Autoklau

Sunday, August 15, 2010
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne, 15. August 2010

Inzwischen hat es sich überall herumgesprochen, dass momentan in ganz Deutschland mehr Autos gestohlen werden als früher. Die Statistik berechnet es ganz nüchtern: In Sachsen wurden vergangenes Jahr 3.862 Fahrzeuge gestohlen. Ein Anstieg von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Brandenburg stieg die Zahl um 31, in Berlin sogar um 36 Prozent. Also nicht nur ein sächsisches Problem.

Das macht es allerdings auch nicht akzeptabler. Jeder von uns weiß, dass hinter jeder Statistik persönliche Schicksale verborgen sind und wieviel Ärger, wieviel Angst und wieviel Zorn auf die Diebe damit verbunden ist. Natürlich kann man selber Vorsorge tragen. Natürlich muss man auch die Autoindustrie sehr genau fragen, warum sie ihre ausgefeilte Technik nicht ganz in den Dienst der Diebstahls Verhinderung stellt. Aber das reicht nicht.

Fachleute wissen sehr genau: Den einfachen Gelegenheitsdieb, der versucht, mit dem Schraubenzieher ein Auto zu öffnen, gibt es kaum mehr. Selbst die immer ausgereifteren Sicherungsvorkehrungen halten Diebe kaum ab. Immer häufiger gelangen professionelle Autoknacker in den Besitz von Schlüsselrohlingen oder der Sicherheitssoftware der Hersteller. Elektronische Wegfahrsperren sind dann kein Hindernis mehr.

Zudem werden Alarmsysteme vermehrt durch so genanntes Jacking umgangen. Dabei wird nicht versucht, das Schloss des Wagens zu knacken, sondern der Schlüssel aus der Tasche oder der Wohnung des Besitzers entwendet. Auch in Autohäusern nimmt diese Methode des Diebstahls zu. Wir haben es mit international agierenden Verbrechergruppen zu tun.

Also was tun? Diese Frage stellen sich momentan viele und werden immer ungeduldiger, weil der schnelle Erfolg ausbleibt. Natürlich kann man als verärgerter Hotelier oder Bürgermeister jeden Tag vor einer neuen Kamera dieses Elend beklagen um dann hinterher darüber zu lamentieren dass die Gäste wegbleiben. Nur, wer macht schon gerne Urlaub in einer Gegend, in der sich selbst Bürgermeister und Gastwirte über Unsicherheiten beklagen?

Natürlich kann man sich politisch profilieren indem man das fordert, was man im Frühjahr im Landtag in einer Auseinandersetzung mit der NPD selber abgelehnt hat, nämlich dass die Zoll- und Grenzkontrollen wieder eingeführt werden sollten. Das bringt allerdings kein Auto und schon gar keine politische Glaubwürdigkeit zurück. Außerdem würde ein klärendes Gespräch über die Grenze aufzeigen, dass die Polen und die Tschechen die gleichen Diebstahlsprobleme haben wie wir.

International agierende Verbrechergruppen können nur mit international agierender Polizeiarbeit erfolgreich bekämpft werden. Es ist gut, dass es gemeinsame Fahndungsgruppen von Bundes- und Landespolizei gibt. Noch besser wären viele kleine trinational agierende und zusammengesetzte mobile Fahndungsgruppen.

Denn ihr Erfolg würde den Diebstahl und auch die unzuträglichen Diskussionen beenden. Oder?

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