Optimistischer Irak
Der irakische Widerstand sei von den Wahlen ausgeschlossen worden, beklagt sich der Jürgen Todenhöfer im Deutschlandfunk und meint damit nicht etwa mörderische Ex-Baathisten oder bombende Al-Qaida-Jünger, sondern durchaus zivilisierte Menschen, die “gemässigt, sowie säkulär” seien und “zunehmend die Zustimmung der Bevölkerung” finden.
Wer oder was dieser Widerstand sein soll, weiss auch im Irak wohl niemand – eine Forderung wie die, dass die Amerikaner nicht ewig im Lande bleiben sollen, wäre auch kein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des politischen Spektrums. Unter den Irakern selbst ist die Stimmung ohnehin eine andere, nämlich optimistischere. Selbst in der Extremistenhochburg Baquba nördlich von Bagdad hat man mit Drohungen von al-Qaida nichts am Hut.
Ansonsten berichtet selbst die arabische Auslandspresse wohlwollend über die Wahlen: So spricht die libanesische “Almustqbal” davon, dass Millionen Wähler, die zu den Urnen strömen, die Geräusche der Explosion übertönten. Die emiratische “Al-Khaleej” weiss von “intensiver Teilnahme” an der Wahl zu berichten. Und die saudische “Asharq Al-Awsat” attestiert den Amerikanern, die Vorbereitungen beaufsichtigt, ohne sich in den Ablauf eingemischt zu haben. Obgleich der Irak ein Land vieler politischer Antagonismen ist und sich einzelne Gruppen schnell benachteiligt fühlen könnten, sind Befürchtungen, die Wahl könnte massiv manipuliert worden sein, bislang jedenfalls ausgeblieben.
Nur im Westen wissen einige wieder alles besser.
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