Minarettverbot: Zurückhaltung aus dem Sudan
Selbstkritische Stellungnahmen zum Minarettverbot aus der islamischen Welt kommen nicht allein von Säkularisten. Sadiq al-Mahdi, Oberhaupt des sudanesischen Ansar-Ordens und Führer der Umma-Partei[1] sieht ebenfalls in den Aktivitäten radikaler Islamisten einen Grund für das Schweizer Abstimmungeergebnis. Er kritisiert die antiislamische Propaganda bestimmter Medien, doch meint er zugleich, dass die Äußerungen jihadistischer Organisationen und erst recht Attentate wie in New York, Madrid und London ihr Nahrung lieferten. Dabei sei Unglaube allein kein ausreichender Grund, um jihad zu legitimieren.
al-Mahdi kritisiert zwar das Abstimmungergebnis, doch wird er nie bösartig. Vielmehr zeigt er sich enttäuscht, weil es der Schweizer Tradition der Toleranz und der Mäßigung widerspreche. Mit diesen beiden Zügen unterscheide sich das Land doch sonst von der europäischen Neigung zu Extremen. Während islamistische Autoren ohne Beleg eine große Verschwörung zusammenphantasieren, zeigt er sich über die Schweizer Politk wohlinformiert. So kennt er die Positionen aller relevanten Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Er empfiehlt den Muslimen nicht nur in der Schweiz und im Westen, in einen ehrlichen Dialog zu treten, bei der nicht nur die Rechte und Pflichten der Muslime, wenn sie in der Minderheit sind, zur Sprache kommen sollten, sondern auch die Rechte der anderen, die in einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft leben.
- Sadiq al-Mahdi ist ein Nachomme des sudanesischen “Mahdi”, der im späten 19. Jahrhundert einen Aufstand gegen die britisch-ägyptische Besatzung führte. Ungeachtet dieser militanten Herkunft stand der Sufiorden der Ansar, der aus dem Mahdiaufstand hervorging und die von ihm getragene und von Sadiq al-Mahdi geführte Umma-Partei in Konflikt mit den Islamisten im Sudan. ⇧


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