuellen erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts zu beobachten ist und allmählich dominant wird.</p>
<p>Daneben sollte man sich vor Augen halten, dass im Rahmen der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 die Ethnizität und die Sprache von Bevölkerungen noch nicht die geringste Rolle spielte.  </p>
<p><em>Gryphius kam ziemlich viel rum, meist lebte er während des 30-jähtigen Ktrieges in deutschsprachigen Städten i Polen. Er reiste aber auch durch Deutschland nach Hollans, Straßburg. In dem Gedicht ist schon Deutschland gemeint.</em></p>
<p>Das Gedicht ist auf 1636 datiert, da war Gryphius 20 Jahre alt und gerade bis Danzig gekommen. Ob er zum damaligen Zeitpunkt in Österreichern, Schwaben, Ostfriesen und Rheinländern zu seinem Vaterland gehörende Landsleute erkannt hat, und nicht nur in Schlesiern und/oder Preußen, steht zu bezweifeln. Möglicherweise bezieht sich das Wir in dem Gedicht auch eher allgemein auf die Christenheit in und um Schlesien herum oder besonders auf den protestantischen Theyl.</p>
<p>Wenn du also sagst, er hätte sich auf Deutschland bezogen (also zumindest im annähernden Sinn auf das, was wir heute darunter verstehen), solltest du schon annähernd angeben können, was er im Laufe seines späteren Lebens darunter verstanden hat. Ich gehe zumindest vorläufig davon aus, dass er auch in seinem späteren Leben keinen annähernd modernen Begriff von Deutschland hatte (es sei denn du meinst, das Hl. Röm. Reich Dt. Nation sei nichts anderes als der Vorläufer des späteren Deutschen Reichs gewesen). Zumal Preußen zu seinen Lebzeiten noch keine besondere Rolle spielte und sich auch noch niemand an Kleinstaaterei stieß oder Frankreich als Feind aller deutschen Nationen oder Stämme reklamierte.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: Serdar Güneş</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-2/#comment-52776</link>
		<dc:creator>Serdar Güneş</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 19:20:13 +0000</pubDate>
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		<description>Wart doch mal ab was sie schreiben. Ich hab den Sammelband noch nicht gelesen. Ehrlich gesagt wird die Spitze gegen Braun und Brunner etwas übertrieben eingesetzt. Ich hab schon Dinge von ihnen gewinnbringend gelesen. 
Ich denke, die Kritik an beiden ist zu einem Selbstläufer geworden. 

Was den Okzidentalismus betrifft, da solltest du dir mal das Konzept von Hassan Hanafi anschauen. Er hat das ganz recht berühmt gemacht.

Da kann ich folgendes empfehlen:
&lt;i&gt;Hildebrandt, Thomas: Emanzipation oder Isolation vom westlichen Lehrer? Die Debatte um Hasan Hanafis „Einführung in die Okzidentalistik&quot;, Berlin 1998&lt;/i&gt;

Hendrich, Geert: Islam und Aufklärung: Der Modernediskurs in der arabischen Philosophie.2004</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Wart doch mal ab was sie schreiben. Ich hab den Sammelband noch nicht gelesen. Ehrlich gesagt wird die Spitze gegen Braun und Brunner etwas übertrieben eingesetzt. Ich hab schon Dinge von ihnen gewinnbringend gelesen.<br />
Ich denke, die Kritik an beiden ist zu einem Selbstläufer geworden. </p>
<p>Was den Okzidentalismus betrifft, da solltest du dir mal das Konzept von Hassan Hanafi anschauen. Er hat das ganz recht berühmt gemacht.</p>
<p>Da kann ich folgendes empfehlen:<br />
<i>Hildebrandt, Thomas: Emanzipation oder Isolation vom westlichen Lehrer? Die Debatte um Hasan Hanafis „Einführung in die Okzidentalistik&#8221;, Berlin 1998</i></p>
<p>Hendrich, Geert: Islam und Aufklärung: Der Modernediskurs in der arabischen Philosophie.2004</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Martin Riexinger</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52775</link>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:23:01 +0000</pubDate>
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		<description>Vor der zweiten Hälfte des 18. Jh.:

http://de.wikipedia.org/wiki/Oberrheinischer_Revolution%C3%A4r

Der Gedanke, dass Schwaben gerade auch politisch mehr mit den Schweizern als mit den Preußen zu tun haben, blieb bis ins 19. Jh. bestehen und war u.a. wichtig für das Selbstverstämndnis der württembergischen Demokraten. Ich denke ähnliches kann man in einigen gegenden Nordwestdeutschlands (Ostfriesland, Kleve) mit Bezug auf die Niederlande feststellen.

Aber, die Stammestümelei bliebe ja auch nach 1800 trotz Nationalstaatsgedanken erhalten (man denke nur an den Vorwurf, unfähige Franken hätten die CDU heruntergewirtschaftet).

Gryphius kam ziemlich viel rum, meist lebte er während des 30-jähtigen Ktrieges in deutschsprachigen Städten i Polen. Er reiste aber auch durch Deutschland nach Hollans, Straßburg. In dem Gedicht ist schon Deutschland gemeint.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Vor der zweiten Hälfte des 18. Jh.:</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oberrheinischer_Revolution%C3%A4r" rel="nofollow">http://de.wikipedia.org/wiki/O.....ion%C3%A4r</a></p>
<p>Der Gedanke, dass Schwaben gerade auch politisch mehr mit den Schweizern als mit den Preußen zu tun haben, blieb bis ins 19. Jh. bestehen und war u.a. wichtig für das Selbstverstämndnis der württembergischen Demokraten. Ich denke ähnliches kann man in einigen gegenden Nordwestdeutschlands (Ostfriesland, Kleve) mit Bezug auf die Niederlande feststellen.</p>
<p>Aber, die Stammestümelei bliebe ja auch nach 1800 trotz Nationalstaatsgedanken erhalten (man denke nur an den Vorwurf, unfähige Franken hätten die CDU heruntergewirtschaftet).</p>
<p>Gryphius kam ziemlich viel rum, meist lebte er während des 30-jähtigen Ktrieges in deutschsprachigen Städten i Polen. Er reiste aber auch durch Deutschland nach Hollans, Straßburg. In dem Gedicht ist schon Deutschland gemeint.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52774</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 18:21:23 +0000</pubDate>
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		<description>P.S.: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre es in den Augen der Brunnerclaudia symptomatisch, dass ich als weißer Mann in der im Allgemeinen vom Streben nach wissenschaftlicher Nüchternheit geprägten Terrorismusforschung (mit der ich mich eingehend beschäftigt habe) bisher keine &quot;epistemische Gewalt&quot; und &quot;okzidentalistische Selbstvergewisserung&quot; ausmachen konnte.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>P.S.: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wäre es in den Augen der Brunnerclaudia symptomatisch, dass ich als weißer Mann in der im Allgemeinen vom Streben nach wissenschaftlicher Nüchternheit geprägten Terrorismusforschung (mit der ich mich eingehend beschäftigt habe) bisher keine &#8220;epistemische Gewalt&#8221; und &#8220;okzidentalistische Selbstvergewisserung&#8221; ausmachen konnte.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52773</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 17:54:57 +0000</pubDate>
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		<description>&lt;em&gt;Übrigens gibt es jetzt im Transcript Verlag einen Sammelband zur Kritik des Okzidentalismus.&lt;/em&gt;

@ Serdar

Lustig, dass die Herausgeberinnen des Sammelbandes darum bemüht sind, die zum Teil gegen Edward Said und ihresgleichen gemünzte Begrifflichkeit Okzidentalismus (Enzensberger, Buruma/Margalit) umzubesetzen.

So sind dann sowohl Orientalismus (gemäß Said) als auch Okzidentalismus Ausdruck von westlichem, antiorientalischem Chauvinismus, wenn nicht Rassismus.

Von einer der Herausgeberinnen, Claudia Brunner, einer publizistischen Kampfgefährtin Christina &quot;Ayatollah&quot; von Brauns, deren Schrift &quot;Männerwaffe Frauenkörper? - Zum Geschlecht der Selbstmordattentate im israelisch-palästinensischen Konflikt&quot; im Klappentext mit einem Zitat des österreichischen Israelhassers und Holocaustleugnungsrelativierers John Bunzl flankiert wird, ist entsprechend folgender Schwurbel überliefert: 

&quot;Das Selbstmordattentat als etwas angeblich Irrationales, Chaotisches, Emotionales, Anarchisches verleitet zu Assoziationen, die sich in der kulturell konstruierten Dichotomie von männlich/ weiblich auf der sogenannten weiblichen Seite verorten lassen.&quot; 

Für Juni 2010 ist von ihr folgende 400-seitige Veröffentlichung angekündigt:

&quot;Wissensobjekt Selbstmordattentat: Epistemische Gewalt und okzidentalistische Selbstvergewisserung in der Terrorismusforschung&quot;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p><em>Übrigens gibt es jetzt im Transcript Verlag einen Sammelband zur Kritik des Okzidentalismus.</em></p>
<p>@ Serdar</p>
<p>Lustig, dass die Herausgeberinnen des Sammelbandes darum bemüht sind, die zum Teil gegen Edward Said und ihresgleichen gemünzte Begrifflichkeit Okzidentalismus (Enzensberger, Buruma/Margalit) umzubesetzen.</p>
<p>So sind dann sowohl Orientalismus (gemäß Said) als auch Okzidentalismus Ausdruck von westlichem, antiorientalischem Chauvinismus, wenn nicht Rassismus.</p>
<p>Von einer der Herausgeberinnen, Claudia Brunner, einer publizistischen Kampfgefährtin Christina &#8220;Ayatollah&#8221; von Brauns, deren Schrift &#8220;Männerwaffe Frauenkörper? &#8211; Zum Geschlecht der Selbstmordattentate im israelisch-palästinensischen Konflikt&#8221; im Klappentext mit einem Zitat des österreichischen Israelhassers und Holocaustleugnungsrelativierers John Bunzl flankiert wird, ist entsprechend folgender Schwurbel überliefert: </p>
<p>&#8220;Das Selbstmordattentat als etwas angeblich Irrationales, Chaotisches, Emotionales, Anarchisches verleitet zu Assoziationen, die sich in der kulturell konstruierten Dichotomie von männlich/ weiblich auf der sogenannten weiblichen Seite verorten lassen.&#8221; </p>
<p>Für Juni 2010 ist von ihr folgende 400-seitige Veröffentlichung angekündigt:</p>
<p>&#8220;Wissensobjekt Selbstmordattentat: Epistemische Gewalt und okzidentalistische Selbstvergewisserung in der Terrorismusforschung&#8221;</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52772</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 16:50:41 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.transatlantic-forum.org/?p=8354#comment-52772</guid>
		<description>@ MR, Nachtrag

Falls es dich näher interessiert: Im gegebenen Zusammenhang sind die Seiten 14 - 35 in Dieter Langewiesches &quot;Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa&quot; sehr aufschlussreich, in noch kürzerer Form S. 18 ff.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ MR, Nachtrag</p>
<p>Falls es dich näher interessiert: Im gegebenen Zusammenhang sind die Seiten 14 &#8211; 35 in Dieter Langewiesches &#8220;Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa&#8221; sehr aufschlussreich, in noch kürzerer Form S. 18 ff.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52771</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 16:14:23 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.transatlantic-forum.org/?p=8354#comment-52771</guid>
		<description>Link:

http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/schwabn.htm</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Link:</p>
<p><a href="http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/schwabn.htm" rel="nofollow">http://www.histsem.uni-freibur.....chwabn.htm</a></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: N. Neumann</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52770</link>
		<dc:creator>N. Neumann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 16:11:01 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.transatlantic-forum.org/?p=8354#comment-52770</guid>
		<description>@ MR

Zunächst zu Gryphius: Der dichtet wahrscheinlich über die Leiden der Schlesier während des 30-jährigen Kriegs, wahrscheinlich nicht über die der Preußen. Auf jeden Fall aber besaß &quot;Vaterland&quot;, ebenso wie &quot;Nation&quot; im politischen und/oder literarischen Sprachgebrauch im Jahre 1636 noch nicht die Bedeutung wie es ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Fall ist. Das heimatliche Wir war ein regionales bzw. landsmannschaftliches, dass sich im gegebenen Fall wohl kaum - oder zumindest: weniger - auf alle damals vom 30-jährigen Krieg verwüsteten deutschsprachigen Regionen und/oder zum Heiligen Römischen Reich gezählten Regionen bezog. 

Es folgt ein längeres Zitat aus einer historischen Skizze des Mediävisten und Frühneuzeitlers Klaus Graf (Uni Freiburg, RWTH Aachen) über &lt;em&gt;die &quot;Schwäbische Nation&quot; in der frühen Neuzeit&lt;/em&gt; (den Link poste ich gesondert). Seine Ausführungen widersprechen im Wesentlichen nicht dem modernitätstheoretischen Mainstream der Nationalismustheorie. Zumal spart Graf nicht das wichtige konstruktive Element bei der Bildung von &quot;Nationen&quot; aus. Wenn etwa Benedict Anderson sinngemäß von der &quot;Erfindung der Nation&quot; (im nationalstaatlichen Sinn) spricht, so ist dies teilweise pointiert und negiert keine strukturellen Voraussetzungen, die den wirkmächtigen nationalen/nationalistischen Erfindungsreichtum von bürgerlichen Intellektuellen und/oder Politikern begünstigen (nationale Mythen, Konstruktion von historischen Kontinuitäten, die es nicht oder so nicht gegegen hat).   

Die Ausrufezeichen in eckigen Klammern wurden von mir hinzugefügt:


&lt;em&gt;Wenn im 16. Jahrhundert eine Verschwörung von Schwaben am Reichskammergericht gewittert wurde [Anm. 5], so beweist dieses Faktum schlagend die Relevanz der landsmannschaftlichen neben der territorialen Parität in der Wahrnehmung der Zeitgenossen. Anspruch auf Gleichbehandlung konnten also nicht nur die Angehörigen der modernen Territorien, sondern auch die Angehörigen jener Einheiten in gentiler[!] Tradition erheben, die von der Forschung gern als &quot;Stammesländer&quot; bezeichnet werden: Schwaben, Franken, Rheinland, Westfalen, Sachsen. Zu beachten ist freilich, daß der Stammesbegriff in der frühen Neuzeit noch keine Rolle spielt[!]; die Zeitgenossen sprachen mit Blick auf Schwaben vom Schwabenland, der schwäbischen Provinz oder der schwäbischen Nation [Anm. 6]. Mag auch der eingangs zitierte Beleg vor allem dem universitären Nationenbegriff verpflichtet sein, so lassen andere Zeugnisse nicht daran zweifeln, daß Schwaben im 17. und 18. Jahrhundert häufig als &quot;Nation&quot;[! - für die Anführungszeichen] galt. Bereits 1493 erboten sich die Reichsstädte Heilbronn und Wimpfen, &quot;gemeiner swebischen nacion zu eren&quot; zu handeln [Anm. 7]. Im 16. Jahrhundert sah Sebastian Münster das später als &quot;Schwabenspiegel&quot; bezeichnete Rechtsbuch als &quot;Landtrecht&quot; auf die &quot;schwäbische Nation&quot; bezogen [Anm. 8]. Ein Beleg von 1667, aus einem der berühmtesten literarischen Werke des 17. Jahrhunderts: &quot;ein schwäbische Nation, die man [...] für einfältig schätzet&quot; (Grimmelshausen, Simplicissimus, Buch 5 Kapitel 17). Es handelt sich um den auf eine Sprach-, Rechts- und Kulturgemeinschaft gemünzten &quot;vorpolitischen&quot; Nationsbegriff[!], der auch der Definition in Zedlers Lexikon von 1740 zugrundeliegt: &quot;eine vereinigte Anzahl Bürger, die einerley Gewohnheiten, Sitten und Gesetze haben&quot; [Anm. 9]. &lt;/em&gt;

[...]

&lt;em&gt;Schwaben sei, weiß 1743 Zedlers Universallexikon: &quot;eine große Provintz in Deutschland, welche gegen Osten an Bayern, gegen Süden an Tyrol und an die Schweitz, gegen Westen an das Elsaß und gegen Norden an die Unter-Pfaltz und an Francken grentzet&quot; [Anm. 11]. Und doch hat es, muß das Lexikon konzedieren, &quot;mit Schwaben eine gantz andere Beschaffenheit, als mit andern Landen&quot; [Anm. 12]. Eine problembewußte Karte des frühneuzeitlichen Schwaben zwischen Konstanz und Dinkelsbühl, Stuttgart und Augsburg würde nämlich kaum dem von der zeitgenössischen Kartographie gewohnten Bild eines Territoriums mit klaren Grenzen entsprechen. Sieht man von der Lechgrenze gegen Bayern und einem unstrittigen innerschwäbischen Kernbereich ab, so müßte man ganz unterschiedliche Flächen einzeichnen, je nachdem, ob man dem Selbstverständnis der Bewohner[! - nicht einheitlich], den Konstruktionen[!] der Gelehrten und Historiker oder der politisch-administrativen Zuordnung zum Schwäbischen Reichskreis Glauben schenken möchte. [! - nicht einheitlich]&lt;/em&gt;

[...]

&lt;em&gt;Daneben umfaßte der Schwäbische Kreis aber auch Territorien und Räume, deren Einwohner sich selbst nie als Schwaben verstanden haben. Dabei ist vor allem an die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach zu denken. Die Rheingrenze im Westen entsprach zwar gelehrten Theorien über den Umfang des gentilen Siedlungsraums, stimmte aber nicht mit der Selbstzuordnung der westlich des Schwarzwalds lebenden Bevölkerung überein. Breisgauer und Ortenauer haben sich seit dem Hochmittelalter nie als Schwaben bezeichnet. In Wien gehörten die Breisgauer mit den Elsässern, Sundgauern und Vierwaldstättern zur vorderösterreichischen Landsmannschaft, wie dem Titel einer 1655 gedruckten Predigt von Florentinus Schilling zu entnehmen ist [Anm. 15]&lt;/em&gt;

[...]

&lt;em&gt;Die politischen Konflikte zwischen der Pfalz und Württemberg wurden als landsmannschaftliche Auseinandersetzungen gesehen: Schwaben und Württemberg galten als Synonyme. In der Tat kann Württemberg vom Selbst- und Fremdverständnis her als das schwäbische Territorium schlechthin gelten. Noch heute wird unreflektiert für schwäbische Mentalität ausgegeben, was eigentlich altwürttembergisch-protestantische Eigenart ist [Anm. 22]. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Schwaben zum Spielfeld der politischen Ambitionen der württembergischen Dynastie [Anm. 23], und um die ehrgeizigen Träume Herzog Carl Eugens zu charakterisieren sprach 1757 der Reichsvizekanzler Graf Colloredo davon, dieser habe vor, &quot;sich zu einem Hertzogen in Schwaben hervor zu schwingen&quot; [Anm. 24]. 

Obwohl die Markgrafschaften Baden Bestandteile des Schwäbischen Kreises waren, spielte der Schwabenbegriff für das badische Selbstverständnis im 19. Jahrhundert keine Rolle mehr. Gleichsam einen Brennpunkt territorial begründeter Rivalitäten stellt heute die ungeliebte Doppelstadt Villingen-Schwenningen, Produkt der baden-württembergischen Verwaltungsreform, dar. Die badischen Villinger setzen sich von den verachteten Schwaben im württembergischen Schwenningen ab, und dies obwohl die traditionelle Zugehörigkeit der Baar und damit auch Villingens zu Schwaben eigentlich nicht zu bestreiten ist. &lt;/em&gt;

[...; die folgende Absatz belegt die lokale/regionale Begrenztheit identitär aufgeladener Konflikte]

&lt;em&gt;Wie sich die Bewohner selbst zuordneten, ist äußerst schwer zu ermitteln, da man auf extrem verstreute Hinweise angewiesen ist. Zuweilen sind Beleidigungsprozesse hilfreich: 1755 nannte ein Gerber in Emmendingen seinen Berufskollegen, einen Neubürger, einen &quot;verfluchten tausendSacraments Schwab&quot;. 1789 beschwerte sich in der gleichen Stadt ein Dreher über einen Schreiner, dieser habe ihn &quot;einen unvernünftigen Schwaben gescholten&quot; [Anm. 29]. Beide Injurienklagen belegen, daß man sich im Breisgau nicht zu Schwaben zählte. Im 19. Jahrhundert beobachtete Anton Birlinger, daß die alemannisch sprechenden Breisgauer, Hauensteiner, Klettgauer, Hegauer, Baarer, Heuberger, Schwarzwälder und Allgäuer alle keine Schwaben sein wollten [Anm. 30]. &quot;Die Hegäuer verlegen die Schwaben in die Stockacher Gegend, die Stockacher ins benachbarte Hohenzollern&quot; [Anm. 31]. Was in Lexika und obrigkeitlichen Dokumenten zu finden ist und durch die Zugehörigkeit zum Schwäbischen Kreis abgesichert erscheint, muß daher nicht der Selbsteinschätzung der Untertanen entsprochen haben. Reinhard von Gemmingen hielt im 17. Jahrhundert den Kraichgau wie seine Standesgenossen im Ritterkanton für schwäbisch [Anm. 32]. Im ritterschaftlichen Gemmingen aber erklärte 1563 eine Frau: &quot;ich bin uffhin ins Schwabenlandt gen Besigkheim gangen&quot; [Anm. 33]. 

An den Rändern franste Schwaben aus, doch gab es genügend Schwaben, die auch solche sein wollten. Für sie war Schwaben in der frühen Neuzeit tatsächlich &quot;Heimat&quot; - modisch gesprochen: eine identitätsstiftende Größe - oder in der zeitgenössischen Terminologie: ein Vaterland, eine patria, eine &quot;Nation&quot;, für die es einzustehen galt. Insoweit darf auch von schwäbischem &quot;Patriotismus&quot;[! - im Sinne von Lokalpatriotismus] gesprochen werden. Die eingangs erwähnte schwäbische Landsmannschaft in Wien mag verdeutlichen, daß sich auf Schwaben nicht nur eine kleine gebildete Elite einerseits oder machtbewußte Politiker andererseits, die ihr Territorium damit legitimieren wollten, berufen haben. Allerdings sollte man nicht übersehen, daß eine solche Zuordnung nur in bestimmten Kontexten - insbesondere in der Fremde und bei der Konfrontation mit Nicht-Schwaben[!] - zum Tragen kam, nicht aber im &quot;innerschwäbischen&quot; Alltag.[!]&lt;/em&gt;

[...]


&lt;em&gt;II. Der historische Diskurs über Schwaben 

Schwaben war ein Traditionstatbestand, eine Art Relikt aus vorterritorialer Zeit, das sich erstaunlich zäh gegenüber den aufkommenden Territorien behauptet hat. Geschichtsschreibung und historischer Traditionsbildung kam daher eine überragende Rolle innerhalb des frühneuzeitlichen Diskurses über Schwaben zu. 

Der humanistische Gentilpatriotismus[!] hatte die antiken Quellen über die völkerwanderungszeitlichen germanischen Stämme wiederentdeckt und mit den vorgefundenen spätmittelalterlichen Landesdiskursen verbunden. Für Schwaben ist hier - darauf hat Dieter Mertens 1983 aufmerksam gemacht - an erster Stelle der Tübinger Humanist Heinrich Bebel zu nennen, der in den Jahren nach 1500 in historisch-patriotischen Schriften am lautesten einen unbändigen Schwabenstolz formuliert hat [Anm. 34]. &lt;/em&gt;

[...]

&lt;em&gt;Eine zielgerichtete Indienstnahme der schwäbischen Vergangenheit ist im 17. und 18. Jahrhundert bei den Württembergern und den Habsburgern zu beobachten. Während die württembergische Dynastie sich als Rechtsnachfolger und Blutsverwandte der staufischen Herzöge von Schwaben darstellen ließ [Anm. 39], bezog sich Habsburg bei der historischen Argumentation zugunsten der vom Landgericht Schwaben beanspruchten Jurisdiktion auf die vorstaufische Periode, auf ein vermeintliches[!] altes Fürstentum Alamannien [Anm. 40]. 

Bei dem patriotisch verklärten Blick auf die Geschichte Schwabens stand eine Dynastie im Vordergrund: die Staufer, die nicht nur Herzöge von Schwaben, sondern auch römisch-deutsche Kaiser und Könige gewesen waren. Das staufische Herzogswappen mit den drei Löwen, im Spätmittelalter zum &quot;gemeinschwäbischen Symbol&quot; avanciert [Anm. 41], war auch das Wappen des Schwäbischen Kreises geworden [Anm. 42]. Vor allem im 18. Jahrhundert beschwor man in Schwaben die glorreiche Vergangenheit des Landes in der Stauferzeit, dem &quot;schwäbischen Zeitalter&quot; [Anm. 43]. Der Germanist Hugo Moser hat in diesem Zusammenhang treffend von &quot;Schwäbischer Vorromantik&quot; gesprochen [Anm. 44]. Den &quot;Schatten Barbarossas und Friedrichs&quot; übergab 1782 Carl Philipp Conz, ein Jugendfreund Schillers, sein Drama &quot;Conradin von Schwaben&quot; und zwar nicht unterwürfig, sondern &quot;mit all dem Stolze, daß Ihr Schwabens Söhne seyd und ich - ein Schwabe bin&quot; [Anm. 45]. Diese nostalgische Retrospektive erfolgte vielfach im Kontext einer Debatte über den Standort Schwabens im Rahmen der deutschen Nationalkultur. [! - wohlgemerkt: 1782, also nach Mitte des 18. Jahrhunderts]&lt;/em&gt;

[...]

&lt;em&gt;Heftig polemisierte Schubart in seiner &quot;Deutschen Chronik&quot; gegen die Sachsen, denen er vorwarf, die alten deutschen Werte zugunsten der Nachahmung französischer Vorbilder zu unterdrücken [Anm. 49]. Und der Memminger Hutmacher Christoph Städele, ein Protegé Schubarts, sekundierte in einem 1782 publizierten Trinklied [Anm. 50]: 

Ha! wir brafe Schwaben
sind an allem reich.
Frankreich, deine Gaben
sind sie unsern gleich?
Unser alter teutscher Muth
flammt bei Neckars Rebenblut. 

Dazu Volz: &quot;Parallel zur Bekräftigung eines deutschen Patriotismus, der sich in erster Linie als antifranzösische, genauer anti-gallomane Stellungnahme artikuliert, erwächst die schwäbische Vaterlandsliebe aus einer Verteidigungs- bzw. Abwehrreaktion. Als Erwiderung auf die Verachtung durch andere Stämme liegt den Schwaben daran, das verblaßte Prestige ihres Volkes wieder aufzupolieren, ihm aber auch und zuallererst Stolz und Selbstvertrauen wiederzugeben&quot; [Anm. 51]. 

Von der weiteren Forschung noch genauer auszuleuchten bleibt die für den modernen Betrachter irritierende intrikate Gemengelage dreier Patriotismen, die ständig aufeinander bezogen werden: des territorialen, der in Württemberg das Vaterland erkennt, des regional-landsmannschaftlichen, der Schwaben hochhält, und des an Deutschland orientierten nationalen Patriotismus. Loyalität zu Deutschland und zu Schwaben bedeutete für die Zeitgenossen jedenfalls keinen Widerspruch; vielmehr verstärkten sich die beiden Patriotismen gegenseitig. Schwaben sind die besseren Deutschen - die schwäbischen Publizisten werden nicht müde, diese vermeintliche Einsicht zu artikulieren und historisch zu belegen [Anm. 52]. Identität und Alterität: Die kollektive Selbstvergewisserung bedarf der ständigen Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Ausland, sei es mit Sachsen, dem exemplarischen Gegner der südwestdeutschen Publizistik, und seiner Buchhandelsmetropole Leipzig, sei es mit Frankreich, dem man die Überfremdung deutscher Kultur zum Vorwurf macht. 

Für die sich formierende literarische Öffentlichkeit des späten 18. Jahrhunderts[!] war Schwaben somit eine gewichtige Diskursmaterie. Ohne die Intensivierung des Schwabendiskurses durch die Publizistik wären wohl auch die in der Zeit der französischen Revolution aufkommenden Träume von einer mit der Schweiz vereinten Republik[! - nicht gerade Ausdruck eines spezifisch (gesamt)deutschen Nationalismus] Schwaben kaum vorstellbar gewesen [Anm. 53]. &quot;Was gewinnen wir, wenn Schwaben eine Republik wird?&quot; fragte beispielsweise Johann Jacob Griesinger in einer 1798 in Stuttgart anonym erschienenen fünfzehnseitigen Schrift. Schwaben empfahl sich als Alternative zur südwestdeutschen Kleinstaaterei, ein politisch unbelastetes Vaterland mit gemeinsamer Volkszugehörigkeit. Doch die Republik, die an die eingespielte Kooperation im Schwäbischen Kreis hätte anknüpfen können, kam bekanntlich nie zustande. &lt;/em&gt;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ MR</p>
<p>Zunächst zu Gryphius: Der dichtet wahrscheinlich über die Leiden der Schlesier während des 30-jährigen Kriegs, wahrscheinlich nicht über die der Preußen. Auf jeden Fall aber besaß &#8220;Vaterland&#8221;, ebenso wie &#8220;Nation&#8221; im politischen und/oder literarischen Sprachgebrauch im Jahre 1636 noch nicht die Bedeutung wie es ab Mitte des 18. Jahrhunderts der Fall ist. Das heimatliche Wir war ein regionales bzw. landsmannschaftliches, dass sich im gegebenen Fall wohl kaum &#8211; oder zumindest: weniger &#8211; auf alle damals vom 30-jährigen Krieg verwüsteten deutschsprachigen Regionen und/oder zum Heiligen Römischen Reich gezählten Regionen bezog. </p>
<p>Es folgt ein längeres Zitat aus einer historischen Skizze des Mediävisten und Frühneuzeitlers Klaus Graf (Uni Freiburg, RWTH Aachen) über <em>die &#8220;Schwäbische Nation&#8221; in der frühen Neuzeit</em> (den Link poste ich gesondert). Seine Ausführungen widersprechen im Wesentlichen nicht dem modernitätstheoretischen Mainstream der Nationalismustheorie. Zumal spart Graf nicht das wichtige konstruktive Element bei der Bildung von &#8220;Nationen&#8221; aus. Wenn etwa Benedict Anderson sinngemäß von der &#8220;Erfindung der Nation&#8221; (im nationalstaatlichen Sinn) spricht, so ist dies teilweise pointiert und negiert keine strukturellen Voraussetzungen, die den wirkmächtigen nationalen/nationalistischen Erfindungsreichtum von bürgerlichen Intellektuellen und/oder Politikern begünstigen (nationale Mythen, Konstruktion von historischen Kontinuitäten, die es nicht oder so nicht gegegen hat).   </p>
<p>Die Ausrufezeichen in eckigen Klammern wurden von mir hinzugefügt:</p>
<p><em>Wenn im 16. Jahrhundert eine Verschwörung von Schwaben am Reichskammergericht gewittert wurde [Anm. 5], so beweist dieses Faktum schlagend die Relevanz der landsmannschaftlichen neben der territorialen Parität in der Wahrnehmung der Zeitgenossen. Anspruch auf Gleichbehandlung konnten also nicht nur die Angehörigen der modernen Territorien, sondern auch die Angehörigen jener Einheiten in gentiler[!] Tradition erheben, die von der Forschung gern als &#8220;Stammesländer&#8221; bezeichnet werden: Schwaben, Franken, Rheinland, Westfalen, Sachsen. Zu beachten ist freilich, daß der Stammesbegriff in der frühen Neuzeit noch keine Rolle spielt[!]; die Zeitgenossen sprachen mit Blick auf Schwaben vom Schwabenland, der schwäbischen Provinz oder der schwäbischen Nation [Anm. 6]. Mag auch der eingangs zitierte Beleg vor allem dem universitären Nationenbegriff verpflichtet sein, so lassen andere Zeugnisse nicht daran zweifeln, daß Schwaben im 17. und 18. Jahrhundert häufig als &#8220;Nation&#8221;[! - für die Anführungszeichen] galt. Bereits 1493 erboten sich die Reichsstädte Heilbronn und Wimpfen, &#8220;gemeiner swebischen nacion zu eren&#8221; zu handeln [Anm. 7]. Im 16. Jahrhundert sah Sebastian Münster das später als &#8220;Schwabenspiegel&#8221; bezeichnete Rechtsbuch als &#8220;Landtrecht&#8221; auf die &#8220;schwäbische Nation&#8221; bezogen [Anm. 8]. Ein Beleg von 1667, aus einem der berühmtesten literarischen Werke des 17. Jahrhunderts: &#8220;ein schwäbische Nation, die man [...] für einfältig schätzet&#8221; (Grimmelshausen, Simplicissimus, Buch 5 Kapitel 17). Es handelt sich um den auf eine Sprach-, Rechts- und Kulturgemeinschaft gemünzten &#8220;vorpolitischen&#8221; Nationsbegriff[!], der auch der Definition in Zedlers Lexikon von 1740 zugrundeliegt: &#8220;eine vereinigte Anzahl Bürger, die einerley Gewohnheiten, Sitten und Gesetze haben&#8221; [Anm. 9]. </em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>Schwaben sei, weiß 1743 Zedlers Universallexikon: &#8220;eine große Provintz in Deutschland, welche gegen Osten an Bayern, gegen Süden an Tyrol und an die Schweitz, gegen Westen an das Elsaß und gegen Norden an die Unter-Pfaltz und an Francken grentzet&#8221; [Anm. 11]. Und doch hat es, muß das Lexikon konzedieren, &#8220;mit Schwaben eine gantz andere Beschaffenheit, als mit andern Landen&#8221; [Anm. 12]. Eine problembewußte Karte des frühneuzeitlichen Schwaben zwischen Konstanz und Dinkelsbühl, Stuttgart und Augsburg würde nämlich kaum dem von der zeitgenössischen Kartographie gewohnten Bild eines Territoriums mit klaren Grenzen entsprechen. Sieht man von der Lechgrenze gegen Bayern und einem unstrittigen innerschwäbischen Kernbereich ab, so müßte man ganz unterschiedliche Flächen einzeichnen, je nachdem, ob man dem Selbstverständnis der Bewohner[! - nicht einheitlich], den Konstruktionen[!] der Gelehrten und Historiker oder der politisch-administrativen Zuordnung zum Schwäbischen Reichskreis Glauben schenken möchte. [! - nicht einheitlich]</em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>Daneben umfaßte der Schwäbische Kreis aber auch Territorien und Räume, deren Einwohner sich selbst nie als Schwaben verstanden haben. Dabei ist vor allem an die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach zu denken. Die Rheingrenze im Westen entsprach zwar gelehrten Theorien über den Umfang des gentilen Siedlungsraums, stimmte aber nicht mit der Selbstzuordnung der westlich des Schwarzwalds lebenden Bevölkerung überein. Breisgauer und Ortenauer haben sich seit dem Hochmittelalter nie als Schwaben bezeichnet. In Wien gehörten die Breisgauer mit den Elsässern, Sundgauern und Vierwaldstättern zur vorderösterreichischen Landsmannschaft, wie dem Titel einer 1655 gedruckten Predigt von Florentinus Schilling zu entnehmen ist [Anm. 15]</em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>Die politischen Konflikte zwischen der Pfalz und Württemberg wurden als landsmannschaftliche Auseinandersetzungen gesehen: Schwaben und Württemberg galten als Synonyme. In der Tat kann Württemberg vom Selbst- und Fremdverständnis her als das schwäbische Territorium schlechthin gelten. Noch heute wird unreflektiert für schwäbische Mentalität ausgegeben, was eigentlich altwürttembergisch-protestantische Eigenart ist [Anm. 22]. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Schwaben zum Spielfeld der politischen Ambitionen der württembergischen Dynastie [Anm. 23], und um die ehrgeizigen Träume Herzog Carl Eugens zu charakterisieren sprach 1757 der Reichsvizekanzler Graf Colloredo davon, dieser habe vor, &#8220;sich zu einem Hertzogen in Schwaben hervor zu schwingen&#8221; [Anm. 24]. </p>
<p>Obwohl die Markgrafschaften Baden Bestandteile des Schwäbischen Kreises waren, spielte der Schwabenbegriff für das badische Selbstverständnis im 19. Jahrhundert keine Rolle mehr. Gleichsam einen Brennpunkt territorial begründeter Rivalitäten stellt heute die ungeliebte Doppelstadt Villingen-Schwenningen, Produkt der baden-württembergischen Verwaltungsreform, dar. Die badischen Villinger setzen sich von den verachteten Schwaben im württembergischen Schwenningen ab, und dies obwohl die traditionelle Zugehörigkeit der Baar und damit auch Villingens zu Schwaben eigentlich nicht zu bestreiten ist. </em></p>
<p>[...; die folgende Absatz belegt die lokale/regionale Begrenztheit identitär aufgeladener Konflikte]</p>
<p><em>Wie sich die Bewohner selbst zuordneten, ist äußerst schwer zu ermitteln, da man auf extrem verstreute Hinweise angewiesen ist. Zuweilen sind Beleidigungsprozesse hilfreich: 1755 nannte ein Gerber in Emmendingen seinen Berufskollegen, einen Neubürger, einen &#8220;verfluchten tausendSacraments Schwab&#8221;. 1789 beschwerte sich in der gleichen Stadt ein Dreher über einen Schreiner, dieser habe ihn &#8220;einen unvernünftigen Schwaben gescholten&#8221; [Anm. 29]. Beide Injurienklagen belegen, daß man sich im Breisgau nicht zu Schwaben zählte. Im 19. Jahrhundert beobachtete Anton Birlinger, daß die alemannisch sprechenden Breisgauer, Hauensteiner, Klettgauer, Hegauer, Baarer, Heuberger, Schwarzwälder und Allgäuer alle keine Schwaben sein wollten [Anm. 30]. &#8220;Die Hegäuer verlegen die Schwaben in die Stockacher Gegend, die Stockacher ins benachbarte Hohenzollern&#8221; [Anm. 31]. Was in Lexika und obrigkeitlichen Dokumenten zu finden ist und durch die Zugehörigkeit zum Schwäbischen Kreis abgesichert erscheint, muß daher nicht der Selbsteinschätzung der Untertanen entsprochen haben. Reinhard von Gemmingen hielt im 17. Jahrhundert den Kraichgau wie seine Standesgenossen im Ritterkanton für schwäbisch [Anm. 32]. Im ritterschaftlichen Gemmingen aber erklärte 1563 eine Frau: &#8220;ich bin uffhin ins Schwabenlandt gen Besigkheim gangen&#8221; [Anm. 33]. </p>
<p>An den Rändern franste Schwaben aus, doch gab es genügend Schwaben, die auch solche sein wollten. Für sie war Schwaben in der frühen Neuzeit tatsächlich &#8220;Heimat&#8221; &#8211; modisch gesprochen: eine identitätsstiftende Größe &#8211; oder in der zeitgenössischen Terminologie: ein Vaterland, eine patria, eine &#8220;Nation&#8221;, für die es einzustehen galt. Insoweit darf auch von schwäbischem &#8220;Patriotismus&#8221;[! - im Sinne von Lokalpatriotismus] gesprochen werden. Die eingangs erwähnte schwäbische Landsmannschaft in Wien mag verdeutlichen, daß sich auf Schwaben nicht nur eine kleine gebildete Elite einerseits oder machtbewußte Politiker andererseits, die ihr Territorium damit legitimieren wollten, berufen haben. Allerdings sollte man nicht übersehen, daß eine solche Zuordnung nur in bestimmten Kontexten &#8211; insbesondere in der Fremde und bei der Konfrontation mit Nicht-Schwaben[!] &#8211; zum Tragen kam, nicht aber im &#8220;innerschwäbischen&#8221; Alltag.[!]</em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>II. Der historische Diskurs über Schwaben </p>
<p>Schwaben war ein Traditionstatbestand, eine Art Relikt aus vorterritorialer Zeit, das sich erstaunlich zäh gegenüber den aufkommenden Territorien behauptet hat. Geschichtsschreibung und historischer Traditionsbildung kam daher eine überragende Rolle innerhalb des frühneuzeitlichen Diskurses über Schwaben zu. </p>
<p>Der humanistische Gentilpatriotismus[!] hatte die antiken Quellen über die völkerwanderungszeitlichen germanischen Stämme wiederentdeckt und mit den vorgefundenen spätmittelalterlichen Landesdiskursen verbunden. Für Schwaben ist hier &#8211; darauf hat Dieter Mertens 1983 aufmerksam gemacht &#8211; an erster Stelle der Tübinger Humanist Heinrich Bebel zu nennen, der in den Jahren nach 1500 in historisch-patriotischen Schriften am lautesten einen unbändigen Schwabenstolz formuliert hat [Anm. 34]. </em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>Eine zielgerichtete Indienstnahme der schwäbischen Vergangenheit ist im 17. und 18. Jahrhundert bei den Württembergern und den Habsburgern zu beobachten. Während die württembergische Dynastie sich als Rechtsnachfolger und Blutsverwandte der staufischen Herzöge von Schwaben darstellen ließ [Anm. 39], bezog sich Habsburg bei der historischen Argumentation zugunsten der vom Landgericht Schwaben beanspruchten Jurisdiktion auf die vorstaufische Periode, auf ein vermeintliches[!] altes Fürstentum Alamannien [Anm. 40]. </p>
<p>Bei dem patriotisch verklärten Blick auf die Geschichte Schwabens stand eine Dynastie im Vordergrund: die Staufer, die nicht nur Herzöge von Schwaben, sondern auch römisch-deutsche Kaiser und Könige gewesen waren. Das staufische Herzogswappen mit den drei Löwen, im Spätmittelalter zum &#8220;gemeinschwäbischen Symbol&#8221; avanciert [Anm. 41], war auch das Wappen des Schwäbischen Kreises geworden [Anm. 42]. Vor allem im 18. Jahrhundert beschwor man in Schwaben die glorreiche Vergangenheit des Landes in der Stauferzeit, dem &#8220;schwäbischen Zeitalter&#8221; [Anm. 43]. Der Germanist Hugo Moser hat in diesem Zusammenhang treffend von &#8220;Schwäbischer Vorromantik&#8221; gesprochen [Anm. 44]. Den &#8220;Schatten Barbarossas und Friedrichs&#8221; übergab 1782 Carl Philipp Conz, ein Jugendfreund Schillers, sein Drama &#8220;Conradin von Schwaben&#8221; und zwar nicht unterwürfig, sondern &#8220;mit all dem Stolze, daß Ihr Schwabens Söhne seyd und ich &#8211; ein Schwabe bin&#8221; [Anm. 45]. Diese nostalgische Retrospektive erfolgte vielfach im Kontext einer Debatte über den Standort Schwabens im Rahmen der deutschen Nationalkultur. [! - wohlgemerkt: 1782, also nach Mitte des 18. Jahrhunderts]</em></p>
<p>[...]</p>
<p><em>Heftig polemisierte Schubart in seiner &#8220;Deutschen Chronik&#8221; gegen die Sachsen, denen er vorwarf, die alten deutschen Werte zugunsten der Nachahmung französischer Vorbilder zu unterdrücken [Anm. 49]. Und der Memminger Hutmacher Christoph Städele, ein Protegé Schubarts, sekundierte in einem 1782 publizierten Trinklied [Anm. 50]: </p>
<p>Ha! wir brafe Schwaben<br />
sind an allem reich.<br />
Frankreich, deine Gaben<br />
sind sie unsern gleich?<br />
Unser alter teutscher Muth<br />
flammt bei Neckars Rebenblut. </p>
<p>Dazu Volz: &#8220;Parallel zur Bekräftigung eines deutschen Patriotismus, der sich in erster Linie als antifranzösische, genauer anti-gallomane Stellungnahme artikuliert, erwächst die schwäbische Vaterlandsliebe aus einer Verteidigungs- bzw. Abwehrreaktion. Als Erwiderung auf die Verachtung durch andere Stämme liegt den Schwaben daran, das verblaßte Prestige ihres Volkes wieder aufzupolieren, ihm aber auch und zuallererst Stolz und Selbstvertrauen wiederzugeben&#8221; [Anm. 51]. </p>
<p>Von der weiteren Forschung noch genauer auszuleuchten bleibt die für den modernen Betrachter irritierende intrikate Gemengelage dreier Patriotismen, die ständig aufeinander bezogen werden: des territorialen, der in Württemberg das Vaterland erkennt, des regional-landsmannschaftlichen, der Schwaben hochhält, und des an Deutschland orientierten nationalen Patriotismus. Loyalität zu Deutschland und zu Schwaben bedeutete für die Zeitgenossen jedenfalls keinen Widerspruch; vielmehr verstärkten sich die beiden Patriotismen gegenseitig. Schwaben sind die besseren Deutschen &#8211; die schwäbischen Publizisten werden nicht müde, diese vermeintliche Einsicht zu artikulieren und historisch zu belegen [Anm. 52]. Identität und Alterität: Die kollektive Selbstvergewisserung bedarf der ständigen Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Ausland, sei es mit Sachsen, dem exemplarischen Gegner der südwestdeutschen Publizistik, und seiner Buchhandelsmetropole Leipzig, sei es mit Frankreich, dem man die Überfremdung deutscher Kultur zum Vorwurf macht. </p>
<p>Für die sich formierende literarische Öffentlichkeit des späten 18. Jahrhunderts[!] war Schwaben somit eine gewichtige Diskursmaterie. Ohne die Intensivierung des Schwabendiskurses durch die Publizistik wären wohl auch die in der Zeit der französischen Revolution aufkommenden Träume von einer mit der Schweiz vereinten Republik[! - nicht gerade Ausdruck eines spezifisch (gesamt)deutschen Nationalismus] Schwaben kaum vorstellbar gewesen [Anm. 53]. &#8220;Was gewinnen wir, wenn Schwaben eine Republik wird?&#8221; fragte beispielsweise Johann Jacob Griesinger in einer 1798 in Stuttgart anonym erschienenen fünfzehnseitigen Schrift. Schwaben empfahl sich als Alternative zur südwestdeutschen Kleinstaaterei, ein politisch unbelastetes Vaterland mit gemeinsamer Volkszugehörigkeit. Doch die Republik, die an die eingespielte Kooperation im Schwäbischen Kreis hätte anknüpfen können, kam bekanntlich nie zustande. </em></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Serdar Güneş</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8354/kritik-der-orientalismuskritik/comment-page-1/#comment-52769</link>
		<dc:creator>Serdar Güneş</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 14:52:49 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.transatlantic-forum.org/?p=8354#comment-52769</guid>
		<description>Als Hassan Hanafi Gastprofessor war bei uns, hatten ich mit ihm lange Diskussionen über Orientalismus und Okzidentalismus. Hätte ich gerne auch mit Said geführt.

Übrigens gibt es jetzt im Transcript Verlag einen Sammelband zur &lt;a href=&quot;http://www.transcript-verlag.de/ts1124/ts1124.php&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Kritik des Okzidentalismus&lt;/a&gt;.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Als Hassan Hanafi Gastprofessor war bei uns, hatten ich mit ihm lange Diskussionen über Orientalismus und Okzidentalismus. Hätte ich gerne auch mit Said geführt.</p>
<p>Übrigens gibt es jetzt im Transcript Verlag einen Sammelband zur <a href="http://www.transcript-verlag.de/ts1124/ts1124.php" rel="nofollow">Kritik des Okzidentalismus</a>.</p>
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