Kantische Überlegungen in Teheran
Teheran bereitet sich auf eine hübsche kleine Groteske vor: Die Ausrichtung des diesjährigen Welttags der Philosophie. Das freilich passt wie die Faust aufs Auge.
Der Philosoph Otfried Höffe, der gerne einige “kantische Überlegungen zum Verhältnis von Philosophie und Offenbarung” zum besten gegeben hätte, hat es sich nach reiflicher Überlegung anders überlegt. Für seine Absage hat er gute Gründe:
Ihr Kern besteht in der enttäuschenden Nachricht, nicht Gholamreza Aavani, sondern Haddad Adel sei der Leiter (”chief”) der Veranstaltung geworden, direkt von Präsident Ahmadineschad ernannt. (…) Adel ist aber nicht bloß akademischer Philosoph, sondern in die Machenschaften der politischen Führung so intim verstrickt, dass man die seit Ahmadineschads Präsidentschaft veränderte Lage nicht in den Hintergrund schieben darf. Noch vor wenigen Wochen hat Adel Dissidenten eine Wiederholung von “Kahrisah” angedroht, also Einsperrungen Dutzender Personen in einen Container, systematisches Vergewaltigen von Jugendlichen und erwachsenen Männern und das Verbrennen der Leichen von Folter-Opfern.
Dass der “Weltphilosophietag als Propagandaveranstaltung des Staatspräsidenten missbraucht” werde, hätte dem Philosophen ohnehin klar sein müssen. Dass er abgesagt hat, zeugt dennoch von philosophischer Klugheit. Dem kantischen Projekt einer “fortschreitenden Vertiefung des Freiheitsgedankens” (Cassirer) ist so sicherlich am besten gedient.
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