Mittel gegen Langeweile

Wednesday, December 23, 2009
By Michael Kreutz

Im traditionellen Islam darf ein Mann vier Frauen haben. Warum gilt nicht auch der umgekehrte Fall? Die saudische Journalistin Nadine al-Badeir, die sich schon seit längerem für die Monogamie einsetzt, fragt nun polemisch in der ägyptischen “Al-Masry Al-Youm”, warum eine Frau nicht vier Männer haben dürfe.

Der Schutz der materiellen Güter der Gesellschaft, so al-Badeir, geschah auf Kosten der natürlichen Leidenschaft zwischen Mann und Frau. Deren Gründungsväter haben vergessen, dass zum Sex auch Gefühle gehören, wofür es aber weder ein Gesetz noch eine Verordnung gab. Sex in der Institution Ehe werde daher zu einer routinemässigen Pflicht, ein täglicher ehelicher Brauch mit dem alleinigen Zweck, Kinder in die Welt zu setzen und die Virilität zu bestätigen – alles, ausser körperlichem und ehelichem Genuss!

Die Männer, so al-Badeir, sähen Sex vor allem als Mittel gegen die eigene Langeweile. Die Traditionen sowie der Klerus legitimierten die Kur der “Langeweile, die den Mann bis zur Krankheit befiel”. Die Frauen dagegen empfänden ohnehin keinen Genuss in der traditionellen Ehe, abgesehen von der Hochzeitsnacht. Der Verrat an der Ehe in Form von Polygamie steht ihr nicht zu. Stattdessen binden Tradition und Klerus die Frau ans Haus und heissen sie zu schweigen: “Sind die Ehefrauen in unseren orientalischen Gesellschaften sexuell befriedigt? Natürlich nicht!” so empört sich Frau al-Badeir – und rührt in der Arabischen Welt damit an ein ganz heisses Eisen.

Da bleibt ein Nachspiel[1] nicht aus. Das ägyptische Parlament bereitet eine Klage gegen die Autorin vor. Und einige muslimische Kleriker, denen sogleich der Kamm schwoll, haben den Text bereits als “hetzerisch” und “anti-islamisch” verurteilt.


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One Response to “Mittel gegen Langeweile”

  1. Der Schutz der materiellen Güter der Gesellschaft, so al-Badeir, geschah auf Kosten der natürlichen Leidenschaft zwischen Mann und Frau. Deren Gründungsväter haben vergessen, dass zum Sex auch Gefühle gehören, wofür es aber weder ein Gesetz noch eine Verordnung gab. Sex in der Institution Ehe werde daher zu einer routinemässigen Pflicht, ein täglicher ehelicher Brauch mit dem alleinigen Zweck, Kinder in die Welt zu setzen und die Virilität zu bestätigen – alles, ausser körperlichem und ehelichem Genuss!

    Ich finde die Frage doch etwas naiv. Denn von dem gesellschaftlichen Hintergrund her, hat ja der Islam ja die Mehrehe ja gar nicht eingeführt! Er hat eine bestehende Praxis eingeschränkt. Wobei ich bewußt nicht Koran sage, sondern Islam. Denn die Einschränkung auf Vier ist eine nachträgliche, die durch die Fiqh vorgenommen wurde. Im Koran gibt es diese Einschränkung nicht. Vom arabischen Orginal her, verstehe ich nämlich diese Passage als Aufzählung und nicht als Einschränkung.

    Das Geschlechterbild im Koran ist eindeutig patriarchal geprägt. Daher lässt sich diese Frage auch leicht bekantworten. Hinzukommen noch nachträgliche Einschränkungen u. Diskriminierungen der Frau im Verlauf des Islam durch die islamischen Juristen.

    Sowohl das koranische als auch das traditionell-islamische Verständnis ist meiner Meinung nach zu großen Teilen überholt. Ich sehe das sowieso eher als Fingerzeig.

    Das ägyptische Parlament bereitet eine Klage gegen die Autorin vor. Und einige muslimische Kleriker, denen sogleich der Kamm schwoll, haben den Text bereits als “hetzerisch” und “anti-islamisch” verurteilt.

    Tja Meddeb hat nicht umsonst “Die Krankheit des Islam” geschrieben. Echt traurig.

    #52812

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