Jagdszenen in Westanatolien
Nach der einen Version hat ein Roma am Neujahrstag in einem Teehaus in Selendi (Provinz Manisa) verbotenerweise geraucht. Als man ihn aufforderte, dies zu unterlassen, sei er wohl ausfällig geworden. Nach der anderen ist dem Mann entgegengehalten worden, “Zigeuner bekommen von mir keinen Tee, hau ab aus meinem Kaffeehaus!”.
In jedem Fall ergab sich eine Hetzjagd und in der Folge eine Debatte über das Verhältnis der türkischen Gesellschaft zu der Minderheit der Roma. Nachdem zum Streit gekommen war, attackierten Türken Läden, Werkstätten und Wohnungen im Romaviertel der Kleinstadt. Die Gendarmerie erschien und schützte die Gebäude, sie konnte oder wollte aber nicht verhindern, dass der Mob nun Autos und Minibusse in Brands steckte, und sie nahm auch niemanden fest. Die Roma behaupten, dass der Mob von der rechtsnationalistischen Stadtverwaltung unterstützt worden sei, denn der städtische Bulldozer sei verwendet worden, um ihre Autos zu zerstören. Die Roma verließen darauf hin, angeblich freiwillig, den Ort. Der Gouverneur erklärte in diesem Zusammenhang, die Roma passten sich eben nicht an das Leben im 21. Jh. an. Versuche, die Roma zur Rückkehr zu bewegen, blieben daher, nicht wirklich überraschend fruchtlos.
Roma in İzmir und Thrakien demonstrierten gegen den Vorfall .
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Das wird wohl nochmal die Debatte entfachen, ob es eine faschistische Einstellung in Izmir oder sogar in der ganzen Region gibt. Man erinner sich an gewaltätigen Auschreitungen wegen dem DTP Konvoi.
Ich denke nicht, dass das Izmir-spezifisch ist. Momentan gibt es ja in den Städten der Cukurova (Adana, Mersin) ständig Spannungen zwischen Türken und Kurden.
Stimmt, allerdings geht es bei Izmir und Umgebung darun, das gerade dieses Gebiet ja immer als sehr westlich gilt. Und “westlich” ist ja für viele per se was Gutes.
Wenn man sich die türkische Geschichte der letzten 45 Jahre anschaut sind es wohl die besonders verwestlichten Gebiete an der Küste und in Thrakien, in denen am wenigsten politische Gewalt zu verzeichnen ist (Izmir im Vergleich zu anderen Großstädten). Dort konnten weder linker noch religiöser und nationalistischer Extremismus Fuß fassen. Wegen des zunehmenden religiösen Einfluss in der Politik haben dort die Ulreakemalisten Einfluss gewonnen. Das ist aber ein relativ neues Phänomen. Insgesamt wird die CHP ja nicht wegen sondern trotz ihres Nationalismus gewählt, weil es eben in der Türkei keine nichtnationalistische säkulare Partei gibt.