Sex-Gespräche

Sunday, March 14, 2010
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne 14. März 2010

Am Donnerstagvormittag in der Dresdner Alaunstraße. Sieben zwölf- bis dreizehnjährige Schüler kommen auf mich zu und fragen, ob ich an einer Umfrage der Schule teilnehmen wolle. Ich will. Aber, sagt der eine etwas wichtig und gleichzeitig warnend, es geht um das Fach Sexualkunde.

Wie auf Kommando schauen mich alle gleichermaßen gespannt an. Ich will immer noch. Während einer die Fragen abliest und die Antworten notiert, beobachten mich die anderen ganz genau. Die Fragen sind nicht ohne.

Wie alt ich gewesen sei, als ich den ersten Geschlechtsverkehr gehabt hätte? Wo das gewesen sei? Welches der außergewöhnlichste Ort gewesen sei, an dem ich Sex gehabt hätte? Ich antworte offen und fast wahrheitsgemäß.

Jede Antwort wird von einem kleinen netten bebrillten Jungen mit “Cool!“ kommentiert, wobei er dabei immer einen seiner Schulkameraden in die Seite stupst. Als ich dann die letzte Frage: “Ob ich immer noch Sex hätte?“ mit den Worten beantworte “Dass man das im Leben, was Spaß macht, nie aufgeben sollte, solange man es noch kann!“ zieht er das “Cooooooool!“ besonders lang.

Dann werde ich noch gelobt, dass ich bisher der Einzige sei, der wirklich alle Fragen beantwortet hätte. Jetzt frage ich zurück. Ob der Lehrer ihnen die Fragen aufgeschrieben hätte, oder ob sie von alleine darauf gekommen wären. Stolz erzählen sie, dass sie sich die Fragen selber erarbeitet haben, weil es sie interessiert.

Als ich sie frage, ob sie diese Frage auch ihren Eltern stellen würden, schütteln sie einvernehmlich den Kopf und geben dann ihrem Klassenkameraden recht, der meint, den Eltern könne man diese Fragen nicht stellen, weil man sie zu gut kenne. Dann gehen sie weiter und umringen eine verdutzte Frau, um ihre Fragen erneut zu stellen.

Beim Weitergehen überlege ich, wie es wohl insgesamt bewertet würde, wenn ich einem Dreizehnjährigen ungefragt diese Antworten gegeben hätte. Aber hier ergibt sich die Antwort auch gerade aus dem Faktischen. Wenn wir gefragt werden, sollten wir antworten. Vom Verständnishintergrund der Jugendlichen ausgehend – offen und unverkrampft. Damit Prüderie und Verklemmtheit sie nicht auf falsche Quellen verweisen.

Aber wir sollten es uns auch selbst verbieten, gerade bei allen Dingen, die die Sexualität betreffen, Antworten auf Fragen zu geben, die von ihnen überhaupt nicht gestellt worden sind. Oder?

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