Kein Schutz hinter dem Schleier

Monday, March 8, 2010
Von Michael Kreutz

Islamisten und ihre westlichen Apologeten behaupten gern, dass die muslimische Frau unter ihrem Schleier geschützt sei, allerdings haben mich persönliche Erfahrungsberichte von Frauen schon längst vom Gegenteil überzeugt. Auf Qantara.de gibt es einen interessanten Bericht über sexuelle Gewalt und darüber, wie sich die Problematik in Ägypten darstellt. So

(…) wurde das Problem von den meisten offiziellen Stellen und den einflussreichen sozialen Gruppen zumindest solange ignoriert, bis es 2006 zu einem dramatischen Vorfall kam. Während in der Innenstadt das Fest Eid al-Fitr, also das Ramadanfest zum Ende der Fastenzeit, gefeiert wurde, stürzten sich Hunderte sexuell aufgeladene Männer auf Dutzende von Frauen, umringten sie in den Straßen, grapschten nach ihnen und versuchten gar sie zu entkleiden. Die Polizei stand abseits und beobachtete das Geschehen unentschlossen; niemand, weder Mütter noch verschleierte Frauen waren sicher vor dem Mob.

(…) Während die Behörden versuchten, der Situation Herr zu werden, indem sie dort, wo alles geschehen war, also in der Innenstadt, Überwachungskameras installierten, wurde dadurch nicht verhindert, dass es an anderen, nicht überwachten Orten, zu ähnlichen Vorfällen kam. Im Gegenteil: Die Übergriffe nahmen zu, so etwa in der Al Haram Straße und im Viertel Al Mohandesseen, wo viele Mädchen im letzten Jahr, wiederum beim Ramadanfest, Belästigungen ausgesetzt waren. Dieses Mal aber griff die Polizei entschlossen ein und nahm viele der Angreifer in Gewahrsam.

Die Frage, ob islamische Gesellschaften eine höhere Neigung zur Gewalt haben als westliche Länder, ist natürlich heikel und sie zu diskutieren bekommt schnell ein Gschmäckle, wenn sie von europäischen Nichtmuslimen thematisiert wird. Mir liegt es auch fern, ein Land wie Ägypten an den Pranger zu stellen, aber faszinierend ist ganz allgemein die Erkenntnis, dass offenbar gerade die Geschlechtertrennung – und sei sie nur visuell – Übergriffe eher fördert als unterbindet. So verweisen NGOs und Frauengruppen darauf,

(…) in welcher Weise eine vor allem männlich geprägte, chauvinistische Kultur zu einer immer stärkeren sexuellen Repression geführt hat, wie auch zu einer Aufweichung familiärer Werte und Moralvorstellungen.

“Sexuelle Repression” ist hier das Schlüsselwort. So erklärt sich, dass nach einer Studie 83% aller einheimischen Frauen in Ägypten bereits mindestens einmal Opfer sexueller Übergriffe geworden sind. Das fügt sich in ein Bild, das andere Studien zeichnen (hier, hier und hier) und das auch die Entstehung islamistischer Gewalt erklären hilft. Wer diesen Zustand ändern will, muss in den Familien ansetzen.

Bemerkenswert ist allerdings mindestens ebensosehr, wie zivilgesellschaftiches Engagement auch die Arabische Welt erfasst und verändert (weitere Beispiele hier, hier oder hier).

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