Courage

Sunday, August 29, 2010
Von Heinz Eggert

Morgenpostkolumne 29.08.2010

Kennen Sie das Land, in der ein Schnurrbartträger und Präsident, selbstherrlich und selbstverliebt regiert, der die Verfassung ändern lässt, so dass für ihn keine Beschränkung der Amtszeit mehr gelten. Dass Polizei und Justiz in diesem Land völlig unabhängig- von demokratischen Vorgaben natürlich-agieren, versteht sich von selbst.

Der Tyrann hat auch kein Problem damit, vor den „freien Wahlen „seinen Geheimdienst ankündigen zu lassen, dass gegen die Gegner der Regierung mit lebenslanger Haft und sogar Todesstrafen vorgegangen werden kann. Ein Präsident, der in seinem armen Land als Prestige -Projekt eine diamantförmige National Bibliothek für 80 Millionen Euro an den Stadtrand der Hauptstadt klotzen lässt und die Finanzierung ganz „einfach“ durch ein Dekret regelt indem er jedem Bürger eine“ freiwillige“ Bibliothekspende vom Gehalt abziehen lässt.

Daraufhin stellt der leitende Psychoanalytiker das Landes beim Präsidenten eine „Psychose mit überwiegend paranoider und dissozialer Persönlichkeitsstörung“ fest, aus der er schließt, dass „die Bekleidung des Präsidentenamtes durch diesen Präsidenten eine Gefahr nicht nur für die Bürger seines Landes, sondern auch für die Sicherheit und Stabilität in der Region darstellt“.Nach Veröffentlichung seiner Diagnose zieht der Mediziner die Flucht in die USA vor.

Es ist Weißrussland, das von unabhängigen Beobachtern als undemokratisch, autoritär und marktfeindlich beschrieben wird und ich hätte es schon aus den Augen verloren, wenn es nicht in Radebeul engagierte Leute geben würde, die zivilgesellschaftliche Kräfte in ausgewählten Regionen Europas ermutigen und begleiten. Genau so eine Gruppe engagierter Menschen,“Unser Haus“ aus diesem Land wurde am Freitag in der Friedenskirche der Couragepreis verliehen.

Manchmal bekommen auch die Richtigen die Auszeichnungen. Auch wenn sie für ihr Engagement ständig vor Gerichte gezerrt werden sie lassen sich nicht entmutigen. Sie fordern öffentlich die Einhaltung des Rechts im Gerichtswesen, dass sich auch Polizei und Sicherheitsdienste an geltendes Recht halten und Willkür und Korruption aus lokalen Kommunalverwaltungen verbannt werden. Zu Recht!

Sie wollen für alle Bürger ihres Landes nicht die Willkür des Unrechtstaates sondern den Schutz des Rechtsstaates und setzten dafür ihre Lebenszeit, ihren Lebensmut und ihre Lebenskraft ein und verbreiten damit Mut, Hoffnung und Zuversicht in ihrer Gesellschaft. Respekt! Respekt aber auch vor den Radebeulern. Sie nehmen den Schutz der Demokratie, in der sie leben nicht für selbstverständlich, sondern geben diese Impulse als Ermutigung weiter an andere. Denn Demokratie versteht sich nicht von selbst.

Das müsste uns eigentlich allen klar sein. Oder?
       

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