Veränderungen

Sunday, November 7, 2010
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne, 7. November 2010

Diese Woche hatte ich in Berlin zu tun. In der Fernsehsendung aus der sächsischen Landesvertretung in Berlin moderierte ich ein Gespräch zum Thema „20 Jahre Sachsen“. Es sollte ein Rückblick werden, in dem über die Hoffnungen, die persönlichen Erlebnisse und die dann entstandenen Realitäten gesprochen werden sollte.

Meine Gäste machten es mir sehr einfach. Nicht etwa, weil sie unkritisch waren, sondern weil sie sehr offen ihre persönlichen Lebensgeschichten auf dem Hintergrund ihrer beruflichen Erfahrungen erzählten.

Die Schauspielerin Claudia Schmutzler, die viele noch aus dem Film “Go Trabi Go“ kennen und die sehr überzeugend über die Chancen und die Schwierigkeiten einer Schauspielerin in der Wendezeit erzählte. Sie hatte damals Glück mit dieser Rolle. Sie blendete aber auch nicht aus, mit wie viel Schwierigkeiten es verbunden ist, als junger talentierter und gut ausgebildeter Schauspieler, heute überhaupt ein erstes Engagement zu bekommen.

Der Telekom Manager Werner Adloff, der vor 20 Jahren von Hamburg nach Leipzig kam, um aus 400.000 veralteten Telefonanschlüssen (von denen nur knapp die Hälfte private Anschlüsse waren) fast drei Millionen digitale Anschlüsse möglich zu machen, erzählte, wie erstaunt er darüber war, wie viele in technischen Berufen gut ausgebildete Frauen er in Leipzig vorfand – im Gegensatz zum Westen. Viel Gelächter kam auf, als er schilderte, dass seine Sekretärin in Leipzig 1990 vier Stunden brauchte um ein Gespräch mit Hamburg oder München herzustellen. Und das bei dem obersten Telekom-Manager in Sachsen.

Sehr plastisch und humorvoll erzählte der vielfache Welt-, Olympia- und Europameister Marc Huster von den Veränderungen in seinem damals sehr jungen Sportlerleben. Noch jetzt sieht man ihm die Freude darüber an, dass er seinen Trainer behalten und in seinem vertrauten sächsischen Sportverein bleiben konnte. In aller Offenheit sprach er aber auch über die damalige und heutige Gefährdung der Sportler durch Doping, ohne die Erfolge der DDR-Sportler dadurch verwischen zu wollen.

Zum Schluss sprach ich mit einem jungen Mann, der zur Wendezeit noch nicht einmal geboren und der trotzdem für dieses Thema eine große Bereicherung war. Jacob Schrot, der vor kurzem den ZDF-Kanzler Wettbewerb gewonnen hat und sehr lebendig, mit einer ungeheuren Sprechgeschwindigkeit und sehr klug über die Möglichkeiten und Chancen der Jugend sprach, die es ja so leicht heute auch nicht immer hat. In der Erkenntnis bereichernd war er für alle Zuhörer und Zuschauer, weil er die Möglichkeiten und Freiheiten, die eine Demokratie für ihre Bürger bereit hält, nicht selbstverständlich nahm.

Natürlich sind wir alle – auch nach 20 Jahren – mit vielen oder manchem unzufrieden.
Vielleicht entsteht aber manche unnötige Unzufriedenheit nur deshalb, weil wir Dinge für selbstverständlich nehmen, die für Milliarden auf dieser Erde nicht vorstellbar sind.
Oder?

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